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17.08.2018 |  Fritz Jurmann

Erfolg auf allen Linien: Bregenzer Festspiele zogen eine vorläufige Bilanz der Saison 2018

Als das „Wunder Bregenz“ bezeichnete Intendantin Elisabeth Sobotka bei der Abschluss-Pressekonferenz der Festspiele am Freitagvormittag die Möglichkeiten, mit denen hier an vier Spielplätzen ganz unterschiedliche Musiktheaterproduktionen angeboten und damit die Interessen eines breiten Publikums abgedeckt werden können. Das ist für sie das Optimum dessen, was Festspiele leisten können und macht ein Gutteil des großen künstlerischen und kommerziellen Erfolges aus, den das Festival auch im vierten Jahr unter ihrer Leitung eingefahren hat. Für sie ist der Idealzustand erfüllt, wenn Besucher mit vor Betroffenheit oder vor Freude glänzenden Augen die Aufführungen verlassen. Mit prognostizierten 270.000 Besuchern waren das heuer so viele wie nie zuvor.

Diese Erfolgsbilanz wurde auf dem Parkdeck der Seetribüne neben der Intendantin auch von Festspielpräsident Hans-Peter Metzler und dem kaufmännischen Direktor Michael Diem in der Moderation von Pressesprecher Axel Renner ausführlich erläutert. Betont wurde dabei, dass es sich dabei so wie in den letzten Jahren üblich um eine „vorläufige“ Bilanz handelt, weil inklusive der später angefügten 29. „Carmen“-Aufführung am Montag insgesamt noch vier Abende am See mit jeweils 7.000 Personen ausstehen und die stolze Gesamtbilanz von heuer 206.000 Besuchern am See mit bisher nur einer Regenabsage trüben könnten.

Warum nur „vorläufige“ Bilanz?

Immerhin geht es dabei also um ein Potenzial von über 20.000 Besuchern, die Hauskarten bereits berücksichtigt. Und man fragt sich wieder einmal, warum man in Bregenz nicht Nägel mit Köpfen macht und erst am Tag nach der letzten Vorstellung eine Abschluss-Pressekonferenz mit dem endgültigen Ergebnis veranstaltet, die diesen Namen auch verdient.

Ungeachtet dessen zieht sich der Erfolg dieser 73. Bregenzer Festspiele mit 80 angebotenen Veranstaltungen durch alle Bereiche und zeigt eigentlich kaum Einbrüche. Am wenigsten gefragt war, auf hohem Niveau, die unbekannte Hausoper „Beatrice Cenci“ von Berthold Goldschmidt mit einer Auslastung von immerhin 89 Prozent und 4.100 Besuchern. Die Orchesterkonzerte der Wiener Symphoniker und des SOV kommenden Sonntag (dafür gibt es noch Karten) erreichen 92 Prozent oder 5.700 Besucher, die Larcher-Oper „Das Jagdgewehr“ 96 Prozent oder 1.100 Besucher und das Schauspiel „Böhm“ mit Nikolaus Habjan 97 Prozent oder 930 Besucher.

Verkaufsschlager „Carmen“ am See

Zu 100 Prozent ausgelastet ist so wie im Vorjahr das Spiel auf dem See, Bizets „Carmen“. Diese Zahl bleibt auch bestehen, so Michael Diem, wenn noch eine oder mehrere der vier Vorstellungen ausfallen würden, weil dann auch die Hauskarten zu 100 Prozent verkauft sind. Damit haben in zwei Jahren insgesamt etwa 400.000 Zuseher „Carmen“ am See in der Inszenierung von Kasper Holten und im Bühnenbild von Es Devlin erlebt. Nur die Inszenierungen von Mozarts „Zauberflöte“ 2013/14 und Bernsteins „West Side Story“ 2003/04 sahen jeweils mehr Besucher. Auf diesem nicht mehr zu toppenden Niveau rangieren heuer auch die Tangooper „Maria de Buenos Aires“ und der sensationelle Erfolg mit Rossinis „Barbier von Sevilla“ im Opernstudio in der Regie von Brigitte Fassbaender.   

Präsident Hans-Peter Metzler zeigt sich hoch zufrieden mit dieser „besonderen Saison“ und einem Programm, das nicht nur in die Breite, sondern auch in die Tiefe zielte. Er gesteht, dass es angesichts des anhaltenden Publikumszuspruchs Überlegungen gab, „Carmen“ im kommenden Jahr ein drittes Mal anzusetzen, aber man wollte „bescheiden bleiben“ und beließ es im langjährig bewährten zweijährlichen Rhythmus.

