Aktuell in den Filmclubs (24.2. - 2.3.2023)
Das Kinotheater Madlen zeigt diese Woche die mit sechs Césars ausgezeichnete schwarze Komödie „Adieu les cons! – Was dein Herz dir sagt". Beim TaSKino Feldkirch steht dagegen mit „EO", in dem der polnische Altmeister Jerzy Skolimowski aus der Perspektive eines Esels erzählt, einer der eigenwilligsten Filme des letzten Jahres auf dem Programm.
EO: 1966 schilderte der Franzose Robert Bresson in „Au hasard Balthazar" in der für diesen Regisseur typischen asketischen Bildsprache die Leidensgeschichte eines Esels im ländlichen Frankreich. Tief beeindruckt war der Pole Jerzy Skolimowski von diesem Film, der der einzige gewesen sei, bei dem er je geweint habe.
56 Jahre später legt Skolimowski eine Neuinterpretation von Bressons Meisterwerk vor. Dass dieser Altmeister sich dabei filmsprachlich nicht am Vorbild orientieren wird, machen schon die ersten, ganz in Rot getauchten Bilder klar.
Durch die Nähe der Kamera ist zunächst unklar, was hier eigentlich passiert, bis sich herauskristallisiert, dass es sich um eine Zirkusszene handelt, bei der die Artistin Kassandra (Sandra Drzymalska) mit dem Esel ein Kunststück vorführt. Die in Rot getauchten Momente, die es auch später immer wieder im Film gibt, entpuppen sich rasch als Träume oder Gedanken des Esels. So liebevoll dieser EO, dessen Name auf den Eselruf "Iah" verweist, aber von Kassandra behandelt wird, so bittere Erfahrungen wird er in den folgenden gut 80 Minuten machen.
Eine stringente Handlung stellt sich kaum ein, vielmehr ist EO ein Bindeglied der einzelnen Szenen, in denen bruchstückhaft auch ein Bild des heutigen Europas, der Gewalt gegenüber Tier und Natur, aber auch der Gleichgültigkeit und gesellschaftlicher Missstände gezeichnet wird.
So beeindruckend freilich einzelne Szenen und Bilder auch sind, so sehr widersetzt sich der Film als Ganzes in seiner fragmentarischen Erzählweise und in der konsequenten Perspektive des Esels auch einem bruchlosen Sehgenuss. – Bewundern muss man aber auf jeden Fall den Wagemut des 84-jährigen Altmeisters, dessen in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichneter Film weit kühner, eigenwilliger und experimenteller als die meisten Filme seiner jüngeren Kolleg:innen ist.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Do 23.2. bis Mo 27.2.
Adieu les cons! – Was dein Herz dir sagt: Albert Dupontels schwarze Komödie „Was dein Herz dir sagt" war 2021 mit sechs Césars der große Sieger bei der Verleihung der französischen Filmpreise und entwickelte sich trotz Corona zum Publikumserfolg. Tempo- und wendungsreich erzählt Dupontel von einer todkranken Friseurin (Virginie Efira), die ihren inzwischen erwachsenen Sohn ausfindig machen will, den sie als Teenager auf Drängen ihrer Eltern zur Adoption freigeben musste. Unterstützung erhält sie dabei nicht nur von einem ausgebrannten IT-Experten (Albert Dupontel), der von der Polizei wegen eines vermeintlichen Amoklaufs gesucht wird, sondern auch von einem blinden Archivar (Nicolas Marié).
Ein Drama oder eine Tragödie könnte das aufgrund seiner Themen sein, doch Dupontel, der seinen achten Spielfilm dem 2020 verstorbenen Monty Python-Mitglied Terry Jones gewidmet hat, setzt von Anfang an mit kräftigen Farben und warmem Licht auf Lebensfreude und leichte Töne. Ganz in Rot und Goldgelb leuchtet sein Film, erst als es gegen Ende auch explizit um Einsamkeit geht, wird eine Wohnung in kaltes Blau getaucht.
Großartig plädiert Dupontel mit seiner unbeschwerten, tempo- und wendungsreichen Erzählweise für ein befreites Leben. Pointiert werden nicht nur die Gefahren von Computerarbeit und omnipräsenter Technologie aufgezeigt, sondern genüsslich werden auch Experten wie ein Arzt und ein Psychologe durch den Kakao gezogen.
Getragen aber wird diese ebenso unterhaltsame wie intelligente schwarze Komödie von seinen drei Hauptdarsteller:innen, die blendend harmonieren und deren Vergnügen am Spiel in jeder Szene spürbar ist.
Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mo 27.2., 20.15 Uhr
LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 3.5., 19 Uhr
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