Jazz&-Doppelkonzert mit Martin Eberle/Martin Ptak und Martin Listabarth am Spielboden (Foto: Stefan Hauer)
Peter Füssl · 31. Mär 2011 · CD-Tipp

James Blake

Der 22-jährige James Blake betitelte sein Debüt-Album mit James Blake, und das ist auch schon das Programm. Denn der 22-jährige Londoner, klassisch ausgebildeter Pianist und Elektronikgenie, ist mit einem Album zum Liebling der Musikkritik und des Social Network geworden, das alles andere als massenkompatibel ist, aber in der Tat ungemein beeindruckend, weil so noch nie gehört.

James Blake ist eigentlich ein Soulsänger, dessen Stimme in ihrer Verletzlichkeit und Brüchigkeit zuweilen an Antony erinnert, und oftmals durch den elektronischen Fleischwolf gedreht perfekt zu seinen elektronischen Soundcollagen passt, die irgendwo zwischen zerhacktem Soulpop und wummerndem Dubstep angesiedelt sind. Starke Kontraste zu diesen minimalistischen Techno-Passagen bilden die immer mal wieder eingestreuten Akustik-Piano-Tupfer, die gleich etwas Wärme in die faszinierende, aber doch leicht unterkühlt wirkende digitale Welt bringen. Der einzige Cover-Song des Albums und zugleich der konventionellste, Leslie Feists „Limit To Your Love“, hat sich mit mittlerweile 4,3 Millionen YouTube-Zugriffen zum veritablen Hit gemausert. Da darf man gespannt sein, ob sich James Blake den Verlockungen des Big Business entziehen kann und sein Herzblut weiterhin in seine faszinierenden, aber nicht unbedingt hittauglichen Soundtüfteleien investieren mag. Man würde es sich ja wünschen, und notfalls kann man sich immer noch mit seinem genialen ersten Longplayer trösten, denn der wird auch noch in zehn Jahren originell klingen.  
(Atlas/Vertrieb: Universal)