Ideales Team – ideales Stück

Elisabeth Sobotka hat besonders der Erfolg der im Vorfeld angesetzten „Carmen für Kinder“ überrascht – eine Idee, die sie jeweils im zweiten Jahr einer Seeproduktion beibehalten möchte. Der Erfolg der „Carmen“ am See ist für sie durch ein ideales Team mit einem idealen Stück begründet, zu dem ein ganz besonderer Zugang gefunden wurde: „Holten und Devlin haben mir immer beteuert, dass hier der ideale Platz sei, diese Geschichte zu erzählen. Und das wurde dann mit der Zeit ‚unsere‘ ‚Carmen‘, vor allem in der im zweiten Jahr noch ausgefeilteren Version.“ 

Für Michael Diem war die Produktion am See früher die Lokomotive, die „alles Übrige“ mitgezogen hat. Inzwischen hat sich jeder dieser „Waggons“, um im Bild zu bleiben, zu einem „Triebwagen“ entwickelt, weil starke Stücke alle in sich selbst funktionieren. Besonders imponiert ihm, wie sehr sich die Besucherinnen und Besucher in Programmen und Einführungsvorträgen auf die Stücke vorbereiten.

Zukunft ohne Revolution

Bei der Frage nach einer Strategie für die Zukunft mit möglichem Optimierungspotenzial wiederholt Präsident Metzler seine Aussage von früher, es brauche in Bregenz keine Revolutionen für den Erfolg: „Wir besitzen eine klare Identität, haben die Bregenzer Dramaturgie ständig erweitert und arbeiten in besonderen Werkumsetzungen und Entwicklungen an diesen Erfolgskomponenten.“ Wichtig sei für ihn, dass man dabei immer wieder neue Dinge anbiete, in Inszenierungen, die zum Weiterdenken anregen. Dazu gehört, so Sobotka, auch das auf drei Jahre angelegte Opernatelier mit einer noch namenlosen Oper als Auftragswerk an den in Berlin lebenden Bregenzerwälder Komponisten Alexander Moosbrugger, die 2020 uraufgeführt werden soll. Ebenso soll das Schauspiel weiter im Programm seinen fixen Platz behalten.  

Die „Carmen“-Bühne wird ab kommenden Dienstag, am Tag nach der letzten Vorstellung, abgerissen und im Laufe des Winters für die nächstjährige Seeproduktion, Verdis Oper „Rigoletto“ für die Jahre 2019 und 2020, umgestaltet. Dieses Bühnenbild, das wieder zu einem Markenzeichen werden soll, bleibt wie üblich noch ein großes Geheimnis. Über die Inszenierung eines neuen Teams mit Regisseur und Bühnenbildner Philipp Stölzl ist Elisabeth Sobotka nur die vage Aussage zu entlocken, diese werde „ganz anders sein als ‚Carmen‘.“ Karten dafür können bereits ab Montagabend unter www.bregenzerfestspiele.com gebucht werden.

Auf dem Parkdeck der Seetribüne präsentierte die Festspielleitung eine „vorläufige“ Bilanz der Saison. Wenn keine „Carmen“ mehr ausfällt, gibt es mit 270.000 Besuchern einen Allzeit-Rekord.

Auf dem Parkdeck der Seetribüne präsentierte die Festspielleitung eine „vorläufige“ Bilanz der Saison. Wenn keine „Carmen“ mehr ausfällt, gibt es mit 270.000 Besuchern einen Allzeit-Rekord.

Am Podium gaben v. l. n. r. der kaufmännische Direktor Michael Diem, Präsident Hans-Peter Metzler und Intendantin Elisabeth Sobotka Auskunft über den künstlerischen und kommerziellen Erfolg.

Am Podium gaben v. l. n. r. der kaufmännische Direktor Michael Diem, Präsident Hans-Peter Metzler und Intendantin Elisabeth Sobotka Auskunft über den künstlerischen und kommerziellen Erfolg.

„Carmen“ am See werden in den zwei Jahren rund 400.000 Besucher aus aller Welt erlebt haben. In der viel diskutierten Schlüsselszene im Finale ertränkt Don José seine Geliebte Carmen.

