Beim 29. Philosophicum in Lech. (Foto: Lässiger Photography)
Peter Füssl · 01. Mai 2012 · CD-Tipp

Renaud Garcia-Fons: Solo – The Marcevol Concert

Viele der wirklich großen Kontrabassisten haben wenigstens einmal im Leben ihr Können auf einer Solo-Produktion präsentiert. In vielen Fällen ist der Konsum dieser Kontrabass-Solo-Einspielungen zwar ein interessantes und spannendes, aber nicht unbedingt ein lustvolles Hörvergnügen. Ganz anders verhält es sich beim Konzertmitschnitt des letztjährigen Auftritts des französischen Kontrabassisten Renaud García-Fons beim Festival Pablo Casals im Kloster Marcevol in den Pyrenäen.

Wenn Renaud Garcia-Fons spielt, geht die Sonne auf, alles ist warm und lichtdurchflutet in dieser wunderbaren, zwischen Orient und Okzident angesiedelten musikalischen Traumwelt. Als Hörer lässt man sich nur allzu gern in diesen unwiderstehlichen Sog aus wunderbaren Melodien und mitreißenden Rhythmen hineinziehen, aus dem man am liebsten gar nicht mehr herausmöchte. Staunend erkundet man unter Renaud García-Fons virtuos gespielter Reiseleitung die mittelalterlichen Klostermauern, genießt die Fülle und Buntheit orientalischer Märkte, schwelgt in barocker Pracht, lässt sich von afrikanischer Lebensfreude mitreißen, genießt es, wenn mal Flamenco-Grooves, ein anderes Mal temperamentvolle Rockrhythmen in die Beine fahren. Mit Hilfe intelligent und perfekt eingesetzter Loops tritt der Kontrabassist, der wirklich alle Möglichkeiten der Ton- und Geräuschproduktion auf seinem fünfsaitigen Instrument virtuos beherrscht und berühmt für seine unglaubliche Bogentechnik ist, mit sich selbst in vielschichtige und leidenschaftliche Diskussionen. Keine der  71 Minuten dieser Soloproduktion möchte man missen und nach dem Anhören brennt man darauf, dem Meister anhand der auf DVD mitgelieferten Bildaufzeichnungen des Konzertes auf die Schliche zu kommen, wie das denn alles überhaupt möglich ist. Man hört neben dem Tieftöner noch Violine, Viola da Gamba, Cello, Gitarre, Laute, verschiedenste orientalische Saiteninstrumente und ein ganzes Arsenal an Perkussionsinstrumenten und sieht – einen Kontrabass. Genial konzipiert und brillant gespielt!  
(enja/Vertrieb: www.rottensteiner-pr.at)