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02.06.2020 |  Peter Füssl

Joan As Police Woman: Cover Two

Auf dem 2009 erschienenen Album „Cover“ nahm sich Joan Wasser alias Joan As Police Woman Kompositionen von unter anderem Jimi Hendrix, David Bowie, Nina Simone, Public Enemy, Iggy Pop oder Britney Spears vor und drückte ihnen ihren unverwechselbaren musikalischen Stempel auf. Nicht weniger disparat wirkt die Zusammenstellung auf „Cover Two“, aber auch hier gelingt es ihr, die verschiedenartigsten Songs auf unorthodoxe Weise ganz zu ihren eigenen zu machen.

Es erfordert schon Chuzpe, ausgerechnet mit „Kiss“ – der brünftigen Falsett-Orgie des genialen Prince – zu starten und ihm gefühlt ein paar Oktaven tiefer und vergleichsweise unaufgeregt eine weitaus coolere erotische Dimension zu verpassen. Neil Youngs düsterem 1974-er Song „On The Beach“ über die Kehrseiten des Ruhms raubt sie die exzessive Gitarre und macht ihn zur hoffnungslos-bluesigen Piano-Ballade. Auch „Under Control“ von den Strokes treibt sie auf ähnliche Weise die räudigen Gitarren aus, und „Under Control“ von Blur klingt, als hätte es Carol King, nicht Damon Albern geschrieben. Die Hip-Hop-Szene ist dieses Mal mit OutKasts im Original genial durchgeknallten „Spread“ vertreten, das Joan Wasser mit Hilfe der basszupfenden und sprechsingenden Meshell Ndegeocello ins irgendwie geheimnisvoll Laszive überhöht. Michael McDonalds 1982-er Hit „I Keep Forgettin‘“ schält sie hingegen aus seinem üppigen Soul-Funk-Soft-Rock-Gewand heraus und überrascht mit einer völlig entschlackten, aber nicht weniger eindringlichen Version im Duett mit dem Sänger Justin Hicks. Der ist mit seinen R’n’B-Vocals auch bei „Life’s What You Make It“ dabei, das man sich möglicherweise dann aber doch lieber im Original von Talk Talk anhört. Gil Scott Herons mit harten Trommelschlägen unterlegte Spoken-Word-Performance „Running“ versieht Wasser mit einer eingängigen Melodie und sanften Pianotönen. Reduktion der Instrumentierung und Verlangsamung sind häufig die Mittel ihrer Wahl, sie führen gepaart mit ihrem ausdrucksstarken Gesang oft zu einer unerwarteten Steigerung einer anderen Art von Intimität und Intensität, die manche Songs in einem völlig unerwarteten Licht erscheinen lässt. Der Kauf der limited Edition ist übrigens mit einem Download-Code für Michael Jacksons „Billie Jean“ als Bonus-Geschenk verbunden. Witziges Detail am Rande – auch die Albumcover sind gecovert: Während das Motiv des 2009-er Coveralbum-Covers mit dem von zwei Händen umfassten blanken Hintern schon ein 1974 erschienenes Jazz-Funk-Album des Gitarristen O’Donel Levy zierte, war das Vorbild des nun aktuellen Albums – ein in Latex gehüllter Hintern samt auffallender Handsymbolik – schon 1981 auf dem Album „Get Lucky“ der kanadischen Hardrock-Band Loverboy zu finden. Ja, ja, Frau Wasser hat es nicht nur musikalisch faustdick hinter den Ohren.

(Sweet Police)

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