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23.08.2018 |  Peter Füssl

Tomberlin: At Weddings

Irgendwie scheint sie aus der Zeit gefallen zu sein, die 23-jährige Sarah Jane Tomberlin, die nun beim renommierten, von Conor Oberst mittlerweile auch schon vor 25 gegründeten Indie-Label Saddle Creek in Omaha/Nebraska ihr Debütalbum vorgelegt hat. Produziert wurden die 10 Songs vom unkonventionellen kanadischen Sänger und Violinisten Owen Pallett, der Tomberlin in ihrem Bestreben um Einfachheit, Reduktion und unverstellte Ehrlichkeit perfekt unterstützt hat. Fern jeglichen musikalischen Bombastes reichen ein paar simple, wirkungsvoll verhallte Gitarren, ein dezentes Piano und ebensolcher Background-Gesang, um Tomberlins klare, warme und auf Anhieb gefangennehmende Stimme optimal in den Mittelpunkt zu stellen.

In einigen wenigen Stücken rücken elektronische Effekte, zumeist kleinere noisartige Reverb-Orgien, in den Vordergrund, etwa in „Tornado“, einer Reminiszenz an eine verflossene Liebe. Auch „Video Game“ ist in Form einer Ansprache an einen Ex-Lover gehalten: „You said that I’m a cloud in / Your video game / I wish I was a hero / With something beautiful to say“. Tomberlin setzt nie auf großes Drama, sondern verleiht ihren Texten mit ruhiger, lakonischer Stimme besonderen Nachdruck. Alterskonform ist die in Florida geborene und in Louisville/Kentucky lebende Singer-Songwriterin, die noch dazu als Tochter eines strenggläubigen Baptistenpastors aufwuchs, neben Liebesangelegenheiten vor allem mit der Suche nach Identität, Sinn und Selbstverwirklichung beschäftigt – wobei die Themenkreise naturgemäß gerne ineinanderfließen. „I’m Not Scared“ ist sicherlich ein zentraler Song in Sachen Selbsterkenntnis und –ermächtigung, in dem sich Tomberlin auch mit ihrem religiösen Background auseinandersetzt: „And it felt so strange when I said it out loud / That I look for redemption in everyone else / But funny thing is that I always hated church / Spend so much time looking that I forgot to search“. Auch die erste Single-Auskopplung „Self-Help” beginnt mit ausgesprochen trüben Gedanken: „Electrocuted in the bathtub / Yellow black my bruises become / The heart is a heavy coffin / Where I lay down everyone I love”. Aber Tomberlin verharrt nie im Zustand des Selbstmitleids und der Verzweiflung, sondern bäumt sich trotz aller Verletzlichkeit letztlich immer auf. So auch in der zweiten Single „Seventeen“: „I walk in the breeze / Like I am seventeen / Love is mostly war / And love what is it for? You always say that I look so tough / But it’s because I’m tough”. Ihre Kraft liegt in ihrer Natürlichkeit, Unaufgeregtheit und Authentizität – anhand ihrer fast schon amateurhaften Videos lässt sich dieser Eindruck auch bildhaft festmachen.

(Saddle Creek)

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  • Tomberlin - At Weddings - Cover.jpg