Die Reihe Bachkantaten in Vorarlberg feiert ihr zehnjähriges Jubiläum in der evangelischen Kreuzkirche in Bregenz.
Silvia Thurner · 28. Mär 2023 · Musik

Der wunderbare Klang des Holzes

Ein im wahrsten Sinne des Wortes einmaliges Konzert erlebten die vielen Konzertbesucher:innen bei der Matinee von Pforte von Morgen im Kleinen Dorfsaal in Schwarzenberg. Dort erklangen erstmals zwei Geigen, eine Bratsche und ein Violoncello, die alle aus der Werkstatt von Dieter Nachbauer stammen. Das Metanoia Quartett, bestehend aus Studierenden der Stella Privathochschule Vorarlberg, setzte die Instrumente hervorragend in Szene, unter anderem mit einer hervorragenden Deutung des Streichquartetts, op. 13 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Danach gesellten sich Evelyn Fink-Mennel und Philipp Lingg zum Metanoia Quartett. Mit Folkmusic aus der Türkei, Venezuela und dem Bregenzerwald versetzten alle gemeinsam die Zuhörenden in Feierlaune. Sogar ein eigens geschriebenes Ständchen für Dieter Nachbauer auf seine gelungenen Instrumente boten die Musiker:innen dar. Das anschließende Buffet setzte der herzerfrischenden Matinee die Krone auf.

Dieter Nachbauer war sein Berufsleben lang als Pilot bei der deutschen Lufthansa tätig. Genauso lange begeisterten ihn sein Interesse für Holz, das Holzhandwerk und die Liebe zum Bregenzerwald. Erst die Pensionierung machte einen Herzenswunsch realisierbar und Dieter Nachbauer begann, eigene Streichinstrumente zu bauen. Etwa zehn Instrumente, gefertigt mit Berg-Ahorn aus dem Bregenzerwald sowie Haselfichte aus dem Laternsertal, sind in den vergangenen Jahren entstanden.
Klaus Christa brachte das von ihm an der Stella Privathochschule Vorarlberg betreute Metanoia Quartett mit den Instrumenten von Dieter Nachbauer in Beziehung. Eine besondere Spannung lag in der Luft, als die vier Streichinstrumente erstmals erklangen. Feinsinnig intonierten Raul Campos Calzada und Yashar Noroozi (Violine), Imgesu Tekerler (Viola) und Jonas Streit (Violoncello) zur Einstimmung das türkische Volkslied „Karahisar Kalesi“.
Sodann legten die Musiker:innen los mit einer bewundernswerten Werkdeutung des Streichquartetts in a-moll, op. 13 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Metanoia Quartett gestaltete die Musik mit viel Kontakt zueinander, voller Poesie und zugleich temperamentvoll. So wirkten die impulsiven Steigerungen in Verbindung mit vielen motivischen Frage- und Antwortspielen, Imitationen, kontrapunktisch ineinander geflochtenen Linien mitsamt spontanen Umbrüchen und virtuosen Kulminationspunkten mitreißend und spannend.
Genau dieses Werk offenbarte auch die Klangeigenschaften der vier Streichinstrumente hervorragend. Der Gesamtklang versetzte die Zuhörenden in Staunen, denn praktisch nie ist es möglich, ein Streichquartett mit Instrumenten eines einzigen Geigenbauers zu hören. Die Qualität der Tongebung, die Flexibilität der Ansprache der Instrumente und die Varianz der Lautstärkenveränderungen waren beeindruckend, vor allem, wenn man die schwierigen Bedingungen im voll besetzten Saal mit seiner trockenen Akustik bedenkt.
Es gab ein Fest zu feiern, nicht nur mit Mendelssohn Bartholdy, sondern auch mit Folkmusic in der Handschrift von Evelyn Fink-Mennel und Philipp Lingg. Die beiden Lieder „Flick endle min Herz“ und „Arwachat“ von Philipp Lingg brachten einen Hauch der Wienerlieder-Sentimentalität nach Schwarzenberg. Danach ging’s fröhlich zur Sache und die Musiker:innen des Metanoia Quartetts stellten ihre Vielseitigkeit eindrücklich unter Beweis. Sie spielten und sangen rhythmusbetont und locker „Nihavend Longa“ von Kevser Hanim im Balkansound sowie „Les Poetes de San Andres“, einen Tanz aus Venezuela. Alle gemeinsam zelebrierten überdies ein lustiges Loblied auf den Geigenbauer Dieter Nachbauer. Nach Evelyn Fink-Mennels „Schwarzenberg-Song“ ließen die Musiker:innen die Matinee mit einem mitreißenden Tanz aus dem Alpenraum fröhlich ausklingen.
Einzigartig wirkte die Verbindung zwischen Volksmusik und klassischer Streichquartetttradition, Instrumentenbau und Informationen dazu sowie Kulinarik – ein Gesamtkunstwerk, das alle Anwesenden wohl lange in Erinnerung bleiben wird.