Aktuell in den Filmclubs (25.8. – 31.8. 2023)
Liebesfilme bestimmen diese Woche das Programm des Filmforums Bregenz: Dieter Berner zeichnet in "Alma und Oskar" die leidenschaftliche Affäre von Alma Mahler und Oskar Kokoschka nach, Claire Denis erzählt in "Mit Liebe und Entschlossenheit" meisterhaft von der Brüchigkeit des Liebesglücks.
Alma und Oskar: Nach dem Tod Gustav Mahlers beginnt seine Witwe Alma (Emily Cox) eine leidenschaftliche Affäre mit dem Maler Oskar Kokoschka (Valentin Postlmayr), der sich um Konventionen nicht schert und mit seinen Bildern und Theaterstücken immer wieder aneckt. Für Spannungen und Konflikte sorgt dabei aber immer wieder, dass einerseits Alma auf ihre Unabhängigkeit pocht und auch mit anderen Männern flirtet oder – wie mit dem Architekten Walter Gropius – eine Beziehung unterhält, während sich andererseits Oskar als eifersüchtig und besitzergreifend erweist.
Intensiv und mit Leidenschaft spielen Emily Cox und Valentin Postlmayr die Titelfiguren. Sie lassen die unbändige Kraft dieser obsessiven Leidenschaft trotz gegensätzlicher Charaktere spüren. Aktuell ist Dieter Berners Film zudem in der Schilderung einer unabhängigen Frau und im Blick auf die von Männern dominierte Gesellschaft, die Frauen künstlerisch nichts zutrauen.
Solide ist das auch inszeniert, doch künstlerische Inspiration, Verve und Regieeinfälle sucht man vergebens. Brav bebildert Berner die Geschichte, reiht episodenhaft Szene an Szene, verdichtet aber keinen Moment. Nur sehr begrenzt wird Einblick ins künstlerische Schaffen geboten, wenn Alma in einer kreativen Krise bei ihren Kompositionen steckt, und auch kein atmosphärisch dichtes Zeitbild wird entworfen. Die Welt um den Ersten Weltkrieg wirkt kulissenhaft und ist einzig Hintergrund für die Auslotung einer Amour fou, die ohne Hoffnung auf dauerhaftes Glück ist.
Auch aus dem Gegensatz zwischen dem impulsiven Kokoschka und dem nüchternen Walter Gropius macht Berner wenig. Die Pole zwischen purer Leidenschaft und beschaulicher Sicherheit, zwischen denen sich Alma nicht entscheiden kann oder will, werden zwar angeschnitten, aber mehr zum oberflächlichen Schnelldurchlauf als zur differenzierten Ausgestaltung einzelner Szenen tendiert Berners Film.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 30.8., 20 Uhr
Mit Liebe und Entschlossenheit: Pures Glück beschwören die ersten Bilder mit einem Urlaub von Sara (Juliette Binoche) und Jean (Vincent Lindon) am Meer. Die Kamera von Éric Gautier fängt das Glitzern des Wassers ebenso ein wie in Großaufnahmen die Vertrautheit des Paares. Man spürt in den Blicken und Berührungen die innige Liebe von Jean und Sara.
Als Sara nach der Rückkehr nach Paris aber zufällig ihrem früheren Geliebten Francois (Grégoire Colin) begegnet, zeigt sich rasch die Brüchigkeit dieses Glücks. Denn während Sara zunehmend zwischen Jean und Francois zerrissen ist, wächst bei Jean die Verunsicherung, die schließlich in heftige Eifersucht mündet.
Konzentriert und dicht erzählt Claire Denis, mischt in das Liebesdrama zunehmend Thriller-Elemente und bietet vor allem Juliette Binoche und Vincent Lindon große Rollen. Intensiv lässt Binoche die aufflackernde Leidenschaft für den Ex-Geliebten spüren, während Lindon bewegend die Verunsicherung des nach einer Haftstrafe immer noch etwas neben der Spur stehenden Jean vermittelt. Doch auch dunkle Seiten treten bei Jean zunehmend zu Tage, wenn sich Sara über seine Kontrollsucht beklagt und er zunehmend verbal aggressiv agiert.
Von der Feier einer glücklichen Beziehung führt der Film so zu den quälenden und zerstörerischen Faktoren der Liebe und bleibt dabei immer aufregend ambivalent. Denn mag da Jean auch Sara bald heftig beschimpfen, so bemüht er sich doch kurz darauf wieder um Versöhnung.
Andererseits kann sich auch Sara bis zum Ende nicht zwischen den beiden Männern entscheiden, denn trotz der Leidenschaft für Francois erkennt sie auch, dass diese Beziehung mit dem fordernden und intriganten Mann keine Zukunft haben wird, der ruhige und solide Jean dagegen Sicherheit bieten würde.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do 31.8., 20 Uhr
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