Aktuell in den Filmclubs (19.7. – 25.7. 2024)
Beim Filmforum Bregenz bietet diese Woche Todd Haynes Julianne Moore und Natalie Portman mit „May December“ eine Plattform, um ihre Schauspielkünste zu zeigen. Im Gutshof Heidensand in Lustenau steht dagegen mit dem in den 1960er Jahren spielenden “Call Jane“ ein konventionelles, aber dennoch packendes Drama um den Kampf gegen das Abtreibungsverbot auf dem Programm.
Call Jane: Phyllis Nagy erzählt von einer Anwaltsgattin (Elizabeth Banks), die sich in den USA der späten 1960er Jahren zur engagierten Unterstützerin einer Frauengruppe wandelt, die illegale Abtreibungen durchführt.
In der Fokussierung auf der Protagonistin und der Geradlinigkeit, mit der deren Entwicklung durchdekliniert wird, vereinfacht Nagy die komplexe Thematik zweifellos sehr, dennoch packt der Film dank des starken Spiels nicht nur von Elisabeth Banks und Sigourney Weaver, die die Leiterin der Frauengruppe spielt, sondern auch aufgrund der treffend besetzten Nebenrollen und einer sorgfältigen Ausstattung, die dicht die Stimmung der Zeit beschwört.
Plastisch führt „Call Jane“ dabei auch die Folgen einer Kriminalisierung der Abtreibung vor Augen und zeigt, dass davon vor allem die Schwachen der Gesellschaft von schwangeren Teenagern über vergewaltigte Frauen bis zu kinderreichen, aber finanzschwachen Müttern betroffen sind. Doch nicht nur das Abtreibungsverbot wird kritisiert, sondern auch traditionelle Geschlechterrollen und die Macht der Männer, wenn Joys Ehemann stets erwartet, dass seine Frau ihn bekocht, oder der Abtreibungsarzt die Situation der Schwangeren skrupellos ausnützt, um sich zu bereichern.
Doch Nagy zeigt auch, wie sich die Frauen aus diesen Abhängigkeiten befreien können, denn “Call Jane“ soll auch ein Mutmacher sein und weist nach der Aufhebung des Abtreibungsverbots 1973 auf weitere anstehende Kämpfe für Gleichberechtigung und Lohngleichheit hin.
Gutshof Heidensand, Lustenau: Di 23.7., 20 Uhr
May December: Todd Haynes lässt die Schauspielerin Elizabeth (Natalie Portman) als Vorbereitung für die Rolle in einem Biopic die 55-Jährige Gracie (Julianne Moore) besuchen, die vor knapp 20 Jahren für einen Skandal sorgte, weil sie als damals 36-Jährige mit einem 13-jährigen Schüler eine Affäre hatte. Doch die Beziehung hat gehalten und Gracie lebt nun mit Joe und ihren drei fast erwachsenen Kindern in einem gepflegten Vorstadthaus in Savannah, Georgia.
Klassischer Soap-Opera-Stoff ist das im Grunde, doch Haynes spielt durch Übersteigerung einzelner Szenen und die immer wieder völlig überzogen aufbrausende Musik von Marcelo Zavros ironisch damit. So dienen die Soap-Elemente in erster Linie als Oberfläche, denn ganz im Gegenteil zu diesen Serien verzichtet Haynes auf alle Gewissheiten und überlässt dem Publikum die Beurteilung der Figuren. Geschickt setzt er dabei immer wieder Zeichen, durch die das Bild komplexer und ambivalenter wird.
Ein großes Vergnügen ist es Natalie Portman und Julianne Moore zuzuschauen, wie facettenreich und im Kern nie ganz greifbar sie diese beiden Frauen spielen und immer wieder neue Schichten dieser Charaktere zutage fördern. Mit dieser schillernden Offenheit sorgt Haynes freilich dafür, dass dieses Psychodrama, das schon mit Ingmar Bergmans „Persona“ verglichen wurde, mit Filmende kaum ad acta gelegt werden kann, sondern in den Köpfen der Zuschauer:innen weiterarbeitet.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 24.7., 20 Uhr
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