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08.03.2018 |  Peter Füssl

Norma Winstone: Descansado - Songs For Films

Komponisten wie Michel Legrand, Nino Rota, Armando Trovajoli, Ennio Morricone oder William Walton haben für filmische Meisterwerke von Regisseuren wie Franco Zeffirelli, Vittorio De Sica, Jean-Luc Godard, Federico Fellini oder Laurence Olivier einprägsame und die jeweilige Atmosphäre widerspiegelnde und verdichtende Filmmelodien geschrieben, die auch ohne Bilder ihre Wirkung entfalten können. Manche Musiker bedienen sich gerne der Highlights berühmter Soundtracks als plakative Aushängeschilder - dazu steht die vorliegende Produktion allerdings in diametralem Gegensatz.

Denn zeitlose Eleganz und unverbrüchliche Schönheit, emotionale Tiefgründigkeit und Virtuosität fern jeglicher Eitelkeit sind die herausragenden Eigenschaften, die das musikalische Lebenswerk der 76-jährigen Norma Winstone und auch ihr jüngstes Album prägen und zu einem aufregend unaufgeregten, traumhaft schönen Hörerlebnis werden lassen. Längst hat die englische Sängerin und hochtalentierte Lyrikerin im italienischen Pianisten Glauco Venier und im deutschen Sopransaxophonisten und Bassklarinettisten Klaus Gesing ihr – wortwörtlich zu verstehendes – „Dream-Team“ gefunden, das nun um den norwegischen Perkussionisten Helge Andreas Norbakken und den im Klassikbereich gefeierten italienischen Cellisten Mario Brunello sehr stimmig erweitert wurde. In den von Venier und Gesing einfallsreich angelegten und dennoch dem Original huldigenden Arrangements stellt sich nicht eine Sängerin ins Rampenlicht, vielmehr kommuniziert eine wunderbar lyrisch-melancholische Stimme mit farbenprächtigen Pianoläufen oder schmiegt sich an mit großer Wärme intonierte Bläserlinien und lässt sich von ihnen umgarnen. Brunello veredelt die Atmosphäre mit gefühlvollen Streichertönen, und Norbakken sorgt mit unglaublicher Dezenz für rhythmische Akzentuierungen. Es wird nie laut oder übertrieben dramatisch in den zwölf Stücken, die gerade durch Zurückhaltung und Feingefühl ihre Lebendigkeit und ihren musikalischen Tiefgang erreichen. Trotz aller Melancholie bezaubern diese Stücke auch mit einer gewissen Leichtigkeit, und man glaubt es Norma Winstone gerne, dass sie dazu neige, visuell zu denken – was man nicht zuletzt auch an ihren Lyrics merkt.
(ECM/www.lotusrecords.at)

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