Elemental
Das neue Pixar-Abenteuer rund um eine Flamme und einen Wassertropfen ist bunt wie ein Regenbogen und sieht auch so aus: hübsch und durchsichtig. In der dazugehörigen Geschichte findet eine junge Frau, nicht unbedingt überraschend, zu sich selbst.
Nur nicht wütend werden. Schon gar nicht im eigenen Laden, wenn man Kundschaft hat. Während andere zum Lachen in den Keller gehen, muss Ember blitzschnell dorthin, um ihre Wut loszuwerden. Denn Ember besteht aus Feuer, ist also ganz in ihrem Element, und wenn sie sich aufregt und zu kochen beginnt, wird aus dem leuchtenden Orange ein gefährliches Lila, bis sie wie eine kleine Sonne explodiert und alles in ihrer Umgebung in Brand setzt. Das findet diese dann nicht so lustig. Weil sie hauptsächlich aus Erde, Wasser und Luft besteht.
Die Wutbürgerin wohnt nämlich in Elemental City, in der sich die vier Elemente den Lebensraum teilen – wobei man die Feuerwesen sicherheitshalber in den Außenbezirken angesiedelt hat. Überhaupt sind sie die Letzten, die in der an Metropolis erinnernden Metropole mit ihren Hochhäusern und überfüllten, lauten Straßen angekommen sind. Ember ist ein Einwandererkind der ersten Generation, ihr Vater hat einen Lebensmittelladen für andere Immigranten aus Feuerland erfolgreich aufgebaut, die Mutter liest im Hinterzimmer für Liebespaare die Zukunft mithilfe von Räucherstäbchen. Und Ember, des Vaters ganzer Stolz, soll zukünftig den Laden schmeißen. Bis sie eines Tages bei einem Wutanfall die Kellerrohre platzen lässt und daraufhin Wade, einem blauen Kerl aus Wasser, gegenübersteht, der sich obendrein als Rohrinspektor herausstellt.
Zunehmende Zuneigung
Dass die Pixar-Studios ihren im vergangenen Jahrhundert erarbeiteten Ruf als progressive Animationswerkstätte eingebüßt haben, liegt nicht nur, wie oft behauptet, an der Übernahme durch den Disney-Konzern. Diese ist nämlich auch schon wieder fast zwanzig Jahre her und hat keineswegs die Befürchtungen bestätigt, dass unter der Herrschaft der Maus ein neuer Konservativismus gepredigt worden wäre. Was hingegen die letzten Pixar-Produktionen „Turning Red“ (2022) und der „Toy Story“-Ableger „Lightyear“ (2022) gezeigt haben, ist die Schwierigkeit, zwischen einer sich rasant entwickelnden Computertechnik und einem möglich geistreichen Storytelling die Balance zu finden: Wichtiger als die Erzählung war der Effekt, die Geschichte mitunter nur Mittel zum Zweck. Ein Eindruck, den auch „Elemental City“ bestätigt.
Natürlich ist er noch im Detail zu finden, der berühmt gewordene Pixar-Humor, etwa wenn Ember beim Versuch, die Konzession für den Laden zu behalten, sich als Vorstadtkind nach Downtown wagt und mit den Stärken und Schwächen von Erde, Wind und Wasser konfrontiert sieht. Eine Fahrt mit der Schnellbahn oder der Besuch eines Stadions können da schnell zu einem kleinen Abenteuer im großen werden. Für Aufregung ist jedenfalls immer gesorgt. Und dass die zunehmende Zuneigung zu Wade ihre Probleme mit sich bringt, liegt nicht nur daran, dass Gegensätze sich angeblich anziehen.
Endlich Empowerment!
Weil es für die Aneinanderreihung von derartigen mehr oder weniger lustigen Szenen aber auch eine Geschichte mit Botschaft braucht, erzählt „Elemental City“ vom notwendigen Respekt gegenüber anderen Kulturen – hier in Form von Elementen, vom Empowerment einer jungen Frau, die sich in der ihr zugeschriebenen gesellschaftlichen Rolle unwohl fühlt und von einer wahren Liebe, an die man einfach glauben muss, damit sie sich erfüllt. Wem das bekannt vorkommt, der hat vermutlich schon einmal einen Disney-Film gesehen.