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11.03.2009 |  Peter Füssl

Geir Lysne Ensemble: The Grieg Code

Verjazzte Klassik? Nein, danke! Aber für solchen Stumpfsinn ist der hochkarätige norwegische Komponist, Arrangeur, Tenorsaxophonist und Flötist ohnehin nicht zu haben.

Seine drei hervorragenden, mit dem „Listening Ensemble“ eingespielten CDs (ebenfalls bei ACT erschienen) machen ihn von Vornherein über jeden Verdacht erhaben. Für seine acht Stücke umfassende Hommage an Edvard Grieg überlegte sich Lysne zum einen, welche Art von Musik wohl der große norwegische Tonsetzer im 21. Jahrhundert schreiben würde, wenn er an einem norwegischen Fjord leben würde, aber gleichzeitig mit allen globalen Einflüssen der Jetztzeit konfrontiert wäre. Zum zweiten pickte sich Geir Lysne musikalische Elemente aus dem Grieg’schen Oeuvre, die er stark verändert zu Grundlagen seiner Kompositionen macht. So macht er aus einer von Grieg komponierten lyrischen Sopranstimme eine coole Basslinie, indem er sie drei Oktaven tiefer setzt und rückwärts spielt, oder er erzeugt einen swingenden Groove, indem er den Rhythmus einer Violinstimme Griegs vom Schlagzeug spielen lässt. Geir Lysne gibt in den Stücktiteln Hinweise auf  diese musikalischen Anagramme, betont aber selbst, dass es sich hier eigentlich nur um einen zusätzlichen Anreiz für Grieg-Kenner handelt, die Suite entstand ja als Auftragswerk der Internationalen Edvard Grieg Gesellschaft. Tatsächlich hat Geir Lysne ein völlig eigenständiges, wundervolles Klanggemälde geschaffen, das durchaus in der nordischen Musiktradition verhaftet ist, allerdings ohne jemals in die gängigen Klischees zu verfallen. Natürlich fehlen die wunderbaren melancholischen Stimmungsbilder nicht, für die die Nordlichter nun einmal berühmt sind, sie werden aber durch „typisch amerikanische“ Bigband-Passagen, durch kehlige Schreigesänge oder Weltmusik-Einsprengsel durchbrochen. Umgesetzt wird das grandiose, in sich wunderbar stimmige Werk von einem dreizehnköpfigen Orchester mit brillianten Solisten wie den Trompetern Jesper Riis und Eckhard Baur, dem russischen Hornisten Arkady Shilkloper, dem Posaunisten Helge Sunde oder Lars A. Haug an der Tuba. Nicht zu vergessen der Perkussionist und Maultrommelvirtuose Terje Isungset, dessen vielschichtige Arbeit eigens eine eingehende Betrachtung wert wäre. (ACT 9479-2 / edel)

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