Vor den Vorhang: Karlheinz Pichler
40 Jahre KULTUR: Langjährige KULTUR-Schreiber:innen kurz vorgestellt
Das Kürzel „kapi“ ist zwar nur vier Buchstaben lang, erfreut sich aber seit Jahrzehnten eines hervorragenden Klanges innerhalb der Vorarlberger Kunst-Szene – und darüber hinaus. Der 1956 in Feldkirch geborene und auch dort lebende Karlheinz Pichler studierte in Wien Germanistik und Kunstgeschichte. Er schrieb u. a. für das Kunst-Bulletin, die Bodensee Hefte, Parnass, VN und die Neue – und er initiierte gemeinsam mit Armin Fetz die Internet-Plattform kultur-online.
Füßl: Dein erster Artikel in der KULTUR war über die Medienkünstlerin Ruth Schnell im November 1993. Was hat dich vor bald 33 Jahren dazu bewogen, bei der KULTUR mitzuschreiben, obwohl es bei uns noch nichts zu verdienen gab?
Kapi: Ich war ab 1990 bei einem Ostschweizer Verlag für ein renommiertes Computermagazin verantwortlich. Dieser Verlag gab auch die „Bodensee Hefte“ heraus, für die ich nebenher Beiträge zur Kunst verfasste. Eines Tages hast du mich als damaliger Chefredakteur der KULTUR angerufen und gefragt, ob ich nicht auch für euch schreiben würde. Als ich mitbekam, dass der erste Auftrag eine Geschichte über Ruth Schnell sein soll, sagte ich sofort zu. Der zweite Auftrag war ein Interview mit Bruno Gironcoli im Dezember 1993. Als ich ihn im Foyer des damaligen Hotel Alpenrose in Feldkirch traf, schlief er bei der Antwort zur zweiten Frage während des Sprechens ein.
Füßl: Du warst in Sachen Bildende Kunst als Vielschreiber immer sehr aktiv und zugleich in Zürich Chefredaktor diverser Computer-Magazine. Ein Zusammenspiel aus Leidenschaft und Brotberuf?
Kapi: Der Kunst gehörte immer meine große Liebe, die Informationstechnologien hielten mich am Boden der Realität. Außerdem gibt es viele Querverbindungen zwischen Kunst und Informatik. Siehe beispielsweise die oben erwähnte Ruth Schnell.
Füßl: Du hast mir manche deiner Artikel in letzter Minute aus Destinationen wie Tel Aviv, Las Vegas oder von der dänischen Küste geschickt. Ein Weltbürger mit Nerven aus Drahtseil?
Ein Weltbürger mit Nerven aus Drahtseil
Kapi: Als IT-Journalist wird man permanent zu internationalen Pressekonferenzen und Tagungen eingeladen. An die hundert Mal war ich allein in den USA. Aus Zeitgründen musste ich die Artikel für KULTUR immer unterwegs schreiben. In Hotelzimmern, im Flugzeug oder Pressezentren. Es ist aber noch nie ein Beitrag von mir ausgefallen.
Füßl: Wann und wie bist du eigentlich in die Bildende Kunst eingetaucht? Gab es ein Schlüsselerlebnis? Und hast du es auch selbst aktiv versucht?
Kapi: Josip Kaiser, der die Segmente Hohenems (Bildhauersymposium Anfang der 90er Jahre, Anm.) und auch die Aktklasse von Prof. Adolf Frohner an der Angewandten in Wien geleitet hat, hat mich in seiner Klasse herumgeführt. Da habe ich Harald Gfader kennengelernt und über ihn viele andere Kunstschaffende. Wenn es ein Schlüsselerlebnis gab, dann sicher die Bekanntschaft mit Gfader. Ich selber habe nie versucht, Kunst zu machen.
Füßl: Was macht für dich gute Kunst (einen guten Künstler, eine gute Künstlerin) aus?
Kapi: Gute Kunst berührt. Eine Voraussetzung dafür ist gutes handwerkliches Können. Jeder Künstler, jede Künstlerin modelliert eine spezielle Sicht auf die Welt. Diese Sichtweisen sind es, die mich interessieren.
Füßl: Du hast schon einige Lyrik-Bände publiziert. Was reizt dich an dieser literarischen Gattung besonders?
Kapi: Lyrik kann man an jedem Ort verfassen. Oft sind es spontane Einfälle, die man in einer Kabinenseilbahn genauso wie in einem Kajak sitzend festhalten kann, falls man etwas zum Schreiben dabeihat. Genauer ausformulieren kann man es dann zu Hause am Schreibtisch. Im Laufe dieses Jahres erscheint übrigens ein weiterer Gedichtband sowie auch ein Buch mit schrägen Geschichten aus der Kunstszene.
Füßl: Früher warst du auch ein ehrgeiziger Tennisspieler?
Kapi: Ich habe beim TC Schlins und später beim TC Hörbranz in der ersten Mannschaft gespielt. Aber auch Fußball beim FC Frastanz. Bei den Schülern habe ich den Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach als Mittelstürmer auf die Ersatzbank verdrängt.
Füßl: Was fällt dir zu „40 Jahren KULTUR“ ein – und gibt es in deiner/unserer Profession überhaupt den Gedanken, mit dem Schreiben aufzuhören und „in Pension“ zu gehen?
Kapi: Die KULTUR war und ist seit jeher das Sprachrohr für existentielle Kunst und Kultur jenseits aller kommerziellen Trends. Und ein wichtiges und fast das einzige Gegengewicht zum Medienmonopolisten. Und wer schreibt, hört erst auf, wenn er den Löffel abgibt.
Dieser Artikel ist bereits in der Print-Ausgabe der KULTUR März 2026 erschienen. Hier geht es zum E-Paper.