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18.02.2020 |  Peter Füssl

Frederik Köster/Die Verwandlung: Golden Age

„Die Verwandlung“ nennt der Trompeter und Flügelhornist Frederik Köster sein Quartett mit Pianist/Keyboarder Sebastian Sternal, Kontrabassist Joscha Oetz und Drummer Jonas Burgwinkel, die allesamt in Köln stationiert sind und mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft zur ersten Liga der deutschen Jazzszene gehören. Der Bandname ist gut gewählt, denn Köster ist keiner, der sich in der unendlichen Wiederholung einmal erfolgreicher Konzepte übt, vielmehr liebt er neue Herausforderungen.

So fallen im Vergleich zur 2018 erschienenen „Homeward Bound Suite“, die gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Hagen realisiert wurde, gleich drei maßgebliche Änderungen auf: die Rückkehr zum Quartettformat, die vermehrte Einbeziehung elektronischer Instrumente ins bislang vorwiegend akustische Musizieren und ein auffallendes Faible für orientalische Rhythmen. Der analoge Synthesizer Juno 6 kommt ebenso zum Einsatz wie Kaos-Pad, Loop-Effekte, Samples oder ein Ringmodulator, und natürlich Sternals Fender Rhodes-Piano. Die entsprechenden Effekte dienen aber nicht dazu, den akustisch musizierten Output originell aufzuhübschen, sondern verbinden sich mit diesem zu einer nicht selten brodelnden Melange. Der 1977 geborene Trompeter, der früher in Rock-Bands spielte und gerne auch Hip-Hop, Trap und andere Spielarten elektronischer Musik hört, ist weit von jeglichem Jazz-Purismus entfernt. Darauf lässt auch die gekonnte Anwendung arabischer Skalen, orientalischer Metren und Grooves schließen, die er unter anderem von Aufenthalten in Izmir, Kasachstan oder Beirut mitgebracht hat. Nicht nur hier kann sich der exzellente Drummer Jonas Burgwinkel lustvoll austoben. Die bis zu acht Minuten langen Stücke können aber durchaus auch mehrfach ihren Charakter verändern – etwa „Leaks“, das kammerjazzartig anfängt, zur elektronischen Spielwiese wird und in einem hochenergetischen, explosiven Funk-Jazz-Rock-Finale endet. Kösters bewusst offenen gelassenen Kompositionen lassen den Bandkollegen viele solistische Entfaltungsmöglichkeiten, sein meist strahlend-intensives, dann wieder lässig unterkühltes, jedenfalls aber höchst emotionales Spiel auf der Trompete bleibt aber stets im Fokus der Aufmerksamkeit. Ganz zum Schluss präsentiert er sich in der stimmungsvollen Ballade „(To The) Evening Star“ mit 250 Jahre alten Lyrics des englischen Universalgenies William Blake erstmals auch jenseits seiner Live-Auftritte als Sänger. Den Albumtitel „Golden Age“ kann man als ironischen Kommentar zur Glorifizierung bestimmter Epochen verstehen – vielleicht im Sinne von „früher war alles besser“. Bei „Die Verwandlung“ war zumindest wieder einmal alles anders. Jedenfalls ist das neueste Album wieder exzellent.

(Traumton)

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