„Carmen“ am See werden in den zwei Jahren rund 400.000 Besucher aus aller Welt erlebt haben. In der viel diskutierten Schlüsselszene im Finale ertränkt Don José seine Geliebte Carmen.

Einen packenden Stoff um menschliche Gewalt und kirchliche Korruption in der italienischen Renaissance bot die vergessene Hausoper „Beatrice Cenci“ von Berthold Goldschmidt aus den 50-er Jahren.

Einen packenden Stoff um menschliche Gewalt und kirchliche Korruption in der italienischen Renaissance bot die vergessene Hausoper „Beatrice Cenci“ von Berthold Goldschmidt aus den 50-er Jahren.

Stehende Ovationen gab es nach der Premiere von Rossinis „Barbier von Sevilla“ im Opernstudio durch ein junges Team in der Regie der legendären deutschen Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender.

Stehende Ovationen gab es nach der Premiere von Rossinis „Barbier von Sevilla“ im Opernstudio durch ein junges Team in der Regie der legendären deutschen Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender.

Die Uraufführung der Auftragsoper „Das Jagdgewehr“ an Thomas Larcher erfuhr durch Karl Markovics eine berührend innige Umsetzung (Fotos © Bregenzer Festspiele/ Dietmar Mathis, Karl Forster, Anja Köhler).

Die Uraufführung der Auftragsoper „Das Jagdgewehr“ an Thomas Larcher erfuhr durch Karl Markovics eine berührend innige Umsetzung (Fotos © Bregenzer Festspiele/ Dietmar Mathis, Karl Forster, Anja Köhler).

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  • Auf dem Parkdeck der Seetribüne präsentierte die Festspielleitung eine „vorläufige“ Bilanz der Saison. Wenn keine „Carmen“ mehr ausfällt, gibt es mit 270.000 Besuchern einen Allzeit-Rekord. Auf dem Parkdeck der Seetribüne präsentierte die Festspielleitung eine „vorläufige“ Bilanz der Saison. Wenn keine „Carmen“ mehr ausfällt, gibt es mit 270.000 Besuchern einen Allzeit-Rekord.
  • Am Podium gaben v. l. n. r. der kaufmännische Direktor Michael Diem, Präsident Hans-Peter Metzler und Intendantin Elisabeth Sobotka Auskunft über den künstlerischen und kommerziellen Erfolg. Am Podium gaben v. l. n. r. der kaufmännische Direktor Michael Diem, Präsident Hans-Peter Metzler und Intendantin Elisabeth Sobotka Auskunft über den künstlerischen und kommerziellen Erfolg.
  • „Carmen“ am See werden in den zwei Jahren rund 400.000 Besucher aus aller Welt erlebt haben. In der viel diskutierten Schlüsselszene im Finale ertränkt Don José seine Geliebte Carmen. „Carmen“ am See werden in den zwei Jahren rund 400.000 Besucher aus aller Welt erlebt haben. In der viel diskutierten Schlüsselszene im Finale ertränkt Don José seine Geliebte Carmen.
  • Einen packenden Stoff um menschliche Gewalt und kirchliche Korruption in der italienischen Renaissance bot die vergessene Hausoper „Beatrice Cenci“ von Berthold Goldschmidt aus den 50-er Jahren. Einen packenden Stoff um menschliche Gewalt und kirchliche Korruption in der italienischen Renaissance bot die vergessene Hausoper „Beatrice Cenci“ von Berthold Goldschmidt aus den 50-er Jahren.
  • Stehende Ovationen gab es nach der Premiere von Rossinis „Barbier von Sevilla“ im Opernstudio durch ein junges Team in der Regie der legendären deutschen Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender. Stehende Ovationen gab es nach der Premiere von Rossinis „Barbier von Sevilla“ im Opernstudio durch ein junges Team in der Regie der legendären deutschen Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender.
  • Die Uraufführung der Auftragsoper „Das Jagdgewehr“ an Thomas Larcher erfuhr durch Karl Markovics eine berührend innige Umsetzung (Fotos © Bregenzer Festspiele/ Dietmar Mathis, Karl Forster, Anja Köhler). Die Uraufführung der Auftragsoper „Das Jagdgewehr“ an Thomas Larcher erfuhr durch Karl Markovics eine berührend innige Umsetzung (Fotos © Bregenzer Festspiele/ Dietmar Mathis, Karl Forster, Anja Köhler).