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07.07.2022 |  Peter Füssl

Michael Köhlmeier – Harri Stojka: Michael Köhlmeier erzählt Roma Märchen

Ob klassische Sagen des Altertums, die Nibelungensage, Sagen aus Österreich oder Grimms Märchen – es gibt wenig Vergnüglicheres, als Michael Köhlmeier beim Erzählen zuzuhören. Das ist ein zusätzliches Alleinstellungsmerkmal des erfolgreichen Autors, dem es mit spielerischer Leichtigkeit gelingt, auch vermeintlich schon Bekanntem nochmals phantasievoll und redegewandt neues Leben einzuhauchen. Bereits 2009 ging er mit dem renommierten Gitarristen Harri Stojka aus der Lovara-Rom-Dynastie vom Stamm der Bagareschtschi mit einer Handvoll ausgewählter Roma-Märchen auf Tournee.

Gesammelt wurden diese lange Zeit nur mündlich weitererzählten Geschichten von Milena Hübschmannová, die Ende der 1950-er Jahre als Mitarbeiterin des Tschechischen Rundfunks in Roma-Siedlungen ging und dort vor Ort rund fünfhundert Aufnahmebänder mit deren Folklore und Märchen füllte. Später wurde sie als Professorin an der Prager Karls-Universität die erste und wichtigste Expertin zur Kultur, Gesellschaft und Sprache der Roma, für deren Rechte gegenüber einer repressiven Mehrheit, in die sie assimiliert werden sollten, sie auch eintrat. Jedes der von Köhlmeier ausgewählten Märchen ist in rund zehn Minuten zu erzählen, sie handeln etwa von einem überaus blutrünstigen König, der seine Tochter keinem Bräutigam anvertrauen will, von einem monströsen Mädchen, das ihre Brüder und das ganze Dorf vernichtet, von Tschawo, einer Art Roma-Version des Till Eulenspiegel, oder von zwei Männern, die dieselbe Geliebte haben und in ihrer Maßlosigkeit schließlich den totalen Überfluss und die totale Ödnis über die Welt zu bringen drohen. Die bilderreich und ungemein lebendig ausgeschmückten Erzählpassagen werden von kurzen, aber intensiven musikalischen Einschüben von Harri Stojka und einer Handvoll erstklassiger Musiker aus dem erweiterten Ethno-Bereich – etwa Akkordeonist Krzysztof Dobrek, Geiger Aliosha Biz oder Pianist Geri Schuller – unterbrochen. Und besonders intensiv wird es immer, wenn die Sängerinnen Ivana Ferencova und Matilda Leko Traditionelles anstimmen.

(Gipsy Production/VoiceOfDiversity/Galileo)

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