Ein literarischer Welterfolg auf der Bühne
Café Fuerte spielt „Die rote Zora“
Die freie Kompanie Café Fuerte zeigt in der Kammgarn einen Klassiker der Schweizer Jugendliteratur: „Die rote Zora“ nach dem 1941 erschienenen Roman „Die rote Zora und ihre Bande“ von Kurt Held in einer Fassung von Thomas Birkmeir.
Der 1959 verstorbene Kurt Held hieß eigentlich Kurt Kläber. Wegen seiner kommunistischen Gesinnung erhielt er nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ein Schreibverbot in Deutschland und schrieb seine Jugendbücher im schweizerischen Exil unter dem Pseudonym Kurt Held. Sein bekanntestes Werk wurde der Roman „Die rote Zora und ihre Bande“, der in unzählige Sprachen übersetzt und millionenfach gelesen wurde. Erzählt wird darin die Geschichte kroatischer Waisenkinder, die kriminell werden, um überleben zu können. Mit seiner sozialkritischen Haltung und dem Bemühen um ein solidarisches Miteinander ist das Buch weit mehr als eine Abenteuergeschichte. Genau deshalb wurde es auch von den beiden Café Fuerte-Leitern, Regisseurin Danielle Fend-Strahm sowie Schauspieler und Stückeschreiber Tobias Fend ausgewählt: „In einer Zeit der Spaltung, in der es viel um Gegensätze, um Trennung, um Kampf geht, wollten wir etwas Verbindendes machen. Da ist uns ,Die Rote Zora und ihre Bande‘ eingefallen. Sie sind solidarisch, schließen sich zusammen, weil sie ausgestoßen werden, keinen Platz haben. Sie halten zusammen und geben sich den Schutz, den ihnen die Erwachsenen verweigern. Sie erleben Gemeinschaft, Hilfe, Verlässlichkeit, aber auch Abenteuer und Freiheit. Wir fanden es sehr interessant, Kinder in der Mitte eines Stückes zu sehen. Kinder sind die Hoffnung für die Zukunft, die Schwächsten der Gesellschaft. Es ist wichtig, nicht nur über sie zu reden, man sollte es auch aus ihrer Perspektive tun. Und das macht dieses Stück sehr emphatisch, aber auch hart und klar. Gerade für Erwachsene ist diese Perspektive wichtig. Schließlich haben wir die Welt so gemacht, mit der sie jetzt fertig werden müssen.“
Symbolfigur des Feminismus
Zora ist ein Straßenkind, das sich mit anderen Kindern zu einer Bande zusammengeschlossen hat, deren Anführerin sie ist. Ihr rotes Haar steht für Unangepasstheit und Aufmüpfigkeit. Sie befreit den zwölfjährigen Waisen Branko aus dem Gefängnis, in das er ungerechterweise gesteckt wurde, nachdem er aus Hunger einen auf den Boden gefallenen Fisch aufgehoben hat. Branko wird in die Bande aufgenommen.
Die Geschichte erzählt von Kinderarmut, Solidarität und dem gesellschaftlichen Umgang mit Randgruppen. Der Roman spielt in den 1940er Jahren in Kroatien, doch auch in der österreichischen Gegenwart ist die Kinderarmut ein großes Thema. Laut Statistik Austria ist ein Fünftel aller Kinder armutsgefährdet, sieben Prozent sind von akuter Armut betroffen. Und die Unterschiede zwischen arm und reich werden Jahr für Jahr größer.
Körperbetont, pur und wild
„Das Tolle daran ist, dass dieses Stück auch ein Actionfilm ist, ein Abenteuerroman vor der Kulisse der dalmatinischen Küste“, freut sich das Leading Team von Café Fuerte. „Wir legen viel Wert auf die Action, die Bewegung, das Tempo. Dieses Stück ist nie moralisierend, sauer oder belehrend. Es ist immer auch spannend, dann wieder bewegend. Wer hätte nicht gerne so gute Freunde, auf die man stets zählen kann, so wie Zora und ihre Bande. Vielleicht hat dieses Buch auch deshalb so viele begeistert.“
In dieser Inszenierung soll es also in erster Linie um die Kinder gehen. Entsprechend pur ist die Musik. Alle Sounds und Lieder kommen von den Darsteller:innen auf der Bühne. Sie sind eine Bande, eine Gruppe, eine Band.
Dieser Artikel (gekürzte Fassung) ist bereits in der KULTUR 8/2025 (Oktober) erschienen. Hier geht's zum E-Paper.
Café Fuerte: „Die rote Zora“ von Kurt Held
ab 8 Jahren
4.10., 15 Uhr
Dauer: 70 Minuten
Kammgarn, Hard
www.kammgarn.at