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29.09.2015 |  Peter Füssl

Destroyer: Poison Season

Der 42-jährige Kanadier Dan Bejar veröffentlicht unter dem eher zu einer Metal-Band passenden Namen Destroyer seit 20 Jahren höchst originelle Indie-Pop-Alben. Mit seinem 10. Album „Poison Season“, das man durchaus als zwiespältige Liebeserklärung an New York verstehen kann, legt er nun aber sein Meisterwerk vor. Das ist ganz großes Drama zwischen Lou Reed und Broadway Musical, zwischen David Bowie, Vaudeville und Hollywood, und der Soundtrack dazu besteht aus unglaublich raffinierten Arrangements.

Streicher und Bläser schaffen nicht nur Atmosphäre, sondern setzen Akzente und treiben das musikalische Geschehen voran. Gitarre, Sax und Trompete können sich unvermittelt aus sanftem Wohlklang in furiose Free-Sequenzen verabschieden, Sehnsuchtsvolles und Verträumtes finden passende Kontraste in überdrehten Up-Tempo-Nummern. Denselben Song – „Time Square“ - präsentiert er als Opener, in der Mitte und zum Finale in drei völlig verschiedenen Versionen. Die musikalischen Ideen scheinen nur so aus Dan Bejar herauszupurzeln, sein Repertoire an stilistischen Versatzstücken scheint unerschöpflich zu sein. Und alles passt perfekt zueinander: Schwelgerische Kammerpop-Streicher, Jazz-Bläser, kreischende Gitarre, zarte Klaviertupfer und vorantreibende Latin Percussion – kein Problem! Sein eigenartig zurückhaltender Sprechgesang, die mit vielen Anspielungen gespickten, nie ganz zu durchdringenden literarischen Texte, verleihen diesen unglaublich farbenreichen musikalischen Stimmungsbildern eine eigentümliche Magie. Ganz großes Kino für’s Ohr!

(Dead Oceans)

Konzerttipp: Destroyer ist am 11.11. im Palace St. Gallen zu sehen. www.palace.sg

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