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19.05.2016 |  Karlheinz Pichler

Dem Paradies hinterherjagen - Daniela Fetz und Nadine Hirschauer im Aktionsraum N25 Feldkirch

Unter dem Titel "Salon Eden" sind im Aktionsraum N25 in Feldkirch derzeit zwei Projekte zu sehen, in denen sich die zwei jungen Vorarlberger Künstlerinnen Daniela Fetz und Nadine Hirschauer mit dem Paradies-Begriff auseinandersetzen.

Die 1990 in Felkirch geborene Absolventin der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien, Nadine Hirschauer, borgte sich für ihren Beitrag bei Bewohnern, Geschäften und Lokalen der Feldkircher Innstadt insgesamt 36 Topfpflanzen aus, um damit im Ausstellungsraum eine Art "Portrait einer Kleinstadt" auszulegen. Die Künstlerin hat die Pflanzen jeweils mit der Adresse der Räumlichkeiten beschriftet, in der sie sonst stehen. Auf einem Begleitzettel, der in der Ausstellung aufliegt, ist deren botanischer Name, der gängige Trivialname sowie die ursprüngliche Herkunft der Pflanzen nachzulesen. Die Auswahl führt von der zentralafrikanischen Schwiegermutterzunge über das europäische Stiefmütterchen bis hin zur mittelamerikanischen Glückskastanie und zum mexikanischen Kaktus. Sogar ein Kunststoffblumenarrangement befindet sich unter den Exponaten.

Portrait einer Kleinstadt


Die einzelnen Blumenstöcke werfen ein bezeichnendes Licht auf die Charaktere der Pflanzengeber. So wirken die einen Gewächse gehegt und gepflegt, während andere völlig vernachlässigt und vertrocknet erscheinen. Wieder andere sind mit Utensilien wie Kugeln oder einer Milka-Kuh zusätzlich dekoriert. Hirschauer: "Es entsteht ein Portrait der Stadt, indem jede Pflanze Geschichten ihrer Besitzer erzählt, aber auch der Geschichten wie diese, meist tropischen Gewächse, ihren Weg in eine Kleinstadt finden und von uns kultiviert wurden."

Die junge Künstlerin inszeniert mit diesem pflanzenbasierten Portrait in gewisssem Sinne ein soziales Vernetzungskonzept. Sie musste mit den Leihgebern in direkten Kontakt treten, sie vom Projekt überzeugen und zur Herausgabe einer dem Besitzer liebgewonnenen Pflanze überreden. Jemand wollte ihr sogar Geld geben, damit sie sich selber einen Stock kaufen könne, wie Hirschauer im Gespräch mit KULTUR betont. Etliche der Leihgeber sind auch zur Vernissage erschienen, um ihren Anteil an diesem Projekt vor Ort zu begutachten.

Hirschauers "Portrait" von Feldkirch fügt sich sehr subtil in die Geschäftszeile der Neustadt ein. Wer den Projektraum nicht kennt, vermutet hinter dem Schaufenster einen Blumenladen und läuft ahnungslos daran vorbei.

Warum ist das Paradies immer dort, wo man gerade nicht ist?


Die 1981 in Au im Bregenzerwald geborene Künstlerin Daniela Fetz studierte "Visuelle Kommunikation" an der Universität der Künste in Berlin und "Arts & Sciece" an der Fachhochschule Vorarlberg. Sie zeigt im Aktionsraum N25 mit "Konservierung einer Fiktion" oder "Warum ist das Paradies immer dort, wo ich nicht bin?" eine Installation, die eine mögliche paradiesische Vorstellung transportieren soll und neben einer sinn­lichen Erfahrung auch auf Empfindungen abzielt, welche den "Paradies"-Begriff hinterfragen.

Hintergrund der Arbeit ist, dass der Mensch ständig einem paradiesischen Zustand hinterherjagt. Hochglanz-Reisekataloge versprechen in allen Nuancen - von Türkis über Himmelblau bis hin zu Aquamarinblau - gefärbtes Wasser, welches für viele als Inbegriff einer paradiesischen Vorstellung gilt. Die Urlaubssehnsüchtigen setzen solche Bilder und Landschaften mit der Erfüllung von allen ihren Träumen gleich. Fetz: "Die warme Südseesonne, die immer strahlt, gepaart mit weißen Sandstränden, dem klaren Wasser, welches über die Spiegelung des Himmels in den bereits erwähnten Farben erscheint und natürlich eine Loslösung vom ungeliebten Alltag im Beruf – vielleicht sogar dem Leben in der Heimat im Allgemeinen – macht diese Reise zur Vorstellung einer Erreichung der Glückseligkeit auf begrenzte Zeit."

Die Künstlerin konserviert das Paradies sozusagen in Einmachgläser. In der Ausstellung sind Drahtbügelgläser aufgereiht, die üblicherweise zur Konservierung von Marmeladen oder Gelees verwendet werden. Sie symbolisieren die Haltbarkeit eines Zustandes respektive einer Fiktion. Die Gläser sind mit Wasser gefüllt und mit speziellen Färbemitteln eingefärbt, deren Spektrum von transparenten Blau- und Türkisnuancen bis hin zu schon giftig anmutenden Grüntönen reicht. Aneinandergereiht ergeben die Gläser einen schönen Farbverlauf, entsprechend einem Gedanken, der sich von einem leichten Ursprung bis ins Manische steigern kann.

Offspace


Beim "Aktionsraum N25" handelt es sich um einen typischen Offspace. Der Name leitet sich aus der Adresse "Neustadt 25" ab. Es handelt sich um eine 25 Quadratmeter große Geschäftsfläche, die im Zuge eines bevorstehenden Umbaus für eine temporäre Zwischennutzung zur Verfügung gestellt wurde. Initiiert und betrieben wird der Raum, der auch für Lesungen, Workshops und anderes verwendet werden kann, von den Architekten Christoph Eppacher und Miriam Dobler, die auch Gründer des "studio kollevtiv" sind. Bleibt zu hoffen, dass dieses Kleinod in der Feldkircher Neustadt noch einige Zeit zur kulturellen Nutzung erhalten bleibt.

 

Nadine Hirschauer, Daniela Fetz
Salon Eden
Aktionsraum N25, Feldkirch
Bis 27.5.2016
Do, Fr 19-21, Sa 16-18
www.n25.at

Nadine Hirschauer: Portrait einer Kleinstadt, 2016, Installation

Nadine Hirschauer: Portrait einer Kleinstadt, 2016, Installation

Daniela Fetz: Konservierung einer Fiktion, Installation (Ausschnitt)

Daniela Fetz: Konservierung einer Fiktion, Installation (Ausschnitt)

Nadine Hirschauer: Portrait einer Kleinstadt - Neustadt 28b, 2016 (Fotos: Karlheinz Pichler)

Nadine Hirschauer: Portrait einer Kleinstadt - Neustadt 28b, 2016 (Fotos: Karlheinz Pichler)

Daniela Fetz: Konservierung einer Fiktion, Installation (Ausschnitt)

Daniela Fetz: Konservierung einer Fiktion, Installation (Ausschnitt)

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  • Nadine Hirschauer: Portrait einer Kleinstadt, 2016, Installation Nadine Hirschauer: Portrait einer Kleinstadt, 2016, Installation
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