Die Schubertiade Schwarzenberg hat dem Bregenzerwald enorm viel touristisches Entwicklungspotenzial geboten. (Foto: Dominic Kummer / Bregenzerwald Tourismus)
Walter Gasperi · 14. Aug 2025 · Film

Aktuell in den Filmclubs (15.8. – 21.8.2025)

Beim Filmfest Liechtenstein in Schaan steht diese Woche unter anderem die lebensbejahende und weitgehend horrorfreie Stephen King-Verfilmung „The Life of Chuck“ auf dem Programm. Beim Open-Air auf dem Rankweiler Marktplatz wird dagegen mit „Die Fotografin“ ein Biopic über die Kriegsfotografin Lee Miller gezeigt, in dem Kate Winslet in der Hauptrolle brilliert.

The Life of Chuck: Mike Flanagan erzählt in seiner Verfilmung von Stephen Kings Kurzgeschichte „Chucks Leben“ nicht chronologisch, sondern vielmehr rückwärts und nähert sich in drei Akten langsam von außen seinem Protagonisten. Fast nur auf Plakaten, die überall in der amerikanischen Kleinstadt hängen, oder in TV-Spots ist Chuck im ersten Akt präsent. Gedankt wird ihm darauf für 39 großartige Jahre, doch niemand scheint diesen unscheinbaren Buchhalter zu kennen. Im Mittelpunkt steht vielmehr der afroamerikanische Lehrer Marty (Chiwetel Ejiofor), der angesichts globaler Katastrophen von Erdbeben, Überschwemmungen und Vulkanausbrüchen bis zum Ausfall des Internets und dem Zusammenbruch jeder Infrastruktur den Kontakt zu seiner in einem Krankenhaus als Pflegerin arbeitenden Ex-Frau (Karen Gillan) sucht.
Doch trotz dieses bedrückenden Szenarios bleibt „The Life of Chuck“ immer leicht und feiert mit sanfter Melancholie das Leben. Von aller Erdenschwere und Biederkeit befreit sich so der Protagonist (Tom Hiddleston) im zweiten Akt, wenn er zur Musik einer Straßenmusikerin zu tanzen beginnt. Der Gelöstheit dieses Moments stehen wiederum die bitteren Verluste, die Chuck im dritten Akt in seiner Kindheit erfährt gegenüber, gleichzeitig ist es aber auch hier wieder der Tanz und eine erwachende Liebe, die die traurigen Momente überstrahlen.
Weder Chucks Liebes- noch seine Krankengeschichte werden dabei breit auserzählt, sondern der Fokus liegt ganz auf dem Glück des Augenblicks, das Tänze mit der Großmutter in der Küche oder in einem Kurs in der Schule bereiten, und ein allwissender Erzähler vermittelt mit seiner ruhigen Stimme in diesem erzählerisch ungewöhnlichen und bewegenden Film trotz aller Stürme des Lebens ein Gefühl der Geborgenheit und der Sicherheit.
Filmfest Liechtenstein, Skino Schaan: Fr 15.8., 18.15 Uhr

Die Fotografin: Die Amerikanerin Lee Miller (1907–1977) zählt zu den bedeutendsten Kriegsfotograf:innen. Ikonisch ist das Bild, für das sie sich von ihrem Kollegen David E. Sherman in Hitlers Badewanne in dessen Münchner Wohnung fotografieren ließ, und mit ihren Fotos aus den befreiten Vernichtungslagern hat sie das Bild vom Schrecken der NS-Herrschaft mitgeprägt.
Ellen Kuras rollt in ihrem Biopic ausgehend von einem Interview, das Miller kurz vor ihrem Tod 1977 einem jungen Journalisten gibt, in Rückblenden ihre Kriegserfahrungen auf. Vom Kampf um Saint Malo, bei dem man durch die zupackende und hautnahe Inszenierung unmittelbar ins Geschehen versetzt wird, über die Befreiung von Paris bis zur Fahrt mit dem Life-Fotografen David E. Sherman (Andy Samberg) ins befreite Deutschland, wo das Foto in Hitlers Münchner Wohnung ebenso wie die Bilder von Leichenbergen in einem Todeszug der Nationalsozialisten entstehen, spannt sich der Bogen des Films.
Solide ist das inszeniert, aber kein Aspekt wird wirklich verdichtet. Mit Leidenschaft spielt Kate Winslet, doch Regisseurin Ellen Kuras lässt ihre Hauptdarstellerin mehr oder weniger im Stich. Mehr als Arrangeurin, denn als den Film wirklich gestaltende Regisseurin wirkt die erfahrene Kamerafrau, die immerhin schon mit so renommierten Regisseuren wie Spike Lee, Sam Mendes oder Jim Jarmusch zusammenarbeitete.
Gerade angesichts des schillernden und kraftvollen Charakters der realen Lee Miller bleibt Kuras‘ Film viel zu bieder und oberflächlich. Brav werden die Ereignisse bebildert und nachgezeichnet, aber tieferen Einblick in den Charakter der Protagonistin und die Belastung ihrer Arbeit, bei der sie als Kriegsfotografin konsequent dort hinblicken wollte oder musste, wo die meisten lieber wegblicken, gewinnt man kaum. Mag „Die Fotografin“ auch ein Herzensprojekt der Hauptdarstellerin Kate Winslet sein, so hätte Lee Miller doch einen deutlich komplexeren und entschlosseneren Film verdient.
Open Air "Filme unter Sternen, Marktplatz Rankweil: Mi 20.8., 21 Uhr

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