Beim 29. Philosophicum in Lech. (Foto: Lässiger Photography)
Walter Gasperi · 13. Jul 2023 · Film

Aktuell in den Filmclubs (14.7. – 20.7. 2023)

Beim Open Air in Heerbrugg wird diese Woche unter anderem der dialoglose, aber bildmächtige Dokumentarfilm „Die Eiche – Mein Zuhause" gezeigt, während beim Feldkircher Poolbar-Festival Charlotte Wells´ vielfach preisgekröntes Debüt „Aftersun“ auf dem Programm steht.

Die Eiche – Mein Zuhause: Vom Himmel nähert sich die Kamera einer über 200 Jahre alten Stieleiche. Zum einzigen Schauplatz wird in den folgenden 80 Minuten dieser majestätische Baum mit angrenzender Wiese und kleinem See. Im Wechsel der Jahreszeiten fangen Laurent Charbonnier und Michel Seydoux in grandiosen Aufnahmen kommentarlos das vielfältige tierische Leben ein, das sich in diesem engen Biotop abspielt. Sensationell sind nicht nur die Makroaufnahmen von Käfern, sondern auch wie das Regie-Duo aus dem Innern einer Maushöhle filmt oder wie in extremem Zeitraffer mit atemberaubender Geschwindigkeit die Wurzeln des Baumes wachsen oder Pilze aus dem Boden schießen. Ein rhythmischer Wechsel zwischen den zahlreichen Tierarten verhindert Leerlauf, während die Verfolgung kleinerer Tiere durch ihre überlegenen Gegner immer wieder für Spannung sorgt. – Doch keine Angst: Um kleine Zuschauer nicht zu verstören ist in dieser bildgewaltigen Doku das Gesetz vom Fressen-und-gefressen-Werden für einmal außer Kraft gesetzt.
Film am Markt, Heerbrugg (Open Air): So 16.7., 21.30 Uhr

Aftersun: In ihrem vielfach preisgekrönten Regiedebüt erzählt die 35-jährige Schottin Charlotte Wells, von eigenen Erfahrungen inspiriert, von einem Vater (Paul Mescal), der Ende der 1990er Jahre mit seiner elfjährigen Tochter (Frankie Corio) eine Urlaubswoche in einem Ferienclub an der türkischen Riviera verbringt. Nichts Spektakuläres passiert, doch mit den Blicken der von Frankie Corio großartig gespielten Sophie auf Teenager, die sich am Pool küssen, und ersten eigenen schüchternen Küssen, erzählt „Aftersun“ auch vom Ende der Kindheit und von der anbrechenden Pubertät Sophies. Zunehmend gewinnt man aber auch tiefere Einblicke in die Verfassung ihres Vaters. Wirkt er am Beginn noch fröhlich und glücklich darüber, dass er den Urlaub mit seiner Tochter verbringen kann, wird sukzessive auch eine schockierend dunkle Seite sichtbar.
Das Wunderbare an „Aftersun“ ist, in welch schwebender Erzählweise, die auch durch die zeitgenössischen Songs von „Macarena“ bis „Losing my Religion“ verstärkt wird, Wells erzählt. Ungemein stimmig ist ihr Film in der Beschwörung der Urlaubsatmosphäre und lässt gleichzeitig tief und nachwirkend in die Gefühlswelt der Protagonist:innen eintauchen, bis der Film sich zu Queens und David Bowies „Under Pressure“ und einer fulminanten Montagesequenz zu einer Emotionalität hochschraubt, die einem das Herz zerreißen kann.
Denn um ein schweres Thema geht es letztlich in diesem „Urlaubsfilm“, und doch bleibt die Stimmung zumindest an der Oberfläche immer leicht und sanft. Wells dramatisiert nicht, sondern setzt auf die Kraft einer poetischen Bildsprache und schafft einen wunderbar fluiden Schwebezustand zwischen Glück und Trauer, zwischen gegenwärtigem Erleben und flüchtiger Erinnerung, zwischen Unbeschwertheit und der Last, die das Leben darstellen kann.
Poolbar Festival, Altes Hallenbad in Feldkirch: Do 20.7., 21 Uhr

 

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