„Antigone" in einer Bearbeitung von Michael Köhlmeier derzeit im Theater Kosmos in Bregenz zu sehen.(Foto: Jan Friese)
Walter Gasperi · 07. Dez 2023 · Film

Aktuell in den Filmclubs (8.12. – 14.12. 2023)

Der Spielboden Dornbirn zeigt diese Woche passend zur Vorweihnachtszeit den bezaubernden Animationsfilm „Morgen, Findus, wird´s was geben“. Ebenfalls am Spielboden läuft mit „Elaha“ Milena Aboyans vielschichtiges Debüt über eine junge Deutsch-Kurdin, die zwischen Traditionen und Lebenslust zerrissen ist.

Elaha: Im Mittelpunkt von Milena Aboyans Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg steht eine 22-jährige Deutsch-Kurdin. Lebensfreude und Leidenschaft beschwört die aus Armenien stammende Debütantin bei der Schilderung einer großen Hochzeit, doch schon legen sich Schatten darüber, wenn die Freundinnen von Elaha über die unübersehbare Schwangerschaft der Braut sprechen. Nach kurdischer Tradition muss die Braut nämlich jungfräulich sein, doch auch Elaha, deren Hochzeit schon fixiert ist, erfüllt dieses Kriterium nicht mehr.
Vielschichtig lotet Aboyan mit einer starken Bayan Layla in der Titelrolle die Zerrissenheit der jungen Frau aus. Denn Elaha könnte zwar aus dem engen gesellschaftlichen Rahmen ausbrechen, doch immer wieder betont sie, dass sie ihre Familie und die meisten der kurdischen Traditionen liebt. Gleichzeitig treibt sie ihre Situation freilich immer mehr in Lügen und in eine zunehmend verzweifelte Situation. 
Eindrücklich zeigt Aboyan, wie Elaha mit niemandem darüber reden kann, dass sie nicht mehr Jungfrau ist, denn ihre Mutter würde das nie akzeptieren. So kann sie auch niemanden um finanzielle Unterstützung für die teure Hymenrekonstruktion bitten, das dafür angebotene Medikament wiederum wirkt nicht. Während innerhalb der Familie weniger der Vater als vielmehr die Mutter ihren Freiraum einengt, ist es außerhalb ihr zukünftiger Ehemann, der im Grunde schwach ist, aber glaubt, das patriarchale Rollenbild erfüllen zu müssen, um von seinen Freunden nicht verlacht zu werden.
Zwar fehlen auch etwas papierene Szenen nicht, die vor allem darauf angelegt scheinen, das Thema möglichst umfassend abzudecken, insgesamt besticht dieses Debüt, das im engen 4:3 Format die Einengung Elahas auch über die visuelle Ebene spürbar macht, aber und vermittelt eindrücklich das Spannungsfeld zwischen Freiheitssehnsucht und Lebenslust der jungen Frau einerseits und gesellschaftlichen Zwängen andererseits. Weil es dabei keine einfache Lösung geben kann, lässt Aboyan ihr starkes Frauenporträt klugerweise auch offen enden.
Spielboden Dornbirn: Di 12.12. + Mi 20.12. – jeweils 19.30 Uhr


Morgen, Findus, wird´s was geben: Der freche Kater Findus wünscht sich zu Weihnachten, dass der Weihnachtsmann ihm die Geschenke persönlich übergibt. Dies stürzt seinen Freund, den alten Tüftler Petterson, in innere Unruhe und fieberhafte Aktivität, möchte er doch Findus nicht enttäuschen.
In seiner Liebe zum Detail und dem warmherzigen Erzählton steht der dritte Zeichentrickfilm über die Abenteuer von Petterson und Findus, die in der Abgeschiedenheit der schwedischen Provinz leben, seinen Vorgängern um nichts nach. Nebenfiguren wie ein mürrischer Nachbar, winzige Hausgeister oder ein seltsamer Briefträger sorgen für Abwechslung im Handlungsverlauf, ohne dass dabei das Warten und die Vorbereitungen für Weihnachten als die zentralen Themen aus den Augen verloren würden. Geschickt wird die Frage nach der Existenz des Weihnachtsmannes schließlich auch so gelöst, dass den Kindern ihre Träume nicht genommen werden. Ideal für die Vorweihnachtszeit ist somit dieser Kinderfilm, verkürzt einerseits die Wartezeit, steigert andererseits die Vorfreude und stellt zudem ohne erhobenen Zeigefinger ganz beiläufig dem Konsumdenken und den hölzernen Weihnachtsmännern mit blecherner Stimme Freundschaft und Hilfsbereitschaft als die wahren Werte gegenüber.
Spielboden Dornbirn: Sa 9.12., 15 Uhr


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