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30.11.2021 |  Karlheinz Pichler

Wenn sich die Grenzen in der Landschaft auflösen

Im Zollart-Schauraum in Koblach, einer Aussenstelle von Kunstvorarlberg, zeigt die 1986 in Dornbirn geborene Performance- und Medien-Künstlerin Janine M. Schneider derzeit unter dem Titel „Grüne Grenzen“ Fotocollagen und Videos von Landschaftsräumen und Staatsgrenzen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden können. Da das Zollhäuschen eben ein Schauraum ist, kann man „Grüne Grenzen" auch während des Lockdowns besichtigen.

Bei dieser installativ angelegten Ausstellung handelt es sich um ein Work in Progress. Denn die von Beginn an präsenten Ansichten vom Alten Rhein und vom Bruggerhorn in Höchst werden laufend durch neue Aufnahmen ergänzt.
Die in Wien und Vorarlberg lebende und arbeitende Künstlerin verweist mit diesem Werkblock unter anderem darauf, dass Grenzen nicht per se als solche zu erkennen sind. Die Natur, die Landschaft, der Fluß lassen die Grenze gleichsam verschwinden. Höchstens Grenzsteine markieren die Übergänge von einem Land zum anderen. Schneiders Bilder referenzieren romantische Fluss- und Aulandschaften, die früher teils auch als Fluchtrouten für die von den Nazis verfolgten Juden dienten. Unter Einsatz ihres Lebens haben mutige Leute wie etwa der St. Galler Polizeihauptmann Paul Grüninger während des Nazi-Regimes Tausenden von jüdischen Flüchtlingen geholfen, über die grüne Grenze in die sichere Schweiz zu gelangen. Zum Gedenken an die jüdischen Flüchtlinge und Menschen, die sie trotz Verbot über den Grenzfluss Rhein geleiteten, ist auf einer der Fotografien explizit eine Gedenktafel abgebildet, die in Lustenau an einem Schmiedeeisentor befestigt wurde.

Körperliche Interaktion zwischen Publikum und Werk

Das Zentrum der Ausstellung stellen aber die jeweiligen Sichtmöglichkeiten dar. Die voneinander unabhängig erscheinenden Fotoansichten können durch die Fenster des Schauraumes jeweils mit Blick in die österreichische bzw. schweizerische Landschaft betrachtet werden. Dazu ist es erforderlich, dass sich der Besucher in die richtige Position bringt. Er muss sich bewegen, wenn er als realen Hintergrund zu einem Foto, dass einen grünen Grenzabschnitt visualisiert, die Schweizer Berge sehen will. Oder von der anderen Seite des Zollhäuschen den Blick auf die österreichischen Berge richten will. Dieser Hinweis auf das Körperliche ist Schneider sehr wichtig. Es spielt bei den meisten ihrer performanten Aufführungen, Installation sowie Fotografien und Videos eine wesentliche Rolle. Die körperliche Interaktion zwischen Publikum und Werk ist eine permanente Forderung im Schaffen Janine M. Schneiders.
Zudem sind die Arbeiten Schneiders in der Regel von ihrem langjährigen Interesse getragen, wie sich kulturelle Leitideen aber auch politische Entscheidungen vor allem im öffentlichen Raum in Vorarlberg manifestieren.
In ihrer künstlerischen Praxis verhandelt Janine M. Schneider grundsätzlich Fragen rund um Körperidentität im und durch öffentlichen Raum, Architektur sowie Raumpolitik. Sie arbeitet dabei bevorzugt mit den Medien Fotografie, Video, Installation und Performance. Die Künstlerin, die gerade erst kürzlich auf der Nominiertenliste für den Vorarlberg Kulturpreis stand, studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien „Performative Kunst“ bei Carola Dertnig.

Janine M. Schneider - Grüne Grenzen
jederzeit einsehbar, beleuchtet bis 21 Uhr
bis 2.1. 2022
Zollart Schauraum Koblach

Janine M. Schneider: "Grüne Grenzen"

Janine M. Schneider: "Grüne Grenzen"

Janine M. Schneider: "Grüne Grenzen"

Janine M. Schneider: "Grüne Grenzen"

Janine M. Schneider: "Grüne Grenzen"

Janine M. Schneider: "Grüne Grenzen"

Janine M. Schneider: "Grüne Grenzen"

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  • Janine M. Schneider: "Grüne Grenzen" Janine M. Schneider: "Grüne Grenzen"
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