Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

10.07.2012 |  Karlheinz Pichler

Der Traum des Publikums im Polster – Jack Bauer in der Galerie 365 Schnepfau

Der vom Bizauer Bildhauer Herbert Meusbuger geführte Kunstraum „Galerie 365“ in Schnepfau erinnert derzeit in gewissem Sinne an ein Schlafzimmer, hängen an den Wänden derzeit doch kunstvoll verzeichnete Polster des steirischen Künstlers Jack Bauer.

Der 1971 in Graz geborene Jack Bauer besuchte in den 1990er-Jahren die Klasse von Christian Ludwig Attersee an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien und hat in jener Zeit viel mit Martin Kippenberger und Franz West zusammengearbeitet. Jack Bauer ist der Sohn des 2005 überraschend verstorbenen Schriftstellers Wolfgang Bauer, der in den 1970er-Jahren neben Peter Handke und Thomas Bernhard zu den wichtigsten Dramatikern Österreichs zählte. Jack Bauer lebt und arbeitet heute als bildender Künstler in Wien und betreut daneben auch den literarischen Nachlass seines Vaters.

Das besondere an der Galerie 365 ist, dass sie wohl den einzigen Kunstraum verkörpert, der nach zwei Seiten hin geöffnet und somit das ganze Jahr über rund um die Uhr begehbar ist. Hingen an diesen geöffneten Seiten Vorhänge, könnte man sich aktuell vorstellen, ein Himmelbett zu betreten. Denn Jack Bauer hat die zwei vorhandenen Wände in Kopfhöhe mit Kissen behängt, auf die er kunstvolle, expressionistisch anmutende Zeichnungen gesetzt hat. Die eindringlichen, phantasievollen Zeichnungen sind gespickt mit Erotizismen sowie Erlebtem und Gedachtem aus dem Alltag oder mit Personen und Figuren, die man aus der Philosophie und Geschichte zu kennen glaubt.

Der Traum des Publikums

Bauer betitelt seine Polsterzeichnungsschau mit „Der Traum des Publikums“. Denn es sei eine Ausstellung, „deren eigentliche Bilder hinter den geschlossenen Augen des Betrachters erscheinen, und dies unter perplexen Umständen in einer performativen Intimität an einem Ort, der Hingabe abverlangt und als Brutstätte der Vertiefung gedacht ist“, wie es der Künstler selbst formuliert. Dementsprechend sollen die Polster quasi zum spontanen Versinken anregen, die Vorstellungskraft beflügeln und ein Wegbrechen aus der knallharten Realität bewirken.

Der Traum des Innozenz III.

Die Decke der Galerie 365, die statisch an einem Stahlpfeiler aufgehängt ist – eine Konstruktion, wie man sie vom Brückenbau her kennt –, ist im Februar in Anbetracht der gewaltigen Schneemassen eingestürzt. Der Statiker hat wohl nicht mit so viel Schnee gerechnet. Nun ist der Kunstraum aber wieder vollständig saniert und bespielbar. In Anbetracht dieses Deckeneinsturzes hat Jack Bauer den „Traum des Innozenz III.“, ein Gemälde Giotto di Bondones, welches den Papst schlafend in seiner Traumwelt darstellt, in den erweiterten Rahmen der Zeichnungsinstallation mit einbezogen: Der heilige Franziskus stützt die Kirche, die auf den Schlafenden zu kippen scheint.

 

Jack Bauer:
Der Traum des Publikums
Galerie 365, Schnepfau
Bis 1.8.2012
Mo-So 0-24 Uhr

Jack Bauer: Der Traum des Publikums – Gesamtansicht der Ausstellung

Jack Bauer: Der Traum des Publikums – Gesamtansicht der Ausstellung

Jack Bauer: Polster als Bildträger

Jack Bauer: Polster als Bildträger

Die von Bauer verzeichneten Kissen leiten zum Sinnieren an

Die von Bauer verzeichneten Kissen leiten zum Sinnieren an

Auch erotische Phantasien werden beflügelt (Alle Bilder: Martin Dietrich)

Auch erotische Phantasien werden beflügelt (Alle Bilder: Martin Dietrich)

Artikelaktionen
abgelegt unter: Ausstellungseröffnung
Newsletter
Erhalten Sie die neuesten Kritiken per E-Mail
(Required)
Bilder
  • Jack Bauer: Der Traum des Publikums – Gesamtansicht der Ausstellung Jack Bauer: Der Traum des Publikums – Gesamtansicht der Ausstellung
  • Jack Bauer: Polster als Bildträger Jack Bauer: Polster als Bildträger
  • Die von Bauer verzeichneten Kissen leiten zum Sinnieren an Die von Bauer verzeichneten Kissen leiten zum Sinnieren an
  • Auch erotische Phantasien werden beflügelt (Alle Bilder: Martin Dietrich) Auch erotische Phantasien werden beflügelt (Alle Bilder: Martin Dietrich)