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27.04.2017 |  Peter Füssl

Kendrick Lamar: Damn

Der 29-jährige Kendrick Lamar hat sich mit vier herausragenden Alben, namentlich seinem mit fünf Grammys ausgezeichneten 2015-er Meisterwerk „To Pimp a Butterfly“, längst im Spitzenfeld der Rap-Szene etabliert. Dementsprechend groß ist auch das Interesse an seinem am Karfreitag veröffentlichten neuen Album „DAMN“, das musikalisch vielleicht etwas geradliniger und unprätentiöser daherkommt als das fast schon monströse Meisterwerk, aber dennoch mit musikalischen Raffinessen und Spitzfindigkeiten gespickt ist, die sich einem erst nach mehrmaligem Hören offenbaren.

Auch inhaltlich ist der wortgewandte Rapper aus Compton/L.A. wie immer voll auf der Höhe der Zeit und überzeugt sowohl mit den eher genretypischen Frotzeleien gegen die Konkurrenz à la Drake oder Kanye West, als auch mit seinen harten Bestandsaufnahmen zu den Schwierigkeiten, mit denen die Black Community permanent zu kämpfen hat - Rassismus, Chancenungleichheit, Ungerechtigkeiten, Gewalt, Fanatismus – und die durch die Wahl des verhassten Donald Trump und seine bombenschwere Weltbedrohung noch erheblich verschärft werden. Zwischen Aggression, Resignation und gelegentlichen Hoffnungsschimmern hin- und herpendelnd sucht Lamar auch eine eher im Nebulosen verlaufende Auseinandersetzung mit Gott und Gläubigkeit. Dass ihm Größen wie Bono oder Rihanna dabei helfen, ist nett, aber angesichts der durchgehenden Wucht des Albums nicht sonderlich von Bedeutung. Besonders sympathisch macht den millionenschweren Superstar die selbstkritische Auseinandersetzung mit seinem Status quo – wohl nicht zufällig hieß die erste, gleich in die Top-Positionen der Charts geschossene Single-Auskoppelung „Humble“, also „demütig“. Er ruft zum Widerstand auf, nicht ohne gleich auch über seine Ängste und Zweifel und den Kampf mit den eigenen Dämonen zu sprechen, fordert Einigkeit und bedauert seine eigene Zwiespältigkeit. Falls sich Lamar wirklich zum Hip-Hop-Messias stilisieren wollte, wie manche vermuten, täte er dies jedenfalls mit jenem gesenkten Blick, der auf dem aussagekräftigen Cover zu sehen ist. Zu aller erst ist „Damn“ aber ein verdammt gutes Rap-Album!

(Interscope/Universal)

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