Vlbg. Landestheater: „Ein Sommernachtstraum“ (Foto: Anja Köhler)
Walter Gasperi · 04. Jun 2026 · Film

Aktuell in den Filmclubs (5.6. – 11.6.2026)

Der FKC Dornbirn bietet diese Woche – und die Leinwandlounge in der Remise Bludenz Ende Juni – mit Oliver Hermanus' „The History of Sound“ meisterhaftes und bewegendes Gefühlskino. Beim Filmforum Bregenz steht dagegen im Parktheater Lindau mit „Enrico Berlinguer – La grande ambizione“ ein Biopic auf dem Programm, das auf zentralen Jahren im Leben des titelgebenden italienischen Kommunisten fokussiert.

The History of Sound: Oliver Hermanus folgt in seiner Verfilmung von Ben Shattucks 1987 erschienener Kurzgeschichte dem Musiker Lionel Worthing (Paul Mescal) von der elterlichen Farm im Kentucky des Jahres 1917 zum Musikkonservatorium von Boston. Dort verliebt sich der Student über die Begeisterung für klassische Volkslieder in den Komponisten David White (Josh O’Connor). Der Erste Weltkrieg wird die beiden Männer zwar trennen, doch nach Kriegsende lädt White seinen Freund auf eine Reise durchs ländliche Maine ein, um dort die Volkslieder der bäuerlichen Bevölkerung mit einem Grammophon aufzuzeichnen und für die Nachwelt zu bewahren.
„The History of Sound“ besticht durch eine bewundernswert zurückhaltende Inszenierung, die Emotionen mehr dämpft als pusht, und eine bestechende Einbettung der Handlung in einen ebenso präzise wie unaufdringlich eingefangenen sozialen und historischen Hintergrund. Die warme Stimmung, die die in Brauntöne getauchten Bilder evozieren, wird durch die zahlreichen tiefmelancholischen Lieder, in denen es immer wieder um Tod und verlorene Liebe geht, meisterhaft verstärkt, und gleichzeitig verdichten diese Lieder die innige Liebe zwischen Lionel und David.
Wie diese Songs ist auch dieser Film in künstlerische Form gegossene Emotionen, und Paul Mescal und Josh O’Connor gelingt es, in kleinsten Gesten und Blicken die Intensität der Gefühle spürbar zu machen. So erzählt Hermanus nicht nur eine bewegende homosexuelle Liebesgeschichte, sondern setzt auch der Tradition der amerikanischen Volkslieder ein großes Denkmal.
FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 10.6., 18 Uhr + Do 11.6., 19.30 Uhr (engl. OmU.)
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 24.6., 19 Uhr (engl OmU.)

Enrico Berlinguer – La grande ambizione: Andrea Segre zeichnet in seinem Spielfilm ein Porträt des charismatischen italienischen Politikers (1922–1984) und seiner Bemühungen, einen Kompromiss zwischen seiner kommunistischen Partei und der Democrazia Cristiana zu erreichen. Geprägt vom Putsch gegen den chilenischen Präsidenten Salvador Allende am 11. September 1973 will Berlinguer eine ähnliche Entwicklung in Italien, eine Spaltung des Landes und die Intervention einer ausländischen Macht wie der USA unter allen Umständen verhindern. Gleichzeitig distanziert sich der von Elio Germano großartig gespielte leidenschaftliche Kommunist aber auch von der Sowjetunion. 
In von Brauntönen bestimmten Bildern, die eine muffige Atmosphäre evozieren, zeichnet Segre, gegliedert durch zahlreiche Inserts zu Ort und Zeit der Sitzungen und Gespräche, die historischen Ereignisse nach. Statt einzelne Szenen breiter zu entwickeln und ihnen Tiefe zu verleihen, werden dabei allerdings vorwiegend Fakten an Fakten gereiht. Nicht durchgängig überzeugend ist auch die Verwendung des Archivmaterials, das teilweise ausdrucksstark, teilweise aber auch beliebig wirkt. So kommt „Enrico Berlinguer“ zwar kaum über eine sorgfältige, aber doch oberflächliche Geschichtslektion hinaus, zeichnet aber immerhin ein eindrückliches, wenn auch hagiographisch verklärtes Porträt eines Politikers, der mit seinem unermüdlichen Engagement für das Wohl Italiens, seiner zutiefst sozialen und demokratischen Haltung und seinem Bemühen um Kompromiss und Einheit für Segre wohl auch ein Vorbild für heutige Politiker:innen sein sollte. 
Filmforum Bregenz im Parktheater Lindau: Mi 10.6., 19.30 Uhr (ital. OmU.)

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