Die Magie des Miteinanders
Mit „Magic of Africa – Ubuntu Illusions“ war das Ensemble des College of Magic aus Kapstadt/Südafrika am 15. und 16. September zu Gast im TIK Dornbirn. Drei Magier und eine Magierin präsentierten kreative Zauberkunst, Jonglage und Musik, gepaart mit ihrer ansteckenden Lebensfreude.
Ubuntu bedeutet in den Sprachen Zulu und Xhosa: Mitgefühl, Gemeinschaft und gegenseitiger Respekt. Die vier preisgekrönten Magier:innen betraten in Anzug und traditioneller südafrikanischer Kleidung die Bühne. Was Ubuntu bedeutet, wurde dabei nicht erklärt, sondern vorgelebt: Die vier traten als Ensemble auf, ergänzten sich und ließen den einzelnen Kunststücken immer wieder Raum für gemeinsames Spiel.
Sinalo Mtwana überzeugte mit spektakulären Kartentricks. Karten wanderten magisch von einer Hand zur anderen, vervielfältigten sich oder setzten sich wieder zusammen, nachdem eine Ecke zuvor abgebrochen worden war. Mtwana kombinierte diese Tricks mit gut einstudierten Tanzschritten. Alles sah leicht und elegant zugleich aus. Und wie bei allen guten Zaubershows fragt sich der Zuschauer: Wie um Himmels willen funktionieren diese Tricks? Natürlich gab es keine Auflösung. Die Magie lebt davon, dass sich das Publikum staunend nach jedem Trick die Augen reibt.
„Ich war als Kind sehr schüchtern und lebte zurückgezogen in meinem Zimmer“, so Sinalo Mtwana. „Die Zauberkunst hat mir das Selbstvertrauen gegeben, auf der Bühne aufzutreten und meine Kunst zu präsentieren.“ Außerdem fasziniert ihn, dass Zauberei eine universelle Sprache sei, die Menschen auf der ganzen Welt begeistern könne.
Mit Leichtigkeit und Humor
Lithemba Mti ist eine Meisterin der großen Bühnenillusion. Sie arbeitete mit Ring- und Seilmanipulationen oder mit Fahnen und bunten Tüchern, die sie aus leeren Boxen zauberte. Durch Zauberhand füllte sie außerdem leere Gefäße mit Reis oder Wasser und schuf damit einen ruhigen Gegenpol zur ansonsten rasanten Show. Nachwuchskünstler Sibabalwe Khwezi brauchte kaum Worte, um die Lacher auf seiner Seite zu haben. Sein verschmitztes Spiel mit Mimik und Gestik sorgte immer wieder für komische Momente und brachte eine wohltuende Leichtigkeit in die Show. Der Zauberlehrer Sinethemba Bawuti führte durch das Programm und verband die einzelnen Nummern mit einer Rahmenhandlung, die allerdings hinter den eigentlichen Kunststücken zurücktrat. Kräftiger Applaus und ungläubiges Staunen begleiteten die Show. Am Ende war genau das die größte Illusion: Vier Menschen auf einer Bühne ließen einen ganzen Saal daran glauben, dass für einen Moment alles möglich ist.
Mitten in der Apartheid
Durch die Unterstützung der Organisation „Jugend eine Welt“ kam der Kontakt zur Zauberschule zustande, die bereits 1980 zu Zeiten der Apartheid gegründet wurde; in einer Zeit, als es gesetzlich verboten war, schwarze und weiße Schüler:innen gemeinsam zu unterrichten. Das hat die Zauberschule aber nicht davon abgehalten, Kinder, egal welcher Hautfarbe, in die Schule aufzunehmen. „Jugend eine Welt“ knüpft an den Gedanken Don Boscos an, jungen Menschen durch Bildung, Vertrauen und konkrete Chancen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Zauberschule als Lebensschule
„Mit unserer Zauberschule wollen wir unseren jungen Schüler:innen eine Perspektive für ihr Leben geben. In einer Stadt, die viel von Gewalt, Drogen und sexuellem Missbrauch geprägt ist, geht es darum, die Kinder und Jugendlichen zu stärken“, so Sinethemba Bawuti. „Das Ziel der Schule ist nicht, dass ausschließlich professionelle Zauberkünstler:innen ausgebildet werden. Viele ergreifen nach dem Abschluss technische oder handwerkliche Berufe“, betont Hanno Rhomberg, Organisator dieser Veranstaltung. „Vielmehr steht im Vordergrund, die Jugendlichen zu fördern und in ihrem Selbstwert zu unterstützen.“ Neben der Zauberschule, die samstags geöffnet hat, besuchen die Jugendlichen, die oft aus sozial benachteiligten Stadtteilen stammen, selbstverständlich „normale“ Schulen in Kapstadt. Die Zauberschule war von Beginn an ein wichtiger Baustein, diesen Jugendlichen eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu geben.
Den Kontakt zum College of Magic stellte Hanno Rhomberg, selbst Zauberer und Präsident des Magischen Rings Austria, her. Bereits vor drei Jahren lud er Künstler:innen der südafrikanischen Zauberschule zum Internationalen Fachkongress für Zauberkunst nach Bad Aussee ein. Nun führte die Begegnung die Magier:innen nach Dornbirn und zeigte, dass Zauberkunst, neben der perfekten Illusion, auch Menschen zusammenbringen, Grenzen überwinden und neue Perspektiven eröffnen kann.
2. Termin: Mi, 16.9., 19.30 Uhr, TIK Dornbrin