Tanz ist Festival (Foto: Stefan Hauer)
Walter Gasperi · 22. Okt 2026 · Film

Aktuell in den Filmclubs (23.10. – 29.10.2026)

Der Spielboden Dornbirn zeigt nochmals mit anschließender Diskussion den Dokumentarfilm „Requiem in Weiß – Das würdelose Sterben unserer Gletscher“, der auch eindrücklich die Folgen von Gletscherskigebieten aufdeckt. Im Skino Schaan steht dagegen in der Reihe „The Ones We Love“ Sergio Leones zeitloses Meisterwerk „Spiel mir das Lied vom Tod“ auf dem Programm.

Requiem in Weiß – Das würdelose Sterben unserer Gletscher: Am Rand der Pasterze wird in einem Eissarg feierlich der größte österreichische Gletscher zu Grabe getragen. Ausgehend von dieser künstlerischen Inszenierung spürt Harry Putz dem Rückgang der Eiswelt in den Alpen ebenso wie den Folgen der Gletscherskigebiete nach. Putz selbst fungiert als Erzähler. Er interviewt einen Glaziologen und einen Klimatologen ebenso wie einen Permafrostexperten, einen Aktivisten, einen Bergführer und Mitarbeiter der Tiroler Bergbahnunternehmen. Von den Tiroler Gletscherskigebieten reist er zum Umweltforschungsinstitut auf der Zugspitze, in dem er sich über den Rückgang des Permafrosts informieren lässt, blickt aber auch auf den Rückgang des im Wallis liegenden Aletschgletschers, der mit 22 Kilometer Länge der längste Gletscher der Alpen ist. 
Die verheerenden Umweltschäden durch die massiven Erdbewegungen beim Bau von Gletscherskigebieten werden ebenso aufgedeckt wie die Auswirkungen der Abdeckung der Gletscher durch Kunststoffvliese, durch die Mikro- und Makroplastik in die Flüsse gelangt. Mit eingeschnittenen alten Home-Movies und Familienfotos vermittelt Putz aber auch seine eigene Entwicklung vom begeisterten Skifahrer und Snowboarder zum Filmemacher, der die Entwicklungen im Skitourismus kritisch hinterfragt. 
In nur 60 Minuten werden so vielfältige Aspekte angesprochen und eindrücklich vermitteln immer wieder großartige Totalen der Bergwelt nicht nur das unaufhaltsame Schrumpfen der Gletscher, sondern mehr noch die Folgen eines scheinbar nicht zu bremsenden Skitourismus, der immer noch eine Erweiterung der Gletscherskigebiete anstrebt.
Spielboden Dornbirn: Do 29.10., 19.30 Uhr (mehrsprachige OmU.) – anschließend Filmgespräch mit Erich Zucalli (Alpenschutzverein) und Herbert Kaufmann (Vorstand Dornbirner Seilbahn AG) (Moderation: Juliane Alton, Dornbirner Grüne – die offene Bürger:innenliste)

Spiel mir das Lied vom Tod: „C’era una volta il west“ heißt Sergio Leones legendärer, 1967 entstandener Italo-Western im Original: „Es war einmal der Westen“ – das Mythische, das Märchenhafte wird hier schon im Titel evoziert und wie in keinem anderen Italo-Western spielt Leone in diesem Film mit den Mythologemen des Genres: das Monument Valley und die rotbraune Landschaft des Südwestens der USA bilden den geographischen, der Eisenbahnbau den historischen Background. Klassisch ist auch das Personenarsenal mit der kapitalstarken Eisenbahngesellschaft, einem Farmer, der sich ihr widersetzt und sich gleichzeitig eine Frau aus einer Großstadt – in diesem Fall aus New Orleans – kommen lässt, einem Killer, der in Diensten der Gesellschaft steht, und einem undurchsichtigen Mundharmonikaspieler, der eine private Rechnung begleichen will.
Als kleine Geschichte wäre dies im klassischen Western erzählt worden, doch durch Ennio Morricones Musik und Tonino Delli Collis expressive Kameraarbeit macht Sergio Leone daraus eine große Oper. Statt funktional zu erzählen, werden kleinste Szenen wie das den Film eröffnende Spiel eines Gangsters mit einer Fliege gedehnt. Durch Retardierungen wird so Spannung aufgebaut, die sich erst nach einem schier endlos langen Vorspiel in einer Explosion der Gewalt entlädt. Ganz anders als beim klassischen Western ist auch die Intention des Italo-Western: Hier wird nicht von der glorreichen Eroberung des Westens und auch nicht wie im amerikanischen Spätwestern der 1960er Jahre von der Zerstörung des Westens erzählt – der Italo-Western erzählt vom zerstörten Westen.
Es gibt keine Utopie und kein Idyll in „Spiel mir das Lied vom Tod“, es gibt keine Guten und keine Bösen, sondern bestenfalls weniger Böse und ganz Böse. Der Italo-Western erzählt nämlich überhöht durch eine grandiose barocke Inszenierung nie von der Vergangenheit, sondern immer von der Gegenwart, von der Welt des Kapitalismus, von einer Welt, in der nicht der Einzelne, sondern die großen Gesellschaften das Sagen haben und den Lauf der Geschichte bestimmen.
Skino Schaan: Do 29.10., 20.15 Uhr (engl. OmU.)

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