Neu in den Vorarlberger Kinos: „One Love" Biopic über Bob Marley (Foto: Paramount Pictures)
Silvia Thurner · 26. Nov 2023 · Musik

Eine Zeitreise 200 Jahre zurück

Gute Unterhaltung und Geselligkeit im Biedermeiersalon

Die Musikerinnen Eva-Maria Hamberger und Barbara Nägele verwandelten gemeinsam mit der Sopranistin Anna Willerding die Villa Falkenhorst in einen Biedermeiersalon. Im Mittelpunkt stand der Csakan, ein Blockflöteninstrument, das im 19. Jahrhundert in aller Munde war und für das unter anderem Ernest Krähmer virtuose Musik komponiert hat. Zu bewundern gab es überdies den feinen Klang eines um 1810 erbauten Tafelklaviers. Der persönliche Zugang der Musikerinnen, ihre virtuose musikalische Gestaltungskraft, die vielerlei Darbietungen und die liebevollen Ideen der Musikvermittlung begeisterten das Publikum.

Der Csakan ist ein (fast) vergessenes Instrument, das eine bemerkenswerte Entwicklungsgeschichte hinter sich hat. Ursprünglich als Waffe konzipiert, verwandelte sich das Beil in ein Spazierstockinstrument und mutierte schließlich zu einer Blockflöte in Mezzosopranlage. Während der Biedermeierzeit wurde das Instrument hochgeschätzt, dann vergessen und seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wird es wiederentdeckt. 
Die Blockflötistin Barbara Nägele stellte den Zuhörenden das Instrument vor und spielte es mit einer bewundernswerten Virtuosität sowie in guter Kommunikation mit der Pianistin. Direkt in der Ansprache und mit einer nuancierten Tongebung harmonierte der Klangcharakter des Csakans gut mit der obertonreichen und zugleich filigranen Tongebung des Tafelklaviers. Eva-Maria Hamberger begleitete aufmerksam und wirkte sehr präsent im Dialog mit der Blockflötistin. Neben einigen Bearbeitungen weckten Kompositionen von Ernest Krähmer das Interesse. Seine „Romance & Rondeau“ sowie eine Fantasie für Csakan und Pianoforte bildeten den Rahmen für eine abwechslungsreiche, dreistündige Unterhaltung. 
Die Sopranistin Anna Willerding sang Sololieder von W.A. Mozart, Joseph Haydn und Robert Schumann. Sofort zog sie die Zuhörenden mit ihrer starken Bühnenpräsenz und ihren emotionalen Werkdeutungen in den Bann. Zwar war die Stimme der Sopranistin viel größer, als es der Salon in der Villa Falkenhorst erlaubte, doch die Sängerin schaffte es, ihr Stimmvolumen den Räumlichkeiten anzupassen. In Erinnerung blieb die Ballade „Der Erlkönig“ der deutschen Komponistin Emilie Mayer, deren Aussage intensiv zur Geltung kam. Ebenso eindrücklich wirkte der Schluss von Robert Schumanns Liederzyklus „Frauenliebe und -leben“, mit der chromatisch nach unten sinkenden Pianissimopassage, nach.

Einfallsreiche Abwechslung

Eva-Maria Hamberger, Barbara Nägele und Anna Willerding haben sich für die gesellige Unterhaltung in ihrem musikalischen Salon viel einfallen lassen. Besucher:innen konnten sich Musikstücke wünschen. An Rosen gebundene Etiketten oder Lose aus einer schön gestalteten Box boten Werkvorschläge. Antiquarische Bücher luden zum Schmökern ein und romantische Gedichte von Eduard Mörike sowie Carl Spitzweg wurden vorgetragen. Passagen aus dem Briefwechsel von Clara und Robert Schumann gaben Einblicke in die große Liebe der beiden. Aufhorchen ließ eine Textpassage aus den Tagebuchaufzeichnungen von Franz Schubert, der als 19-Jähriger notierte: „Nehmt die Menschen wie sie sind, nicht wie sie sein sollen.“
Die Möglichkeit, sich im Raum zu bewegen und während der Darbietungen Getränke und Gebäck zu konsumieren, lockerte die Stimmung. Grenzen zwischen Meisterwerken und Stücken sowie Liedern für Liebhaber:innen gab es an diesem Abend keine. So präsentierten die Musikerinnen unter anderem ansprechende Kompositionen von Anton Heberle und Abbé Gelinek. Zudem sangen Anna Willerding und Barbara Nägele, am Klavier begleitet von Eva-Maria Hamberger, bekannte und beliebte Duette von Mendelssohn Bartholdy. Die Einladung zum gemeinsamen Singen nahmen die Besucher:innen gerne an.