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25.07.2017 |  Peter Füssl

Halsey: Hopeless Fountain Kingdom

Die in New York lebende Halsey, ein Anagramm des Vornamens von Ashley Nicolette Frangipane, wurde von maßgeblichen amerikanischen Magazinen als „Stimme ihrer Generation“ bezeichnet, als sie vor zwei Jahren mit ihrem Debut „Badlands“ ein ziemlich eigenwilliges und trotzdem kommerziell höchst erfolgreiches Album vorlegte. Mit „Hopeless Fountain Kingdom“ folgt nun ein Konzeptalbum, das von William Shakespeares „Romeo und Julia“ inspiriert ist. Zum Auftakt rezitiert Halsey sogar aus dem Prolog des Klassikers, verlegt dann aber die Story ihrer Luna und Solis getauften Protagonisten – Namen die vermutlich ihrem Faible für Marvel-Comics geschuldet sind – in die Gegenwart der Twitter/Facebook-Generation.

Auch die für Halsey typischen, mitunter schmerzlichen Selbstreflexionen und ihre bereits rebellenhaft geouteten Lebensthemen, „bisexual, biracial, bipolar“ zu sein, finden Eingang in die 16 neuen Songs. Die große Gefahr für die unglücklich Verliebten kommt hier folgerichtig nicht von außen, sondern besteht in Überanpassung und Selbstaufgabe. Die beim Debut-Album noch zwischen kraftvollem Indie-Pop und elektronischen Club-Sounds pendelnde Musik wurde um einschmeichelnde R’n’B-Elemente und breitenwirksamen Gegenwarts-Pop erweitert und von einschlägigen Starproduzenten etwas in Richtung Massentauglichkeit getrimmt, verfügt aber über weite Strecken immer noch über genügend Reibungsflächen, um nicht in reinen Kommerz abzugleiten. Dort ist Halsey, die als Vorbild unter anderem Lady Gaga nennt, als Gastsängerin der Chainsmokers mit ihrem Megahit „Closer“ ja bereits einmal gelandet. Die 22-Jährige mit der ausdrucksstarken Stimme verfügt aber durchaus auch über politisches Bewusstsein und möchte als Künstlerin nicht die Ablenkungsmechanismen von gesellschaftlichen Problemen bedienen, sondern im Gegenteil ihre Fans sensibilisieren. „Wir flirten schon lange mit einer wirklich üblen Mentalität, dass wir kurz vor einem Punkt stehen, an dem es so schlimm ist, dass es einfach nicht mehr geht. Ich hoffe, dass Donald Trump der finale Beziehungskrach ist, der große Streit, an dessen Ende man den anderen nie mehr wiedersehen will“, meinte Halsey in einem „Spiegel“-Interview. Kann man unterschreiben.

(Capitol/Universal)

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