Tobias Grabher, die Camerata Musica Reno und Michael Köhlmeier bescherten dem Publikum ein „österliches Cineastenfest“.
Martina Pfeifer Steiner · 22. Feb 2024 · Aktuell

11. Kunstpreis der Hypo Vorarlberg

Seit vierzig Jahren schreibt die Hypo Vorarlberg ihren Kunstpreis aus, um die regionale Szene zu beleben und Kunstschaffende mit Vorarlbergbezug zu fördern. Das bedeutet aber auch, dass die Hypo Bank mittlerweile über eine beachtliche Kunstsammlung mit mehr als vierhundert Werken verfügt.

Die feierliche Preisverleihung fand im vorarlberg museum statt, eine schöne Gelegenheit für einen ersten Auftritt  des neuen Direktors Michael Kasper. Zum 40-jährigen Jubiläum bleiben neben den aktuellen Prämierungen auch die zehn Gewinner-Arbeiten vergangener Jahre im Atrium (frei zugänglich zu den Öffnungszeiten) bis April ausgestellt.

In diesem Jahr gab es mit fast zweihundert Einreichungen wieder einen neuen Rekord. Daraus wählte die Jury dreißig Exponate aus, die sie im Original sehen und beurteilen wollten. Das Ergebnis der folgenden Jurysitzung sind zehn Vorschläge für den Ankauf und, daraus ermittelt, ein Preisträger-Kunstwerk. Die Jurymitglieder sind KUB-Direktor Thomas D. Trummer, die Schweizer Künstlerin Sara Masüger und Letizia Ragaglia, Direktorin des Kunstmuseum Liechtenstein.

Der Juryvorsitzende Thomas D. Trummer durfte die Preisträgerinnen verkünden: den 11. Kunstpreis der Hypo Vorarlberg gewann das Künstlerinnenduo Romana Hagyo und Silke Maier-Gamauf mit seinem zweiteiligen Werk inszenierter Fotografie „Anthropophyten“. Zum Titel gibt es einen hilfreichen Herleitungsverweis: nämlich anthrōpos (altgriechisch) – der „Mensch“ und phytón – die „Pflanze“ oder das „Gewachsene“ –  phýein. Trummer begibt sich schon auf die richtige Spur, wenn er über die Landschaft rätselt: „Wo sind wir? Im Süden, im Norden? Wir sehen ein Wesen, ist es ein Mensch, ein Puck, geschlechtslos, ein Naturwesen aus vergangener Zeit oder in einer kommenden …?“ Die zwei Künstlerinnen klären auf: Seit zehn Jahren arbeiten sie gemeinsam an künstlerischen Projekten, die auf das Verhältnis zwischen Raum und Geschlecht fokussieren, beispielsweise in der Arbeit „Hering und die Fluse“, die 2022 auch in der Galerie Lisi Hämmerle (siehe KULTUR 06/22) zu sehen war. „Anthropophyten“ ist tatsächlich in Norwegen entstanden, bei einem Stipendien-Aufenthalt des Arthouse Messen in Hardangerfjord. Brisant sei für die Künstlerinnen angesichts der fortschreitenden Umweltzerstörung „eine achtsame Bezugnahme aller Arten zu erlernen und zu entwickeln, verbunden mit einem Verständnis von ‚Körper‘, welches alle (menschlichen und nicht-menschlichen) Körper als wichtig und schützenswert erachtet“.

In ihren fotografischen Inszenierungen arbeiten Romana Hagyo und Silke Maier-Gamauf mit Pflanzen, Bäumen, Erde, Hügeln und setzen diese zueinander in Beziehung, fassen Konzepte von Geschlecht sukzessive weiter und fluider. „Die Bezugnahme soll einen visuellen Polylog der Arten inszenieren. Wie können wir allen Wesen (Pflanzen, Tieren etc.) den notwendigen Respekt entgegenbringen und von ihnen lernen? Welches Verständnis von ‚Körpern‘ kann die Menschen lehren, sich in ihrem Lebensraum vorsichtig und respektvoll zu bewegen? Wir forcieren das genaue Hinsehen, die Bereitschaft, von anderen Wesen (z. B. Pflanzen) zu lernen und eine neue Form des Miteinanders zu entwickeln.“ Der zweite Teil der Fotoarbeit ist bei genauerem Hinsehen als Mooshaube – die das Wesen in der Landschaft auf dem Kopf trägt – zu erkennen. Die Künstlerinnen erzählen, dass bei allen Objekten, wo Materialien aus der Natur, aus dem Meer verwendet wurden, diese wieder aufgelöst und zurückgegeben wurden.

Zum Jubiläum gab es diesmal noch einen Publikumspreis – für die zehn von der Jury nominierten Kunstwerke konnten jeder und jede online voten – und dieser ging an Luka Jana Berchtolds „got caught so far“. Eindeutig als Ball identifizierbar, handelt es sich um eine Keramikarbeit. „Im Grenzgang zwischen Spaß und Aggression regt der Ball zur Interaktion an, er wird geworfen und idealerweise vom Gegenüber gefangen oder geschmettert, um ein Zielobjekt abzuschießen.“ Die Arbeit erzählt von der Fragilität der Dinge, denn das Ready-made ist aus Ton und wirkt weich wie Leder. Interessant zu erfahren, dass die Künstlerin den Ball vor dem Brennen aufpolierte und damit die täuschende Lederoptik entstand. Das zweite Werk, das von Luka Jana Berchtold angekauft wurde, ist wirklich grünes „Leder auf Keilrahmen“.

In nächster Zeit wird der Kunstpreis 2024 auch im öffentlichen Raum präsent sein, nämlich – so wie 2019 Christine Lederers „Am liebsten trage ich ein Bügelbrett“ – als Hintergrund der Bankomaten bei den Hypo-Filialen appliziert.