Aktuell in den Filmclubs (28.6. – 4.7.2024)
Beim TaSkino Feldkirch steht diese Woche „No Bears“ auf dem Programm, in dem der Iraner Jafar Panahi beklemmend von Liebe und künstlerischem Schaffen in einem repressiven Regime erzählt. Woody Allen variiert dagegen in der leichthändigen Krimikomödie „Ein Glücksfall – Coup De Chance“ bekannte Themen.
No Bears: 2010 wurde der Iraner Jafar Panahi wegen „Propaganda gegen das Regime“ zu einer sechsjährigen Haftstrafe und 20-jährigem Berufsverbot verurteilt. Gegen Kaution wurde er zwar freigelassen, aber mit Ausreiseverbot belegt und im Sommer 2022 wiederum festgenommen, um die Haftstrafe anzutreten. Erst nach einem Hungerstreik wurde er im Februar 2023 auf Kaution aus dem berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis entlassen. Trotz dieser drastischen Beschränkungen gelang es Panahi in den letzten 13 Jahren fünf Filme zu drehen und diese außer Landes zu schmuggeln.
Wie in den anderen Filmen spielt Panahi auch in „No Bears“ selbst die Hauptrolle. Unübersehbar sein Alter Ego ist dabei der Filmregisseur, der sich von Teheran in ein abgelegenes Dorf an der iranisch-türkischen Grenze zurückgezogen hat. Hier koordiniert er von seinem Zimmer aus via Skype die Dreharbeiten an einem Spielfilm, der in der nahen Türkei gedreht wird. Im Zentrum des Films-im-Film steht ein Liebespaar, das plant, das diktatorisch regierte Land zu verlassen.
Wie in diesen Szenen der staatliche Druck in der Stadt spürbar wird, so wird Panahi aber auch im Dorf mit gesellschaftlichem Druck konfrontiert, der sich sukzessive erhöht.
Wie in Panahis vorigen Filmen fehlt auch hier Humor nicht, doch grimmiger und bitterer ist dieser und insgesamt ist „No Bears“ deutlich pessimistischer als beispielsweise „Taxi Teheran“. Nichts scheint der Künstler unter diesen Verhältnissen ausrichten zu können, tatenlos muss er abreisen und keine Chance hat in diesem repressiven gesellschaftlichen Klima die Liebe.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Mo 1.7., 18 Uhr; Do 4.7., 18 Uhr; Fr 5.7., tba
Ein Glücksfall – Coup De Chance: Woody Allens erster französischsprachiger Film ist ein leichthändiger Mix aus Krimi und Komödie, in dem der New Yorker mit der Unberechenbarkeit der Liebe, der Frage nach Glück und nach Zufall bekannte Themen variiert. Ausgelöst wird die Handlung durch eine Begegnung Fannys (Lou de Laâge) mit ihrem alten Schulfreund Alain (Niels Schneider) auf den Champs-Élysées. Fanny ist zwar glücklich verheiratet mit Jean (Melvil Poupaud), dessen dubioser Beruf es ist, Reiche noch reicher zu machen, doch die Begegnung mit Alain lässt sie zunehmend an diesem Eheglück zweifeln. Von ihrem Mann wird sie zwar mit Geschenken überhäuft, doch langsam wird ihr bewusst, dass ihr in ihrem goldenen Käfig etwas fehlt, denn Romantik und echte Leidenschaft gibt es hier nicht.
Vorhersehbar ist so, dass sie dem Werben Alains nicht auf Dauer widerstehen wird. So entwickelt sich eine Affäre, doch Jean schöpft bald Verdacht, lässt Nachforschungen zum Tagesablauf seiner Frau anstellen und langsam verwandelt sich die Ehebruchsgeschichte in einen Krimi.
Souverän steigert Allen dabei die Spannung, setzt aber nicht auf Thrill, sondern zieht den komödiantischen Ton durch die leichte Jazzmusik, die in Kontrast zur Handlung steht, durch. So nimmt „Coup De Chance – Ein Glücksfall“ nach einem smarten, aber sich auch in klassischen Bahnen bewegendem Beginn zunehmend Fahrt auf, erfreut mit überraschenden Wendungen und mündet in einen großartigen Knalleffekt, der das Thema der Unwägbarkeit des Glücks und der Macht des Zufalls nochmals treffend und herrlich ambivalent auf den Punkt bringt.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 3.7., 20 Uhr
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