Die Schubertiade Schwarzenberg hat dem Bregenzerwald enorm viel touristisches Entwicklungspotenzial geboten. (Foto: Dominic Kummer / Bregenzerwald Tourismus)
Walter Gasperi · 19. Feb 2026 · Film

Aktuell in den Filmclubs (20.2. – 26.2.2026)

Die Programmkinoschiene Kinothek extra der Kinothek Lustenau zeigt diese Woche unter anderem das bewegende deutsche Drama „Karla“, in dem eine Zwölfjährige ihren Vater wegen sexuellen Missbrauchs anzeigt. Im Alten Kino Rankweil bietet dagegen der österreichische Spielfilm „Happy“ Einblick in die Perspektive eines indischen Geflüchteten, dem die Abschiebung droht.

Karla: Im Deutschland des Jahres 1962 zeigt die zwölfjährige Karla (Elise Krieps) ihren Vater wegen sexuellen Missbrauchs an. Wenig Interesse zeigt der wortkarge Richter (Rainer Bock) zunächst am Fall des Mädchens, das in einem katholischen Mädchenheim untergebracht wird. Doch mit ihrer Hartnäckigkeit bewegt Karla den vor der Pensionierung stehenden Mann. Intensiv, aber feinfühlig befragt er sie über die väterlichen Übergriffe, über die sie nicht sprechen, sondern nur mit Übelkeit und Erbrechen reagieren kann. In einer Stimmgabel finden sie ein Mittel, mit dem sie auf das für sie Unaussprechliche jeweils hinweisen kann.
Ganz aus der Perspektive der von Elise Krieps intensiv gespielten Protagonistin erzählt Christina Tournatzés in ihrem Langfilmdebüt. Aufwühlend macht die Tochter der Schauspielerin Vicky Krieps die schweren Nachwirkungen des Missbrauchs, aber auch den Mut und das Selbstbewusstsein dieses Mädchens erfahrbar. Zurückhaltend bleibt die Inszenierung, wenn die Übergriffe nur in verschwommenen Bildfetzen angedeutet werden. Aber gerade der Verzicht auf Ausformulierung der Taten macht sie auch für die Zuschauer:innen quälend, während Bilder vom Untertauchen im Wasser oder eines leuchtend roten Mohnfelds zu einprägsamen Metaphern für Ohnmacht und Beklemmung auf der einen und imaginierte Flucht aus der Gewalt in eine heile Welt auf der anderen Seite werden. Die Reduktion, zu der auch der Verzicht auf Filmmusik gehört, erweist sich dabei als eine der großen Stärken des Films, sorgen diese Beschränkungen doch für große Konzentriertheit und Schnörkellosigkeit. Aber auch die filmsprachliche Präzision und Prägnanz der Inszenierung sorgen dafür, dass die Spannung in den Gesprächen zwischen dem Richter und Karla nie nachlässt. 
Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mo 23.2., 18 Uhr + Mi 4.3., 20 Uhr (deutsche Originalfassung)

Happy: Der in Indien geborene und seit über 20 Jahren in Österreich lebende Sandeep Kumar beginnt seinen Film mit einer mehrminütigen Einstellung: In langer Nahaufnahme erfasst die Kamera Happy Singh (Sahidur Rahaman), dem von einem Beamten mitgeteilt wird, dass sein Antrag auf Asyl, obwohl er schon rund zehn Jahre in Europa lebt, abgelehnt wurde und er nun abgeschoben werden soll. Unsichtbar bleibt lange der Beamte, bis schließlich die Kamera langsam zurückfährt und sich der Blick auf den Fragenden und seinen Computer weitet.
Intensiv und stilistisch einprägsam ist dieser Auftakt, doch danach wird Kumar zwar bewegend, aber auch sehr geradlinig und bieder die Geschichte von Happy erzählen. Geradezu klassisch buchstabiert er seine Situation, dessen Name in scharfer Opposition zu seinem Alltag steht, durch.
Triebfeder in Happys Handeln ist seine neunjährige Tochter Maya. Aufgrund der österreichischen Mutter, die aber verstorben ist, braucht das Mädchen im Gegensatz zu Happy keine Aufenthaltsgenehmigung. Auf keinen Fall möchte Happy von dem Mädchen getrennt werden, das in einem Heim lebt und das er regelmäßig besucht. Er selbst lebt dagegen in einer Männer-WG mit Geflüchteten, arbeitet zunächst als Zeitungsverkäufer, erwirbt dann ein Moped, um als Essenslieferant mehr zu verdienen, um Mayas Wünsche erfüllen zu können.
Anschaulich zeigt Kumar, wie das reiche Umfeld das Mädchen indirekt unter Druck setzt und es sich für seinen Vater schämt. Vor allem aber ermöglicht das sorgfältig inszenierte und stark gespielte Sozialdrama einen Perspektivenwechsel. Aus Sicht des Geflüchteten lässt Kumar auf die österreichische Gesellschaft blicken, vermittelt eindringlich nicht nur die Unmenschlichkeit behördlicher Beschlüsse, sondern auch den unwürdigen Umgang der Einheimischen mit den ums Überleben kämpfenden Essenslieferanten, wenn diese wegen jeder Kleinigkeit kritisiert und schikaniert werden.
Altes Kino, Rankweil: Mo 23.2., 20 Uhr (deutsche Originalfassung)

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