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24.11.2016 |  Peter Füssl

Emile Parisien Qunintet: Sfumato

Sieben Minuten und 40 Sekunden dauert „Poulp“, das zweite Stück auf der neuen CD des Sopran- und Tenorsaxophonisten Emile Parisien – eine wahnwitzige musikalische Achterbahnfahrt voller schräger Ideen, halsbrecherischer Tempowechsel, neugieriger Sounderkundungen und stilistischer Bocksprünge. Diese Menge an Einfällen reichen anderen Künstlern für ganze CD-Produktionen. Nicht so dem mit den höchsten französischen und deutschen Jazz-Auszeichnungen dekorierten 34-jährigen Franzosen, zumal der sich mit dem 72-jährigen deutschen Joachim Kühn einen der ganz großen Piano-Improvisatoren des Gegenwartsjazz ins neue Quintet geholt hat.

Kühn steuert mit „Arôme de l’air“ und „Brainmachine“ gleich auch zwei brillant versponnene, geniale schräge Kompositionen bei, und gemeinsam schrieben sie ein „Duet For Daniel Humair“, jenen französischen Schlagzeuger, der sowohl in der Geschichte Kühns, als auch in jener Parisiens eine wichtige Rolle spielte. Drummer Mario Costa, Kontrabassist Simon Tailleu und Gitarrist Manu Codjia sind die idealen Partner für diesen große Offenheit erfordernden Parforceritt durch Stimmungen und Stile. Ein intensives Hörvergnügen bieten vor allem auch die dreiteilige Suite „Le clown tueur de la fête foraine“, die Emile Parisien noch mit seinem alten Quartett komponiert hatte, und das quecksilbrige „Umckaloabo – beide werden von den Gästen Michel Portal auf der Bassklarinette und Vincent Peirani am Akkordeon veredelt. Hochenergetisches und Spannungsgeladenes, expressionistische Stimmungsbilder, freie Improvisationen und lässig rockende Grooves – hier löst sich auch scheinbar Disparates in höchstem musikalischem Vergnügen auf. Und das weit entfernt von jeglicher Weichzeichnerei, wie es der unpassend gewählte CD-Titel suggeriert.

(ACT)

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