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12.05.2020 |  Peter Füssl

Matthieu Saglio: El camino de los vientos

Auf äußerst positive Weise fühlt man sich an die emotionsgeladenen Alben des Kontrabassisten Renaud Garcia-Fons oder an die gelungene „Mare Nostrum“-Trilogie von Fresu/Galliano/Lundgren erinnert, denn auch Matthieu Saglio hat eine wundervolle Melange aus Jazz, Klassik, afrikanischer und orientalischer Folklore mit einem alles überstrahlenden, mediterranen Touch erschaffen. Wie der Wind, so legt es der Albumtitel nahe, verbindet auch der seit 20 Jahren im quirligen Melting-Pot Valencia lebende Franzose mühelos Kontinente und Stile und kombiniert die elf Eigenkompositionen zu einem eindrucksvollen Panoptikum aus Stimmungen, Farben und unaufdringlich praktizierter Virtuosität.

Der ausgebildete Klassiker reizt sein Cello in allen Registern aus, zielt dabei aber nie auf den Intellekt, sondern stets auf die Seele und verzaubert mit melancholischen Träumereien und herzerwärmenden Soundlandschaften. Mit dem auf dem Cello ornamentreich nachvollzogenen Ruf des Muezzins („L’appell du muezzin“) eröffnet Saglio unterstützt vom iranischen Perkussionisten Bijan Chemirani das Album, das er mit einer zwischen Barock und Romantik oszillierenden Soloimprovisation in „Las Cathédrales“ ausklingen lassen wird. Dazwischen schwelgt er mit Gitarrist Ricardo Esteve und Akkordeonist Vincent Peirani in einem „Bolero triste“, beschwört mit dem norwegischen Trompeter Nils-Petter Molvaer die Morgendämmerung („Amanecer“) herauf, entführt gemeinsam mit seinem singenden Bruder Camille ins ferne Hindustan („Atman“) oder ergeht sich mit dem Geiger Léo Ullmann in stimmungsvollen Zwiegesprächen. Der mit dem unverwechselbaren vietnamesisch-französischen Gitarristen Nguyên Lê und Chemiriani unternommene Segeltörn („Caravelle“) entpuppt sich überraschenderweise als Hommage an Maurice Ravel, und mit dem vom senegalesischen Sänger Abdoulaye N’Diaye intonierten „Metit“ findet man sich plötzlich in der gleißenden Hitze der Sahelzone wieder. Für die einfühlsam treibende Rhythmusarbeit sorgt hier wie auch auf „Las Sirenas“ der frankoamerikanische Perkussionist Steve Shehan. Matthieu Saglio liefert mit „El camino de los vientos“ natürlich ungeplant den idealen Soundtrack für den Corona-bedingten Zwangsurlaub im eigenen Garten oder in der Hängematte auf dem Balkon. Schöner kann man sich nicht wegträumen ...

(ACT)

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