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12.03.2009 |  Peter Füssl

Moral im Keller?

Angesichts der Berichterstattung zu den furchtbaren Ereignissen in Winnenden darf man sich schon fragen, ob es im Vorarlberger Medienhaus überhaupt noch irgendjemand gibt, der sich ernsthafte Überlegungen macht, in welcher Form man solche tragischen Katastrophen der Öffentlichkeit präsentieren soll.

So betitelt man in den „Vorarlberger Nachrichten“ ein Interview mit dem VN-Psychiater Dr. Reinhard Haller groß mit „Täter wollen die Welt als Zeuge“ – und verschafft dem Amokläufer genau diese Publizität, indem man das Thema auf fünf, mit großformatigen Fotos reißerisch aufbereiteten Seiten breittritt.
Potentielle Nachfolgetäter dürften durch diese Art der Berichterstattung jedenfalls wohl kaum von ihren Macht- und Gewaltphantasien abgebracht werden. Wie Dr. Haller richtig sagt: „Der Amokläufer (...) will seine Macht über Leben und Tod der ganzen Welt unter Beweis stellen.“ Könnte nicht vielleicht der Herr Doktor einmal die Verantwortlichen im Medienhaus darauf aufmerksam machen,  dass auch Blätter wie die „Vorarlberger Nachrichten“ Gefahr laufen, – zwecks Steigerung der Auflagezahlen – zu Erfüllungsgehilfen dieser Wahnsinnigen zu werden.

Einen moralischen Tiefpunkt in der Berichterstattung erreicht meiner Meinung nach aber vol.at. Zum Beispiel wurde bereits gestern ein Foto des Türschilds des Elternhauses mit voller Namensnennung abgebildet. So etwas ist absolut nicht von öffentlichem Interesse und hat nur eines zur Folge, nämlich dass den Familienangehörigen eines Täters zusätzlich das Leben schwer gemacht wird.
Noch widerlicher ist nur die Tatsache, dass vol.at auch nicht davor zurückschreckt, ein Amateurvideo vom Selbstmord des Amokläufers ins Netz zu stellen. So etwas dient wohl überhaupt nur noch der Befriedigung der Schaulust des Pöbels. Moral im Keller? Manche Fragen sind rein rhetorischer Natur!

Snuff-Video auf vol.at

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Ist es wirlich angebracht, Berichte zu einem Amoklauf auf fünf Seiten auszuwalzen?

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