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22.12.2020 |  Peter Füssl

Frank Woeste: Pocket Rhapsody II

Obwohl Frank Woeste vor vier Jahren mit seinem ACT-Debüt „Pocket Rhapsody“ ein exzellentes Album vorgelegt hat, kennt man den aus Hannover stammenden und seit mehr als 20 Jahren in Paris lebenden Pianisten international am ehesten noch als Tastenmann in der Band des Trompeters Ibrahim Maalouf. Vermutlich ändert sich das nun mit „Pocket Rhapsody II“, denn Woeste erweist sich einmal mehr als ausgesprochen kreativer Komponist, dessen songartigen Stücke durch starke Melodien, harmonische Raffinesse und treibende, oftmals fast hypnotisch wirkende Rhythmen geprägt sind. Manches erinnert nicht zufällig an Maalouf, weil Woeste dessen Leibarrangeur ist.

Typisch für Woeste, der sich geschmackssicher im Spannungsfeld von Jazz, Pop, Rock und Clubmusik-artigen Tönen bewegt, ist auch die wirkungsvolle, oftmals organisch wirkende Mischung aus akustischem Piano, mit Effektgeräten aufgepeppter Fender Rhodes und farbenreichen Synthesizern. Während er das erste Album mit einer zusammengewürfelten Band einspielte, ist jetzt seine in zahlreichen Konzerten zusammengeschweißte, französische Working-Band mit dem druckvollen Drummer Stéphane Galland, dem Bassisten Julien Herné und dem Posaunisten Robinson Khoury am Werk. Mit dem für seinen lyrischen Ton bekannten, erstklassigen niederländischen Trompeter Eric Vloeimans hat Woeste ebenfalls schon zahlreiche Duo-Abende hinter sich, kein Wunder also, dass die beiden perfekt harmonieren. Eine ausgesprochen interessante Erweiterung des Soundspektrums ergibt sich auch durch den Kinderchor Maîtrise des Hauts-de-Seine, der mit seinen warmen Stimmen in wunderschönem Kontrast zu den technoiden Klängen steht. Hier führte übrigens der Zufall Regie, weil Woeste beim Warten auf seinen Sohn, der im Chor singt, an seinen Kompositionen arbeitete und plötzlich merkte, wie schön sich die im Hintergrund hörbaren Kinderstimmen ins musikalische Geschehen einfügen. Im Zentrum steht das dreiteilige „Tryptique“, das mit einem lyrisch-expressiven Duo Vloeimans und Woestes startet, nach einem elektronischen Zwischenspiel mit kraftvollen Beats und einem wendigen Bass an spannungsgeladener Fahrt aufnimmt, um schließlich als äußerst expressive, stadionrock-taugliche Hymne auszuklingen. Ein abwechslungsreiches Album – für Kopf und Bauch gleichermaßen.

(ACT)

Konzerttipp: Unterfahrt München (13.2.)

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