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Walter Gasperi · 11. Jul 2024 · Film

Aktuell in den Filmclubs (12.7. – 18.7. 2024)

Beim Open-Air am Spielboden Dornbirn brilliert diese Woche Nicolas Cage in Kristoffer Borglis herrlich schräger und sehr unterhaltsamer Satire „Dream Scenario“. Im Gutshof Heidensand in Lustenau – und im August beim Open-Air in Rankweil – steht dagegen das Amy Winehouse-Biopic „Back to Black“ auf dem Programm.

Dream Scenario: Vor 25 Jahren erzählte Spike Jonze in „Being John Malkovich“ (1999) von einem Büro, von dem aus man in den Kopf des Schauspielers John Malkovich eindringen konnte. An diesen herrlich surrealen Film erinnert die Prämisse des englischsprachigen Debüts von Kristoffer Borgli („Sick of Myself“). Doch der Norweger dreht die Positionen um: Hier dringt nicht jemand in den Kopf von Nicolas Cage bzw. des von ihm gespielten Biologieprofessors Paul Matthews ein, sondern vielmehr dringt Matthews / Cage, ohne selbst etwas zu tun, in die Träume von ihm völlig Fremden ein.
Mit Ausbreitung des Phänomens wird Matthews, der unter der Nichtbeachtung durch seine Teenager-Töchter und seine Student:innen leidet, berühmt. Bald ist der Hörsaal bei seinen Vorlesungen voll, medial wird von ihm berichtet und er wird zu Talk-Shows eingeladen. Dass er in diesen Träumen selbst nie agiert, sondern bei einem Autounfall, einem Erdbeben oder einem Mord nur teilnahmslos zusieht, passt zu seinem passiven Auftreten im Alltag. Ins Negative kehrt sich aber seine Berühmtheit, als er in den Träumen plötzlich zum Aggressor wird, die Träumenden vergewaltigt oder ermordet: Auf Fantum folgt nun Ausgrenzung.
Ganz auf Nicolas Cage hat Borgli seine sehr unterhaltsame Gesellschaftssatire zugeschnitten. Während der Hollywood-Star in den Alltagsszenen durch Zurückhaltung brilliert, kann er in den Albtraum-Szenen seine Lust am Übertreiben voll ausleben. Mit seiner einfallsreichen Visualisierung der Träume sorgt Borgli dabei ebenso immer wieder für Überraschungen und Witz wie mit dem von ihm selbst geschriebenen, perfekt aufgebauten Drehbuch. Konsequent wird dabei zwar eine klassische Geschichte von Aufstieg und Fall erzählt, aber gleichzeitig wird mit den Träumen eine herrlich surreale Komponente eingebaut.
Aber auch inhaltlich ist „Dream Scenario“ auf der Höhe der Zeit, wenn ebenso treffsicher wie bissig von der Gier nach Ruhm und der Sehnsucht aus der Masse herauszustechen erzählt, bitter die Schattenseiten des Ruhms aufgezeigt und mit schwarzem Humor die Cancel Culture kritisiert wird. 
Spielboden Dornbirn (Open Air): Sa, 13.7., 21.30 Uhr

Back to Black: Sam Taylor-Johnson spannt in ihrem Amy Winehouse-Biopic den Bogen in chronologischer Erzählweise von einer Feier in der jüdischen Familie, in der die etwa 18-Jährige eine Probe ihres Könnens bietet, bis zum Tod der britischen Soulsängerin. Getragen wird das Biopic dabei von einer sensationellen Marisa Abela, die mit Leidenschaft und vollem Einsatz Amy Winehouse spielt.
Abela ist das Ereignis dieses Films, während sich Taylor-Johnson als Regisseurin darauf beschränkt, Stationen des kurzen Lebens zu bebildern, aber nichts vertieft. An der Oberfläche bleibt die Schilderung der intensiven Beziehung zu ihrer Großmutter (Lesley Manville) ebenso wie zu ihrem Vater (Eddie Marsan), der hier liebevoll und fördernd erscheint, während ihn Asif Kapadia in seinem 2015 erschienenen Dokumentarfilm „Amy“ als geldgierig und ausbeuterisch zeichnete. Aber auch das Zerstörerische der Ehe mit Blake Fielder-Civil (Jack O'Connell), der Winehouse an harte Drogen herangeführt haben soll, wird nicht wirklich spürbar.
Eindrücklich gelingt es Taylor-Johnson zwar aufzuzeigen, wie die Liedtexte von persönlichen Erfahrungen gespeist sind, doch erzählerisch hakt sie zu brav die Stationen von ersten Auftritten in den Clubs des Londoner Viertels Camden bis zum Aufstieg zum Weltstar und parallel dazu die schon früh beginnende Alkoholsucht und ständige Abstürze ab.
Ihr Fett bekommen dabei auch die Paparazzi ab, die ständig das Haus des Stars belagern und sie am liebsten in volltrunkenem Zustand fotografieren, um wieder eine Schlagzeile zu haben. Doch auch dieser Aspekt wird nicht vertieft, bleibt ein beliebiges Detail in einer gleichförmig, ohne echte Dramaturgie und Höhepunkte hinplätschernden Erzählweise.
Gutshof Heidensand, Lustenau: Di, 16.7., 20.00 Uhr
Marktplatz Rankweil (Open Air "Filme unter Sternen"): Fr, 16.8., ca. 21 Uhr

 

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