Aktuell in den Filmclubs (13.12. – 19.12.2024)
Zwei unterschiedliche Arten von Reisefilmen zeigen die Filmclubs diese Woche: Während am Spielboden Dornbirn Gabi Röhrl im Dokumentarfilm "Nur die Füße tun mir leid" die Erfahrungen am Jakobsweg hautnah nacherleben lässt, begleitet beim FKC Dornbirn Laurens Pérol in seinem Roadmovie "Üben, Üben, Üben – Å Øve" eine junge Trompeterin, die aus Klimaschutzgründen eine Flugreise verweigert und die Beschwerlichkeiten des Trampens auf sich nimmt.
Nur die Füße tun mir leid: Der Jakobsweg ist „in“. Nicht nur über 400.000 Menschen ziehen auf den diversen Routen inzwischen jährlich zur nordspanischen Pilgerstadt Santiago de Compostela, sondern auch filmisch ist dieser Weg bestens aufgearbeitet. Zu bekannten Werken wie der französischen Komödie „Pilgern auf Französisch“, der Hape Kerkeling-Verfilmung „Ich bin dann mal weg“ oder dem US-Spielfilm „Dein Weg“ kommt inzwischen eine schon fast unüberschaubare Zahl an Dokumentarfilmen. Kann man diesem Stoff wirklich noch neue Seiten abgewinnen? – Die Bayerin Gabi Röhrl, die filmische Autodidaktin ist, legt mit ihrem Dokumentarfilm einen klassischen Reisefilm vor. Im Gegensatz speziell zu den Spielfilmen verzichtet sie auf jedes Drama und rückt nicht die Menschen in den Mittelpunkt, sondern den Weg an sich.
Ohne großes Filmteam machte sie sich 2017 und 2018 allein mit ihrer Digitalkamera auf die 900 Kilometer lange Wanderung vom französischen Grenzort Saint-Jean-Pied-de-Port bis zum berühmten Pilgerort und weiter bis Kap Finisterre an der spanischen Atlantikküste. In gelungenem Rhythmus wechselt sie zwischen Bildern der sich verändernden Landschaft mit Mohnfeldern, Disteln und Hyazinthen, kulinarischen Köstlichkeiten, die unterwegs angeboten werden, und kulturgeschichtlichen Informationen. Kurze Statements von anderen Pilger:innen geben Einblick in deren Motivation und die Wirkung des Weges, während der Off-Kommentar der Regisseurin durch den Film führt. Beschwerlichkeiten wie Wegstrecken entlang einer vielbefahrenen Straße oder monotone Abschnitte spart Röhrl dabei ebenso wenig aus wie die Belastungen, die die tägliche Wanderung von 20 bis 30 Kilometern für die Füße darstellt. Blicke in die Kirchen oder die Herbergen fehlen dagegen aus rechtlichen Gründen weitgehend.
Durch die unmittelbare Dokumentation der Erfahrungen und den unverstellten Blick entwickelt sich der auch mit starken Bildern und einer markanten Musik beeindruckende Film zu einer Erfahrung, die bei Jakobspilgern Erinnerungen an ihre eigenen Erlebnisse wecken werden und andere zu dieser mehrwöchigen Wanderung oder Pilgerreise anregen können.
Spielboden Dornbirn: Fr 13.12., 19.30 Uhr
Üben, Üben, Üben – Å Øve: Nicht nur das Spiel auf der Trompete verlangt von der 18-jährigen Trine (Kornelia Melsæter) vollen Einsatz und Beharrlichkeit, sondern auch der Kampf für den Klimaschutz fordert sie. Da sie sich nämlich weigert in ein Flugzeug zu steigen und eine Bahnfahrt doppelt so viel wie ein Flug kosten würde, beschließt sie von ihrem Dorf auf den nordnorwegischen Lofoten in die 1.500 Kilometer entfernte Hauptstadt Oslo zu trampen. Dort ist sie zu einem Vorspiel im Opernhaus eingeladen.
Der in Stuttgart geborene Laurens Pérol legt mit seinem Langfilmdebüt ein klassisches Roadmovie vor. Er spannt den Bogen vom Beginn der Reise bis zur Ankunft in Oslo, verzichtet auf Nebengeschichten und fokussiert ganz auf den Begegnungen und Erfahrungen seiner Protagonistin. Ausgiebig fängt Kameramann Henrik Lande Andersen dabei auch die zwar raue, aber auch schöne norwegische Landschaft ein, während Kornelia Melsæter Trines Klimaengagement ebenso überzeugend vermittelt wie den Frust über die vielen Beschwerlichkeiten dieser Reise. Denn einerseits steht sie immer wieder in ihrer leuchtend gelben Jacke bei Regen oder Schneefall an der nur wenig befahrenen Straße, andererseits sind auch passende Plätze zum Üben nur schwer zu finden. So probt sie einmal im Fitnessraum eines älteren Herrn, der ihr Unterkunft gewährt, später in einem Stall zwischen Kühen oder auch auf einem verschneiten Feld.
Ob sie beim Vorspiel aufgenommen wird, ist schließlich gar nicht mehr so wichtig. Zentraler scheint, dass sie ihren Prinzipien und sich selbst treu geblieben ist und die Unannehmlichkeiten und Herausforderungen, die die ungewöhnliche Reise an sie gestellt hat, gemeistert hat
Filmkulturclub Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 18.12., 18 Uhr + Do 19.12., 19.30 Uhr
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