Das Wiener Burgtheater war mit Molières „Der Menschenfeind“ unter der Regie von Martin Kušej im Bregenzer Festspielhaus zu Gast ( Foto: Matthias Horn))
Silvia Thurner · 04. Mär 2024 · Musik

Das Simply Quartet versetzte die Zuhörenden in Staunen

Faszinierende Streichquartett-Kunst in der Villa Falkenhort

Auch abseits der großen Bühnen gibt es in Vorarlberg Musikaufführungen, die die Zuhörenden in Staunen versetzen und begeistern. So geschehen in der Villa Falkenhorst bei einem Konzert mit dem aufstrebenden Simply Quartet. Das international besetzte Streichquartett hat seine künstlerische Heimat derzeit in Wien. Mit einem bewundernswerten Klangsinn interpretierten die Musiker:innen Kompositionen von Joseph Haydn, Anton Webern und Robert Schumann.

Das Simply Quartet hat in den vergangenen Jahren mit Erfolgen bei internationalen Wettbewerben auf sich aufmerksam gemacht. Überdies waren die Musiker:innen Teil des Great Talent Programms des Wiener Konzerthauses. Als ECHO Rising Stars debütierten sie bei namhaften Festivals und im vergangenen Jahr debütierte das Simply Quartet auch bei der Schubertiade in Schwarzenberg. 
Mit dem Primarius Danfeng Shen und dem Bratschisten Xiang Lyu aus China, dem Cellisten Ivan Valentin Hollup Roald aus Norwegen und der Österreicherin Antonia Rankersberger an der zweiten Violine sind die Ensemblemitglieder über unterschiedliche Kulturkreise hinweg miteinander verbunden. Genau darin sehen die jungen Musiker:innen, die derzeit in der Kammermusikklasse von Johannes Meissl an der Universität für Musik und darstellende Kunst ihre Studien abrunden, einen Mehrwert in der musikalischen Betrachtung und Deutung von Streichquartett-Kompositionen.

Webern - Spannungsreiche Zurückhaltung

Das differenziert gestaltende Gespür für den Klang jeder einzelnen Stimme und des Ganzen kam vor allem in Weberns „Fünf Sätze für Streichquartett“, op. 5 zur Geltung. Die Musiker:innen spielten mit einem bewundernswerten Feinschliff und viel Sinn für tongebende Schattierungen. In einem ausgewogenen Quartettklang loteten sie die Musik aus und gaben dabei jeder Stimme den ihr zustehenden Raum. Geistesgegenwärtig reagierten die Ensemblemitglieder aufeinander und verliehen der aphoristischen Musik von Anton Webern eine große Intensität. Diese lebte auch von der äußersten Zurückhaltung der Dynamik und einem bewundernswerten Pianissimo, das den gemeinsamen Atem der Quartettmusiker:innen in allen Teilen spürbar machte. 

Schumann Romantischer Spürsinn

Mit viel Klangsinn und romantischem Gestus musizierte das Simply Quartet das erste Streichquartett, op. 41 von Robert Schumann. Hier begeisterten die gut koordinierten fugierten Einsätze, die den eher zerklüfteten Eröffnungssatz mitbestimmten. Dabei ließen die symbolträchtigen Intervallsprünge sowie die harmonischen Farben aufhorchen. Das Scherzo erklang niveauvoll ausgestaltet, wirkte aber im Vergleich zur Tiefe der anderen Abschnitte etwas zu wenig straff phrasiert. Den Höhepunkt setzten die Musiker:innen im liedhaften Adagio, das leidenschaftlich zelebriert wurde. Danfeng Shen an der ersten Violine entfaltete das liedhafte Hauptthema poesievoll und wurde dabei von den „begleitenden“ Stimmen getragen. 
Die Kommunikation zwischen den Musiker:innen lief wohl in erster Linie über die Ohren, denn vom ersten Pult gingen nur wenige optische Kontakte aus. Die Achse zum Cellisten war nachvollziehbar, kommunikativer wirkten Antonia Rankersberger und Xiang Lyu. Sie füllten die „mittleren“ Stimmen in einem sympathischen Austausch mit den anderen aus.

Haydn Lebendiger Austausch

Faszinierend gestaltete das Simply Quartet Haydns Streichquartett, op. 77/1. Sogleich lenkten die luftig schwunghaften Tonrepetitionen im Hauptthema sowie das starke Fundament des Celloparts die Aufmerksamkeit auf sich. Die Energie wurde direkt aus den prägnanten Themenführungen bezogen und in der transparent modellierten Durchführung dargestellt. Im Adagio betonten die Musiker:innen die lyrische Klangrede in einem ausgewogenen Geben und Nehmen zwischen den Stimmen. Dynamische Kontrastwirkungen und präzise geführte Unisonopassagen begeisterten im Menuett und wie im Finalsatz des Schumann Quartetts versetzten die Musiker:innen im Presto das Publikum mit ihrer atemberaubenden Virtuosität in Jubelstimmung

https://www.simplyquartet.com
https://www.falkenhorst.at