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17.09.2015 |  Karlheinz Pichler

Vom fetten Strich bis zum verlorenen Leben - Accrochage II in der Feldkircher Galerie Feurstein

Seit geraumer Zeit (er)findet der Feldkircher Galerist Günter Feurstein immer wieder Sentenzen, die darauf abzielen, durch Vielfalt herauszufordern, Kunstwerke von Künstlern der Galerie und das Publikum in einen Dialog zu versetzen und Reflektionen über Brüche und/oder Kontinuitäten hinweg anzustellen.

Realisiert werden solche Anliegen mit thematischen Präsentationen wie etwa „Farb Wahn Sinn“, „Neu Gierig“ und „schwarz malen/ schwarzsehen“. Oder mit den eher „ungeordneten“ Konstellationen, die der Galerist unter dem Titel „Accrochage“ präsentiert. Nach einer ersten solchen „Accrochage“, die 2012 anlässlich des 5. Bestandsjahres der Galerie ausgerichtet wurde, ist nun ab 10. September die zweite Accrochage angesagt.

Der Begriff „Accrochage“ leitet sich aus dem Französischen ab und bedeutet soviel wie Kollision, Spannung, Zusammenprall, aber auch „befestigen“ oder „aufhängen“. Im Kunstbereich setzte sich der Begriff der „Accrochage“ ab den 1960er-Jahren in den französischen Museen als Ausdruck für die Hängung von Bildern fest. Bald darauf erlebte der Ausdruck einen regelrechten Hype und fand schnell Einzug in die internationale Galeristensprache. Noch bis heute beschreibt hier Accrochage eine kommerzielle Ausstellung aus den privaten Beständen einer Galerie. Hierbei werden meist mehrere Künstler gleichzeitig repräsentiert. Häufig wird der Terminus noch in seiner ursprünglichen Bedeutung ernst genommen und man geht dann in irgendeiner Form spielerisch mit dem Prozess der Hängung um. Beispielsweise werden in einer Art Performance die Bilder während der laufenden Ausstellung auf- und umgehängt und die Besucher so scheinbar in den Prozess der kuratorischen Arbeit eingebunden. In der Galerie Feurstein deuten einige noch nicht ausgepackte Bilder, die locker an die Wand gelehnt sind, darauf hin, dass die Ausstellung vielleicht noch gar nicht fertig zusammengestellt ist.

Portfolio deutlich ausgeweitet


Im Vergleich zur ersten Accrochage in der Galerie Feurstein fällt auf, dass das Galerienprogramm durch eine Reihe neu hinzugekommener Positionen deutlich angewachsen ist. In Accrochage II finden sich etwa neue Werke von Kunstschaffenden wie Nicholas Bodde, Sven Egert oder Gaby Terhuven, die erst in jüngerer Zeit ins Portfolio der Galerie Aufnahme gefunden haben. Letztere etwa ist bekannt für komplexe und vielschichtige Glasarbeiten, deren Gesamtheit nur „en passant“, also im Vorübergehen erfasst werden können. Die Bewegung des Betrachters, das Passieren entlang des Kunstwerks, das Vor- und Zurückweichen, ja der Wunsch auch hinter die Arbeit zu schauen, sind ein wesentlicher Bestandteil beim Betrachten der Glasmalereien der 1960 in Oberhausen geborenen Künstlerin Gaby Terhuven. Von Sven Egert wiederum ist ein ganz neues „Klangskelett“ zu sehen. Diese Wandarbeit besteht aus einer Kunststoffmatte mit Lochausstanzungen sowie Sprühfarbe und Lack auf Karton. Von den eigentlichen Künstlern der Galerie ist beispielsweise Manfred Egender mit zwei Arbeiten präsent, im Rahmen derer er sich unter dem Titel „Karmapa“ mit dem tibetischen Buddhismus auseinandersetzt. Oder der Tiroler Christian Stock mit einem „Fetten Strich“ in Acryl auf Leinwand sowie Christoph und Markus Getzner mit der imponierenden Chinatusche-Eitempera-auf-Papier-Arbeit „in einem fort geht dieses leben verloren“.

Von Richter bis zu Fruhtrunk


Neben seinem Stammrepertoire wartet die Galerie Feurstein aber auch mit Arbeiten einer Reihe von Gastkünstlern wie etwa Gerhard Richter, Norbert Pümpel, Ilse Aberer, Peter Kogler oder Ernestina Abbühl auf. Die in Graubünden geborene Abbühl partizipiert erstmals bei so einer Gruppenausstellung in Feldkirch. Sie ist ganz dem Material Wachs verhaftet. Inspiriert von der Natur, gibt sie dem Rohstoff Wachs mit ihrer subtilen, klar strukturierten Kunst eine neue Interpretation. Im Rahmen ihrer „WaxArt“ formiert sie architektonische Körper von klarem und aber auch sinnlichem, in sich ruhendem Ausdruck. Feingegliedertes entsteht bei Abbühl aus dem natürlichen Gegensatz von Chaos und Ordnung. Zu den Highlights zählt neben noch vielen anderen Werken auch ein Siebdruck des abstrakten deutschen Grafikers und Malers Günter Fruhtrunk (1923-1982) aus dem Jahre 1974. Fruhtrunk ist vor allem mit farbintensiven Bildern aus parallelen, orthogonalen oder diagonalen, farbigen, in Streifen gebündelten Vektoren bekannt geworden. Seine Arbeiten erfuhren durch die Teilnahme an der Documenta 4 breite Aufmerksamkeit.

 

Accrochage II
Künstler der Galerie:
Nicholas Bodde, Thomas Deyle , Manfred Egender, Sven Egert, Thierry Feuz ,  Christoph & Markus Getzner, Rosa M Hessling, Ben Hübsch, Edda Jachens, Willi Kopf, Carmen Pfanner, Frank Piasta, Otto Reitsperger, Rita Rohlfing , Dirk Salz, Christian Stock, Karl-Heinz Ströhle, Gaby Terhuven und Elisabeth Vary
Gastkünstler: Ernestina Abbühl, Ilse Aberer, Werner Haypeter, Raimer Joachims, Peter Kogler, Norbert Pümpel, Gerhard Richter u.a.

Galerie Feurstein, Feldkirch
Bis 24.10.2015
Di, Mi, Do, Fr 14-18
Sa 11-14 u.n. Vereinbarung
www.galeriefeurstein.at

Manfred Egender: Karmapa

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Ernestina Abbühl: Relief 2 senza culur, Papyrus u. Paraffin auf Holzgrundlage

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Günter Fruhtrunk: o.T., Siebdruck auf PVC, 1974

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Joachims Raimer: Fontana

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Stefan Strumbel: Heimat

Stefan Strumbel: Heimat

Norbert Pümpel: Wirklichkeit

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Gerhard Richter: o.T., Digitalprint (alle Fotos: Karlheinz Pichler)

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Bilder
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