Das Wiener Burgtheater war mit Molières „Der Menschenfeind“ unter der Regie von Martin Kušej im Bregenzer Festspielhaus zu Gast ( Foto: Matthias Horn))
Michael Löbl · 05. Feb 2024 · Musik

Ein Konflikt, der keiner war

Das Kammerorchester Basel unter Giovanni Antonini und die Klarinettistin Sabine Meyer gastierten Sonntagabend im Kulturhaus Dornbirn.

Werke von Mozart und Salieri standen auf dem Programm dieses Konzertes – wollte man etwa den alten Konflikt zwischen diesen beiden Komponisten wieder aufleben lassen?

Zwei große Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und zwei kleine (weil kurze) von Antonio Salieri hatte das Kammerorchester Basel im Reisegepäck, Sonntagabend machte es Station im Kulturhaus Dornbirn.   
Bei der Programmgestaltung wollte man anscheinend den alten Zwist zwischen Salieri und Mozart reaktivieren. Einen Konflikt, den es – wie Robert Schneider in seinem wie immer sehr anregenden Einführungsvortrag betonte – nie gegeben hat und der auch historisch durch nichts zu belegen ist. Allerdings hätte es ohne diesen erfundenen Zwist weder Peter Shaffers geniales Theaterstück „Amadeus“ gegeben noch den gleichnamigen, mit acht Oscars preisgekrönten Film von Milos Forman.

Mozart und Salieri

Das Kammerorchester Basel eröffnete die beiden Konzertteile jeweils mit einer Ouvertüre von Antonio Salieri: „Cesare in Farmacusa“ und „La grotta del Trofonio“. Beides höchst interessante Stücke, die neugierig machen auf die unbekannten gleichnamigen Opern aber auch auf Salieris vergessene Musik im allgemeinen. Dann betrat die Solistin des Abends die Bühne, die Klarinettistin Sabine Meyer. Sie ist seit vielen Jahren Stammgast bei der Schubertiade und wird im kommenden Sommer auch im Rahmen der Bregenzer Festspiele mit den Wiener Symphonikern zu hören sein. Am Sonntagabend spielte sie das Klarinettenkonzert von W.A. Mozart, das schönste und bedeutendste Solokonzert für dieses Instrument. Sabine Meyer ist bereits Großmutter und hat nach dem Konflikt mit den Berliner Philharmonikern und Herbert von Karajan im Jahr 1982 – als Chefdirigent hatte er sie ohne Zustimmung des Orchesters als Soloklarinettistin verpflichtet – bereits sehr früh ihre Karriere als Solistin gestartet. Wie oft hat sie das Mozart-Konzert wohl gespielt? Mehrere hundert Aufführungen werden es sicher gewesen sein. Und mit wie vielen Studenten hat sie dieses Stück erarbeitet, sie damit auf Prüfungen und Probespiele vorbereitet? Auf der Bühne ist davon nichts zu spüren, weder Müdigkeit noch Abnützungserscheinungen sind zu erkennen. Sabine Meyer glänzt auch nach so vielen Berufsjahren durch ihren warmen Ton, ihre makellose Technik sowie durch Bühnenpräsenz und Ausstrahlung. Sie spielt auf einer um vier tiefe Töne erweiterten sogenannten „Bassettklarinette“, für die Mozart seine beiden späten Solowerke geschrieben hat. 

Fisch oder Fleisch

Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ das Kammerorchester Basel. Oft gerühmt für seine aufregenden Beethoven- oder Schubert-Einspielungen, blieb das Orchester im Live-Erlebnis weit hinter den Erwartungen zurück. Nicht so richtig erkennbar war das Konzept dieses Orchesters. Ist es ein Ensemble, das auf Originalinstrumenten und in tieferer Stimmung spielt oder ein modernes Kammerorchester mit konventionellem Instrumentarium? Während die acht Holzbläser:innen moderne Instrumente verwendeten, hatten sich die Streicher der historischen Aufführungspraxis verschrieben: Darmsaiten, klassische Bögen und fast kein Vibrato, allerdings in der gängigen Orchesterstimmung. Also weder Verbrenner noch E-Auto, vielleicht ein Plug-in-Hybrid? Möglicherweise ist das der Kompromiss, den man schließen muss, um regelmäßig Programme und Aufnahmen sowohl mit alter als auch mit zeitgenössischer Musik zu realisieren. Das Orchester kann eine lange und beeindruckende Liste an Uraufführungen vorweisen. 
So klang das Ensemble nach „nicht Fisch und nicht Fleisch“ mit einem erstaunlich glanzlosen, manchmal fast fahlen Klang der Streichinstrumente, der sich gegen die Bläser oft nicht durchsetzen konnte. Auch im dynamischen Spektrum war bei den Streicher:innen ein Mezzoforte die oberste Grenze. Schmerzlich vermisste man so etwas wie silbrigen Mozart-Sound in den hohen Lagen der Geigen oder knackige Akzente im Cello- und Bassbereich.

Ein Pionier der Alten-Musik-Szene

Die Mitglieder des Orchesters sind ohne Zweifel hervorragende Musiker:innen, die von Barock bis heute alles auf höchstem Niveau interpretieren können. Und ihr Dirigent Giovanni Antonini hat als Gründer des weltbekannten italienischen Barockensembles „Il Giardino Armonico" die Pionierzeit der historischen Aufführungspraxis nicht nur miterlebt, sondern aktiv mitgestaltet. Mit dem Kammerorchester Basel arbeitet er seit vielen Jahren eng zusammen und fungiert als „Principal Guest Conductor“. Ihre gemeinsame Aufnahme der Beethoven-Symphonien genießt beinahe Kultstatus. Und natürlich gab es in Mozarts siebensätziger „Posthornserenade“ KV 320 zahlreiche interessante Details, überraschende Wendungen und auch viele schöne Momente. Die ungewöhnliche Orchesterbesetzung mit ihrer Mischung aus alt und neu hingegen konnte nicht wirklich überzeugen.

www.dornbirn.at/leben-in-dornbirn/leben/kultur/dornbirn-klassik-2023-24
www.kammerorchesterbasel.ch/de/