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25.02.2020 |  Peter Füssl

Torres: Silver Tongue

Die mittlerweile 29-jährige Singersongwriterin Torres (bürgerlich: Mackenzie Scott) hat auf ihren bislang drei Alben einen schonungslosen Umgang mit ihren Ängsten und Unsicherheiten, Identitätsproblemen und Frustrationen im Zusammenhang mit Liebe und Sexualität gepflogen. An dieser Direktheit und Unverblümtheit hält sie auch auf ihrem vierten Album mit neun neuen Songs zu Themen wie Verliebtheit und Liebesleid, Begehren, Glücksgefühle und Verlustangst fest.

„Are you planning to love me through the bars of a golden cage?” lautet als verzagt gestellte Frage die erste Textzeile, und eine gute halbe Stunde später in Form der beschwörenden Formel „You’ll stay, you’ll stay you’ll stay, you’ll stay” die letzte. Das neue Plattenlabel hat ihr völlig freie Hand gelassen, und so ist „Silver Tongue“ das erste von Torres völlig eigenständig produzierte Album geworden. Gekonnt schweißt sie stilistische Elemente aus allen bisherigen Alben zusammen. Zur solo gezupften akustischen Folk-Gitarre intoniert sie mit emotionsgeladener, engelhafter Stimme den schmachtenden, die Liebste lockenden Love-Song „Gracious Day“. Wenn sie doch nur bliebe, dann würde sie nur noch Liebeslieder für sie schreiben. Mit „Good Grief“ lässt Torres ihre auf dem 2015-er Album „Sprinter“ grandios eingesetzte Grunge-Gitarre wieder einmal voll zur Wirkung kommen, wenn sie einer Verflossenen lautstark nachtrauert. Großteils aber bewegt sich Torres in den Soundwelten ihres vor zwei Jahren erschienenen, letzten Albums „Three Futures“, also in synthie-geschwängertem, rhythmusbetonten Elektro-Pop, über den sie ihre zumeist ziemlich desillusioniert wirkende Stimme legt. Manchmal taucht sie in tiefe Düsternis ein, etwa in „Two of Everything“, einem fiktiven Brief an die fiktive Zukünftige der soeben Verflossenen („To the one sharing my lover’s bed / Do you hold her when she sleeps / Does she also call you Baby / You should know she calls me Baby”). Als melancholisches Minidrama entpuppt sich „A Few Blue Flowers” („Then you sent me home with a few blue flowers /Alone again to count the hours”). Einer der seltenen Lichtblicke für Torres ist “Last Forest”, ein sich vorsichtig zur E-Gitarren-Ekstase steigernder Song über eine neue, möglicherweise sogar unverbrüchliche Liebe. Die in Florida geborene, in Georgia als Ziehkind einer frommen Baptistenfamilie aufgewachsene und nach ihrer Studienzeit in Nashville schließlich endlich in New York gelandete Singersongwriterin hat wohl nicht nur äußerlich weite Distanzen zurückzulegen.

(Merge/Cargo)  

Konzert-Tipp: Torres spielt am 3.3. in der Roten Fabrik in Zürich.

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