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Silvia Thurner · 27. Nov 2023 · Musik

Dommusik St. Nikolaus gab ein Konzert mit Symbolkraft

Jubel für Haydns „Te Deum“ und die „Messe in Zeiten der Bedrängnis“

Der Domchor St. Nikolaus und das Orchester der Dommusik unter der Leitung von Benjamin Lack gaben am letzten Sonntag des Kirchenjahres ein bewegendes Konzert. Mit Haydns „Te Deum“ und der „Missa in Angustiis“ von Joseph Haydn erklangen zwei unterschiedliche Werke, die sich musikalisch gut ergänzten. Die Sänger:innen des Domchores gaben ihr Bestes und gestalteten die Kompositionen mit viel Elan aus, hervorragend unterstützt wurden sie vom gut disponierten Orchester der Dommusik. Gut in den Gesamtduktus fügte sich das Solist:innenquartett mit Sabine Winter, Veronika Dünser, Clemens Breuss und David Höfel ein.

Der Feldkircher Dom hat eine imposante Größe. Er bietet eine feierliche Atmosphäre und verströmt festlichen Glanz. Allerdings ist die Akustik im großen Kirchenschiff problematisch und hält im Hinblick auf die Transparenz und die Stimmenbalance sowohl für die Ausführenden als auch für die Zuhörenden manche Tücken bereit. So musste sich mein Ohr zuerst an die akustischen Gegebenheiten gewöhnen, um den Gesamtklang und die einzelnen Stimmführungen wahrzunehmen.
Sehr präsent wirkte das Orchester der Dommusik, das mit einem abgerundeten Klang, gut von den tiefen Registern gestützt, kraftvoll und zugleich flexibel in den bewegten Linienführungen agierte. So verströmte das einleitend interpretierte „Te Deum“ von Joseph Haydn eine feierliche Grundstimmung. Den lebhaften Duktus des Orchesters übernahmen die Chorsänger:innen sogleich. Dabei wirkte der Chor zwar energiegeladen, er agierte jedoch zu Beginn etwas „uneinheitlich“. Erst mit der Zurücknahme der Lautstärke stellte sich im Piano eine ausgewogene Klangbalance ein. Über weite Strecken wurde der Chor im Tutti sowie in den Wechseln zwischen Frauen- und Männerstimmen vom Orchester getragen, bis sich allmählich und bis zur monumentalen Schlussfuge der Impetus mitreißend steigerte.

Eindrückliche Werkdeutung

Joseph Haydns „Missa in Angustiis“ (Nelsonmesse) stellten der Domchor St. Nikolaus und das Orchester zusammen mit den Solist:innen und Benjamin Lack am Pult kraftvoll in den Raum. Die innerlich aufgewühlte Stimmung, die Haydn in die Themen hinein komponiert hat, kristallisierten die Sänger:innen und Musiker:innen plastisch heraus.
Das Solist:innenquartett führte die Sopranistin Sabine Winter an. Virtuose Koloraturen gestaltete sie mit ihrer ausdrucksstarken und zugleich flexiblen Stimme markant aus. Gut kam die warme Ausstrahlung der Altstimme von Veronika Dünser zur Geltung. Clemens Breuss (Tenor) sowie David Höfel (Bass) fügten sich stimmlich ausgeglichen in den Gesamtklang ein.
Im Kyrie spiegelten die großen Tonschritte und die zahlreichen dynamischen Kontraste sowie die unruhigen Linienführungen der Orchesterstimmen die Gefühlslage der „Messe in Zeiten der Bedrängnis, der Not“ eindrücklich wider. Das Gloria erzeugte eine große Sogwirkung. Vor allem die markanten Korrespondenzen zwischen den Solist:innen und dem Gesamtchor sowie Soli der Holzbläser ließen aufhorchen. Den Höhepunkt setzten der Chor und das Orchester mit einer ausgeglichenen Stimmen-Balance in der Fuge.
Besonderen Eindruck machten die spannungsgeladenen Tonwiederholungen der Trompeten im Credo. In dieser Passage kam die Tonsymbolik gut zur Geltung und die Zuspitzung wurde durch die synkopierten Rhythmen zusätzlich unterstrichen. 
Auch das Sanctus erklang dramaturgisch hervorragend ausgestaltet. Zuerst wurde eine große Ruhe entfaltet, um den aufsteigenden Gesten zum Osanna hin umso mehr Schubkraft zu verleihen. Im Orchestervorspiel des Benedictus wirkte der sprachliche Gestus symbolhaft. Nach den Soli lenkten wieder die bedrohlichen Trompeteneinschübe die Aufmerksamkeit auf sich. Eindringlich wurde der dramatische Bogen vom Chor weitergetragen und das kurze Osanna am Ende dieses Abschnitts flehentlich ausgeformt. Ein musikalisches Sinnbild in unsere Zeit stellten der Domchor, die Solist:innen und das Orchester mit dem „Donna nobis Pacem“ her. Nach dem begeisterten Applaus im voll besetzten Dom wurde genau diese Passage wiederholt.

http://www.dommusik-feldkirch.at