Fahrraddiebe – Ladri di biciclette (Foto: Juppiter Film)
Anita Grüneis · 26. Okt 2023 ·

Eugen Zotows Werke sind nun im Exil zuhause

Stiftung verschenkt die Sammlung mit Werken von Eugen Zotow

Die Kulturstiftung Liechtenstein und die Prof. Eugen Zotow-Ivan Miassojedoff-Stiftung unterzeichneten einen Schenkungsvertrag. Damit gehen 3.500 Werke des ukrainisch-russischen Künstler Eugen Zotow in den Besitz der Kulturstiftung über. 80 Prozent dieser Werke entstanden in den "Liechtensteiner Jahren" des Künstlers, der von 1938 bis 1953 in Vaduz im Exil lebte.

Für Kulturminister Manuel Frick war dies ein "bedeutsamer Anlass", denn Eugen Zotow wurde durch sein Wirken ein unauslöschlicher Teil der Liechtensteiner Kunstgeschichte. "Ob Ölgemälde oder einfache Skizzierung, ob Landschaftsbild oder Portrait - jede einzelne dieser künstlerischen Schöpfungen verkörpert einen Berührungspunkt, ist ein Dokument des Austausches und der Verschränkung von Lebenswelten", so Manuel Frick. Die Sammlung wurde seit 1992 von der eigens gegründeten "Prof. Eugen Zotow-Ivan Miassojedoff-Stiftung" bewahrt. Für Stiftungsratspräsidentin Rita Kieber-Beck war der Schenkungsvertrag das glückliche Ende einer langen Suche. Seit 2017 wurden die finanziellen Mittel für eine stiftungsgerechte Haltung der Sammlung immer weniger, obwohl alle Stiftungsräte ehrenamtlich arbeiteten. "Dennoch fielen jährlich wiederkehrende Kosten an, wie beispielsweise für Versicherung, Buchhaltung, Revision und Gebühren», so Rita Kieber-Beck. Eine geplante Schenkung an das Liechtensteiner Landesmuseum kam nicht zustande, obwohl dort bereits ein Konvolut von Zotow-Werken aus der Sammlung von Adulf Peter Goop beheimatet ist. Auch die Schenkung an die Kulturstiftung benötigte Drittmittel. "Die Hans Groeber-Stiftung erkannte den kulturpolitischen und historischen Wert der Sammlung und bot zweckgebunden finanzielle Unterstützung an", erklärte Rita Kieber-Beck. So wechselte die Sammlung den Besitzer.

Großer Wert für Liechtenstein

Für den Präsidenten der Kulturstiftung Roland Marxer ist der neue Sammlungsbestand "attraktiv und wertvoll, weil er der Sammlung von zeitgenössischem Kunstschaffen, deren früheste Werke bislang beispielsweise von Künstlern wie Benjamin Steck, Anton Ender, Eugen Jussel, Georg Malin, Josef Schädler oder Roberto Altmann stammen, einen bemerkenswerten Gesamtbestand von Arbeiten aus den 40er und 50er Jahren hinzufügt." Für das Land Liechtenstein ist diese Sammlung auch deshalb bedeutend, weil sie künstlerisches Arbeiten von hoher Qualität in einer Zeit in Liechtenstein zeigt, in der ansonsten kaum Bildende Künstlerinnen und Künstler tätig waren. "Ferdinand Nigg arbeitete vor allem im Ausland, Georg Malin war noch im Studium. Zudem ist das Gesamthafte des Bestands von großem Wert für die Schreibung der Kulturgeschichte unseres Landes."

Weihnachten ist die beste Zeit

Eugen Zotow war einer der ersten, der in Liechtenstein die Bauern bei ihrer Arbeit abbildete wie bei der "Kartoffelernte auf Silum". Er portraitierte aber auch Fürst Franz Josef II., schuf Briefmarkenserien und hielt den Bau des Binnenkanals fest. "Er brachte die russische Akademiezeit und setzte sie hier in die Landschaft", meinte Kunsthistorikerin Cornelia Herrmann. Die Zeiten waren damals nicht einfach für den Künstler und seine Gattin. "Weihnachten ist die beste Zeit, dann kommen mehr Aufträge rein", schrieb er und dass "seine Seele nicht an ihrem Platz ist". Er selbst war auch nicht an seinem Platz. Da er jedes Jahr um eine neue Aufenthaltsbewilligung "betteln" musste, entschied er sich zur Ausreise nach Argentinien. Im Frühjahr 1953 kam er dort an, im Juli starb er an seiner Leberkrebs-Erkrankung. Seine Gattin kehrte nach Liechtenstein zurück und verstarb 1972. Beide sind in Vaduz am Friedhof begraben. Zotows Werke aber leben weiter, nun neu in den Depots der Liechtensteiner Kulturstiftung. Und wer weiß, vielleicht gibt es auch einmal eine große Ausstellung mit den Bildern von Eugen Zotow.