Aktuell in den Filmclubs (21.8. – 27.8.2026)
Im Heerbrugger Kinotheater Madlen wird diese Woche das Sozialdrama „La maison des femmes“ gezeigt, das einen packenden, quasidokumentarischen Einblick in den Alltag in einem Pariser Frauenhaus bietet. Beim TaSKino Feldkirch deckt dagegen der deutsche Spielfilm „Babystar“ die Abgründe hinter der scheinbar so perfekten Welt einer Influencer-Familie auf.
La maison des femmes: Ein Vorspanninsert informiert, dass Mélisa Godet sich vom realen Frauenhaus im Pariser Vorort Saint-Denis zu ihrem Spielfilm inspirieren ließ. Dieses wurde 2016 von der libanesischen Ärztin Ghada Hatem-Gantzer initiiert. Quasidokumentarisch ist „La maison des femmes“ so auch im ungeschönten Blick auf die Problem- und Arbeitsfelder, die im dynamischen Auftakt dicht aufeinanderprallen. Während Frauen in einem Gesprächskreis über erfahrene Gewalt und Vergewaltigung berichten, kümmert sich das Personal in der Aufnahme um die zahlreichen Hilfe- und Schutzsuchenden. Eine Gynäkologin (Karin Viard) wiederum betreut Frauen mit Genitalverstümmelung, denen sie eine Operation zur Rekonstruktion anbietet, und in einem Karatekurs soll das Selbstvertrauen der traumatisierten Frauen gestärkt werden. Für äußeren Druck sorgen zwei Beamt:innen vom Sozialamt, die die Einrichtung auf ihre Effektivität und weitere Förderungswürdigkeit prüfen.
In schnellem Rhythmus wechselt Godet zwischen den Arbeitsfeldern ebenso wie zwischen ärztlichem Personal und Opfern. Dicht werden so die fast permanente Anspannung und der Druck vermittelt, unter dem das Team steht. Zeit lässt sich der Film aber auch für die Opfer, die immer wieder in langen Großaufnahmen bewegend von ihrem Schicksal erzählen können. Trotz bedrückender Themen wird „La maison des femmes“ aber nie niederschmetternd, sondern reißt mit dem leidenschaftlichen Einsatz des Teams und der dynamischen Erzählweise mit. Godet beschönigt aber auch nichts, sondern lässt in überlegtem Wechsel immer wieder niederschmetternde und positive Momente aufeinandertreffen. Leidenschaftlich feiert dieses Sozialdrama dabei nicht nur das Engagement und die Fürsorge des Personals des Frauenhauses, sondern macht auch eindringlich dessen Wichtigkeit und Notwendigkeit bewusst. Zu verdanken ist dieser starke Eindruck neben der zupackenden Inszenierung auch dem mit Verve spielenden Ensemble.
Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mo 24.8., 20.15 Uhr – franz. OmU.
Babystar: Unscharfe schwarzweiße Bilder von Überwachungskameras der Räume des modernen Hauses der Familie Sommer stehen am Beginn von Joscha Bongards Diplomfilm für die Filmakademie Baden-Württemberg. Der 32-jährige Wolfsburger wird aber auch im Folgenden mit dieser Perspektive spielen, wenn die Kamera von Jakob Sinsel immer wieder aus erhöhter Perspektive, quasi von der Decke herab, den ganzen Raum erfasst. Ein Unbehagen erzeugt dieser heimlich beobachtende Blick, passt aber perfekt zum Thema von „Babystar“. Seit dem ersten Ultraschallbild ihrer Tochter Luca (Maja Bons) haben Stella (Bea Brocks) und Chris Sommer (Liliom Lewald) im Family-Channel our_bright_life das Leben der Familie auf den Social-Media nämlich öffentlich gemacht.
Mit einem kühlen Blick, der an die Filme von Ruben Östlund und Yorgos Lanthimos erinnert, seziert Bongard in langen Einstellungen der sterilen und weitgehend leeren Räume des Hauses diese Influencer-Welt. In einem Mix aus Satire und Drama, bei dem die anschwellende unheilvolle Musik von Jonas Vogler auch mehrfach Thrillerstimmung evoziert, werden unterschiedliche Auswirkungen des Lebens in der Social-Media-Welt von Vereinsamung über Abhängigkeit und fehlende Entwicklung einer eigenen Identität bis zu Machtspielen, die die mediale Berühmtheit ermöglicht, aufgedeckt.
Gleichzeitig hält die zwar sehr überlegte und stilsichere, aber auch unterkühlte Inszenierung die Zuschauer:innen auf Distanz. Wirklich nahe kommt man dieser Familie nie, sondern man bleibt – wie die Follower der Sommers – in der Beobachterposition. Wirklich zu berühren vermag so die Situation Lucas nicht und kaum Emotionen kommen auf. Dazu kommt der Verzicht auf dramatische Zuspitzungen und Verdichtungen, der einen echten Spannungsaufbau verhindert, sodass speziell gegen Ende Längen nicht ausbleiben.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Do 27.8. bis Mo 31.8. – deutsche Originalfassung
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