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28.03.2019 |  Peter Füssl

Sokratis Sinopoulos Quartet: Metamodal

Der Schmerz, aber auch die Schönheit von Jahrhunderten scheint in dieser die Atmosphäre der Ägäis verströmenden Musik zu liegen, wohltuende Wärme und melancholische Sehnsucht, die sich von Zeit zu Zeit in lebensfrohen, quicklebendigen, fast schon zum Tanzen einladenden Passagen entladen. Ungeheure Tiefe, zerbrechliche Zartheit und ganz großes Drama fügen sich mit großer emotionaler Kraft in diesen acht neuen Kompositionen zusammen, die der griechische Lyra-Virtuose Sokratis Sinopoulos sich und seinem Langzeit-Quartett mit dem Pianisten Yann Keerim, dem Kontrabassisten Dimitris Tsekouras und dem Drummer Dimitris Emmanouil auf den Leib geschrieben hat.

Die vier Musiker sind alle klassisch ausgebildet, verfügen über ein tiefes Wissen zur traditionellen byzantinischen Musik und teilen auch ihr Interesse am Jazz und an experimentellen Musikformen der Gegenwart. Ausgehend von der in diesem Raum üblichen modalen Musik des Mittelalters verarbeitet Sinopoulos all diese Einflüsse zu einer gehörgefälligen, in sich ungemein stimmigen Melange, die ihre perfekte Ausformung im knapp dreißigminütigen, dreiteiligen „Metamodal“-Zyklus mit den Untertiteln „Liquid“, „Illusions“ und „Dimensions“ findet. Es sind die sehnsuchtsvollen, oftmals auch tieftraurig wirkenden Melodien, die Sinopoulos mit dem Bogen auf den drei Saiten seiner kretischen Lyra zaubert, die sich in die Gehörgänge schmeicheln - besonders intensiv in Kombination mit den von Yann Keerim auf dem Piano wunderschön hingetupften Klanglandschaften. Tsekouras und Emmanouil potenzieren das Hörvergnügen durch ihre äußerst sensible Rhythmusarbeit, die in ihrer Dezenz umso effektvoller wirkt. Was Sokratis Sinopoulos, der im Jazz-Metier durch sein Engagement bei Charles Lloyd und in den Ensembles von Eleni Karaindrou und Maria Farantouri bekannt geworden ist, 2015 mit seinem erfolgreichen ECM-Debüt „Eight Winds“ begonnen hat, führt er nun auf „Metamodal“ zur Blüte: faszinierende Klangwelten, in denen sich die Kraft des Archaischen und die Elaboriertheit des Zeitgenössischen auf ideale Weise verbinden, die räumlich nicht nur im nordöstlichen Mittelmeerraum, sondern in einer jedem Menschen inhärenten Sehnsuchtswelt festgelegt sind und sich jeglicher zeitlicher Verortung ins Zeitlose entziehen. Am Schluss steht mit „Mnemosyne“ eine Gruppenimprovisation, die – der Göttin des Gedächtnisses und der Mutter der Musen geweiht – die Vielzahl der vorangegangenen Eindrücke nochmals wie ein Echo nachklingen lässt und zum Drücken der Repeat-Taste einlädt.

(ECM/Vertrieb: www.lotusrecords.at)

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