Neu in den Vorarlberger Kinos: „One Love" Biopic über Bob Marley (Foto: Paramount Pictures)
Peter Füssl · 02. Apr 2014 · CD-Tipp

Kühn & Kruglov: Moscow Joachim Kühn Birthday-Edition

Der gerade erst 70 gewordene Pianist Joachim Kühn verfügt über ein unglaublich breites musikalisches Spektrum, das am einen Ende mit J.S. Bach beginnt und am anderen mit dem Free-Jazz aufhört – dazwischen Jazzrock und erstklassiger Ethno-Jazz, beides völlig klischeefrei, und sonst noch allerhand brauchbare Überbleibsel aus seiner mehr als 50-jährigen Bühnenkarriere. Neben der Vielseitigkeit und der klassisch geschulten Virtuosität zählen eine stets spürbare Innovationsfreude und das unbezähmbar brennende Feuer beim Musizieren zu Kühns Markenzeichen.

m gerade mal halb so alten russischen Altsaxophonisten Alexey Kruglov hat Joachim Kühn einen perfekt passenden Duopartner gefunden, denn auch der liebt das höchst expressive, mitunter äußerst ungestüme Spiel ohne Netz und doppelten Boden. Da geht mitunter ordentlich die Post ab, Powerplay vom Feinsten, gespickt mit melodischem Einfallsreichtum, atemberaubenden De- und Rekonstruktionen, rhythmischen Finessen und allerlei exzentrischen Einfällen. Pure Energie kommt da zum Tragen, was nicht heißen soll, dass die beiden nicht auch das Fechten mit der feinen Klinge beherrschen würden. Zu je drei Kompositionen von Kühn und Kruglov gesellen sich nahtlos zwei von Free-Jazz-Pionier Ornette Coleman, der sich den Deutschen einstmals als einen der wenigen Pianisten überhaupt in seine Band holte und der dem Russen hörbar als Vorbild dient. Joachim Kühn hat sicherlich nie intensivere, ja explosivere Dialoge mit einem Duopartner geführt, auch wenn er mit dem „Who is Who“ des zeitgenössischen Jazz zusammengespielt hat. Zwei unbestrittene Meilensteine aus seiner Karriere hat ACT soeben als „Birthday Edition“ veröffentlicht: Live-Aufnahmen vom Berliner JazzFest 1987 und 1995 mit seinem legendären Trio mit Jean-Francois Jenny-Clark und Daniel Humair sowie „Europeana. Jazzphony No.1“ von Michael Gibbs, auf der Kühn als maßgeblicher Solist mitwirkte. Nach dieser geballten Ladung an erstklassigem Hörvergnügen bleibt eigentlich nur noch ein Wunsch offen: Möge dieses Feuer noch lange brennen!

(ACT)