MaadiCabanon: Ein Dialog in Geometrie, Licht, Farbe zwischen Vater und Sohn. (Foto: MPS)
Walter Gasperi · 07. Mai 2026 · Film

Aktuell in den Filmclubs (8.5. – 14.5.2026)

In der LeinwandLounge in der Remise Bludenz und in der Programmkinoschiene Kinothek extra der Kinothek Lustenau steht diese Woche Wolfgang Beckers hinreißende Komödie „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ auf dem Programm. Im Heerbrugger Kinotheater Madlen spürt dagegen Anka Schmid in ihrem Dokumentarfilm „Melodie“ der Vielfalt und Kraft des menschlichen Gesangs nach.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße: Einen liebevoll-ironischen Ton schlägt der im Dezember 2024 verstorbene „Good Bye, Lenin!“-Regisseur Wolfgang Becker in seinem letzten Spielfilm schon mit dem Einstieg an, in dem mittels einer Modelleisenbahn von der größten Massenflucht aus der DDR im Jahr 1984 erzählt wird: Durch eine falsch gestellte Weiche an dem an der Grenze zwischen Ost- und West-Berlin gelegenen Bahnhof Friedrichstraße fuhr damals eine S-Bahn mit 127 DDR-Bürgern vom Osten Berlins in den Westen.
Fiktiv ist diese Geschichte und bildet auch nur den Ausgangs- und Angelpunkt des 2019 spielenden Films. Anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls will ein Magazin eine große und neue Story zur DDR bringen. Das Studium von Stasi-Akten bringt den Journalisten Alexander Landmann (Leon Ullrich) auf die Spur von Micha Hartung (Charly Hübner), der damals die Weiche falsch gestellt und so die Flucht organisiert haben soll. So wird der vor der Pleite stehende Videothekar Hartung durch die Story ganz im Gegensatz zur historischen Realität zum großen Regimegegner aufgebaut.
Großes Vergnügen bereitet es, dem lustvoll aufspielenden Ensemble zuzusehen, das den Figuren Ecken und Kanten verleiht. Diese werden aber von Becker immer so versöhnlich und warmherzig gezeichnet, dass man selbst für einen ehemaligen Stasi-Oberst Sympathien entwickeln kann. Von wunderbar augenzwinkernder Ironie ist diese Komödie durchzogen, wenn mit Sternschnuppen oder einem Feuerwerk mit Kitsch gespielt wird, aber auch vor klamaukigen Szenen schreckt Becker nicht zurück. Pointiert hinterfragt er Heldenaufbau, falsche Geschichtsbilder, mediale Vermarktung und Erinnerungskultur, gleichzeitig kommt mit der Beziehung zwischen dem Protagonisten und einer Staatsanwältin aber auch eine Liebesgeschichte nicht zu kurz, in der zwei verlorene und einsame Menschen Halt und Glück finden, auch wenn darüber immer als Damoklesschwert droht, dass die Täuschung auffliegt.
Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mo 11.5., 18 Uhr (deutsche Originalfassung)
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 13.5., 19 Uhr (deutsche Originalfassung)

Melodie: Lange blickt die Kamera von Stéphane Kuthy und Patrick Lindenmaier auf ein Neugeborenes, das durch ein Schlaflied offensichtlich beruhigt wird. Dieser Auftakt stimmt schon auf die Erzählweise von Anka Schmids Dokumentarfilm ein. Viel Raum lässt die Regisseurin in langen, meist unbewegten Einstellungen den Sänger:innen und ihrem Gesang. Von den Erinnerungen Jugendlicher unterschiedlicher Kulturen an Schlaflieder spannt Schmid bei ihrer Spurensuche den Bogen über die Sennerin Mina Inauen, die im Alpstein jeden Abend durch einen Holztrichter den Alpsegen singt, bis zur alten Griechin Panagiota Georgila und ihrem Klagelied, mit dem sie ihres verstorbenen Mannes gedenkt.
Schmid selbst hält sich zurück. Sie verzichtet auf jeden Kommentar, bleibt unsichtbar und ist nur durch wenige Zwischenfragen präsent. Sie überlässt den Raum ihren Protagonist:innen und deren Gesang. Diese sprechen dabei aber nicht nur über die Musik, sondern auch über die Ruhe und Stille auf der Alp, die nichts mit Einsamkeit zu tun hat, oder über das Verschwinden der Tradition der Klagelieder.
Nicht um sachliche Information geht es bei diesem Kaleidoskop, sondern Schmid lässt die Zuschauer:innen mit ihrer ruhigen Erzählweise in die Welt des Gesangs eintauchen und dessen vielfältige Wirkungen durch die zahlreichen und sehr unterschiedlichen Beispiele erfahren. So lässt „Melodie“ nicht nur mit neuen Augen auf die faszinierenden Möglichkeiten des einfachsten und ältesten Musikinstruments blicken, sondern entwickelt auch anregende Kraft.
Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mo 11.5., 20.15 Uhr (deutsche Originalfassung)

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