Aktuell in den Filmclubs (1.11. – 7.11.2024)
Beim Filmforum Bregenz werden diese Woche im Rahmen der Aktion „Österreichischer Filmpreis on Tour“ an einem Tag bei freiem Eintritt gleich vier preisgekrönte österreichische Filme gezeigt. Die Reihe „Treffpunkt Kino“ im Feldkircher Kino GUK lädt dagegen mit „Auf dem Weg – 1300 km zu mir“ zu einer Wanderung durch abgelegene Regionen Frankreichs ein.
Österreichischer Filmpreis on Tour: Im Rahmen der Tour der heurigen Siegerfilme des Österreichischen Filmpreises wird neben Mark Gerstorfers als bester Kurzfilm ausgezeichnetem „Die unsichtbare Grenze“ (17 Uhr), Veronika Franz‘ und Severin Fialas als bester Spielfilm ausgezeichnetem beklemmendem historischem Psychodrama „Des Teufels Bad“ (21.15 Uhr) und Josef Haders als publikumsstärkster Kinofilm ausgezeichneter lakonischer Tragikomödie „Andrea lässt sich scheiden“ (19.30 Uhr) mit „Souls of a River“ auch der Sieger in der Kategorie bester Dokumentarfilm gezeigt (17.30 Uhr).
Nah beieinander liegen im Film des griechisch-deutschen Regisseurs Chris Krikellis‘ Schönheit und Schrecken. Denn einerseits sind die Cinemascope-Bilder der weitgehend verlassenen Landschaft am griechisch-türkischen Grenzfluss Evros von bestechender Schönheit, andererseits spürt Krikellis hier nicht nur seiner eigenen Identität nach, sondern auch dem Schicksal von Flüchtlingen, die an dieser EU-Außengrenze ertranken. Feinfühlig verbindet Krikellis dabei Erinnerungen an seine eigene Familie, die diese Rückkehr in sein Heimatland auslösen, mit Begegnungen mit dem Gerichtsmediziner Pavlos Pavlidis, der ertrunkene Flüchtlinge identifizieren muss. Als dritte Ebene kommt auch noch die zunehmende Entsiedelung dieser Region dazu, in der fast nur noch alte Menschen zurückgeblieben sind.
Krikellis lotet diese Themen aber nicht schwergewichtig aus, sondern ganz dem Fluss entsprechend, der immer wieder ins Bild gerückt wird, bleibt die Erzählweise seines essayistischen Dokumentarfilms poetisch und fließend. Bruchlos fügen sich so durch das ruhige Voice-over des Regisseurs die einzelnen Ebenen zu einem berührenden Ganzen. So verlangt „Souls of a River“ in seiner langsamen Erzählweise vom Zuschauer zwar Einfühlungsvermögen und Geduld, doch lässt man sich darauf ein, so wirkt diese einerseits sehr persönliche, andererseits gesellschaftlich brennend aktuelle Spurensuche und Reflexion über Identität lange nach.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do 7.11., ab 17 Uhr - Eintritt frei.
Auf dem Weg – 1300 km zu mir: Denis Imbert erzählt nach Sylvain Tessons autobiographisch inspirierter Erzählung „Sur les chemins noirs“ vom Reiseschriftsteller Pierre (Jean Dujardin), der sich nach einem Unfall auf eine Wanderung quer durch Frankreich begibt.
Zwar stören immer wieder eingeschnittene Erinnerungen des Protagonisten an seinen Krankenhausaufenthalt den Erzählfluss, dennoch hat die Wanderung als Rückgrat des Films einiges zu bieten. Unterstützt von Ortsinserts bekommt man Einblick in einige herrliche, abgeschiedene Naturlandschaften Frankreichs. Denn Pierre wandert nicht auf ausgetretenen Pfaden, sondern vielfach weglos oder auf verfallenen Wegen auch durch Gestrüpp oder über labile Schieferplatten durch verlassene Regionen. Augenfutter wird mit unbekannten Bergplateaus mit atemberaubender Fernsicht, Durchquerung von Flüssen und Schluchten bis hin zu weiten Wiesen geboten und auch das zwischen Sonnenschein und heftigen Regengüssen pendelnde Wetter sorgt für Abwechslung. Zudem weitet sich diese Wanderung auch zu einer Erkundung des gesellschaftlichen Zustands des Landes. Denn einerseits reflektiert der Protagonist im Voice-over über die Hektik des Stadtlebens und die Ausbreitung des Menschen in die Naturregionen, andererseits erfährt er im Kontakt mit einem Bauern von der schwierigen Lage der Landwirte oder beim Einkauf in einem Dorf vom Verschwinden der Geschäfte und der Entsiedelung der Randregionen.
"Treffpunkt Kino" im Kino GUK, Feldkirch: Mo 4.11., 15.30 Uhr (Kaffee und Kuchen im GUK-Restaurant ab 14.30 Uhr)
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