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12.07.2018 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (13.7. - 19.7. 2018)

Filmforum Bregenz und Open-Air in Heerbrugg zeigen diese Woche die Dramödie „Tully“, in der Jason Reitman und Drehbuchautorin Diablo Cody unspektakulär, aber genau von den Belastungen einer Mutterschaft erzählen. Im Takino Schaan steht mit „Jane“ ein Dokumentarfilm über die Verhaltensforscherin Jane Goodall auf dem Programm.

Tully: Nachdem Drehbuchautorin Diablo Cody und Regisseur Jason Reitman in "Juno" von einer Teenager-Mutter und in "Young Adult" von jungen Erwachsenen erzählten, blicken sie nun auf die Belastungen – und die langsame Selbstfindung – der 40-jährigen Marlo, die gerade zum dritten Mal Mutter wurde.
Keine spektakuläre Handlung entwickeln Reitman/Cody, konzentrieren sich auf Alltägliches und bewegen gerade dadurch, dass sie nah am Leben bleiben und den Fokus ganz auf die Familie und im Speziellen die Mutter legen, die an der Überforderung zu zerbrechen droht. Aufwärts geht es mit ihr erst wieder, als sie die junge Tully (Mackenzie Davis) als "Night Nanny" einstellt, die sich liebevoll um das Baby kümmert, die Mutter ins Bett schickt und nur zum Stillen weckt. Wie ein guter Engel aus einer anderen Welt wirkt sie, bleibt aber undurchschaubar, Marlo aber wird durch diesen Kontakt gelöster und lernt wieder auf sich selbst zu achten.
Vorwerfen kann man "Tully" nicht nur, dass diese Mittelstandsfamilie zu glatt und mustergültig gezeichnet wird, sondern auch, dass hier doch veraltete Rollenbilder transportiert werden, wenn die Sorge um das Baby ganz der Mutter obliegt. Doch trotz dieser Einwände muss man diesen klassischen Frauenfilm mögen. Denn so überzeugend und frisch das Duo Cody/Reitman vor neun Jahren in "Juno" von den Schwierigkeiten eines schwangeren Teenagers erzählte, so treffend und gerade im Verzicht auf Glamour bewegend ist diese Dramödie, in der die 40-jährige Cody wohl auch eigene Erfahrungen einfließen ließ.
Die wunderbar natürlich agierenden und bestens harmonierenden Hauptdarstellerinnen Charlize Theron und Mackenzie Davis sorgen in Kombination mit den punktgenauen Dialogen Codys und dem bestechend Realismus, Mitgefühl und Witz mischenden Blick auf den Alltag einfach für eine Mischung, die nicht nur bestens unterhält, sondern die auch sehr tröstlich und optimistisch ist.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Fr 13.7., 22 Uhr
Open-Air-Kino am Markt, Heerbrugg: Di 17.7., 21.30 Uhr

Jane: 100 Stunden bislang unveröffentlichtes 16-mm-Filmmaterial aus dem National Geographic Archiv sichtete Brett Morgen für diesen Dokumentarfilm, das Rückgrat stellt aber ein Interview mit der 83-jährigen Jane Goodall dar. Sie führt als Erzählerin durch den Film, keine andere Person kommt zu Wort. Ganz aus ihrer Perspektive wird so erzählt, das Archivmaterial unterstützt ihre Ausführungen.
Eindrücklich vermittelt der Film so, beginnend mit dem Forschungsauftrag der 26-jährigen britischen Sekretärin, die über keine wissenschaftliche Ausbildung verfügte, aber sich seit ihrer Kindheit für Tiere und ein Leben in Afrika interessierte, 1960 in Gombe, wie sie langsam den Schimpansen näherkam und Kontakt knüpfen konnte. Ganz auf die Beobachtung beschränkte sie sich dabei, gab den Affen auch Namen, entdeckte ihr soziales Zusammenleben ebenso wie ihren Einsatz von Werkzeugen.
Gleichzeitig erzählt der Film aber auch, wie sich aus der Zusammenarbeit mit dem Tierfilmer Hugo van Lawick, der 1964 zu Goodall stieß, um ihre Arbeit zu dokumentieren, eine Beziehung und eine Ehe entwickelte und wie ihr Sohn Grup bis zum sechsten Lebensjahr in Afrika aufwuchs.
Es ist aber auch die Geschichte einer Frau, die in den 1960er Jahren etwas tat, was Frauen damals nicht taten und die medial deshalb lange nur als „Cover Girl“ des National Geographic abgetan wurde.
Informativ ist „Jane“ damit zwar, aber auch sehr geradlinig und überraschend brav erzählt und feiert Goodall nach weitgehend sachlicher Schilderung im Finale, unterstützt von der penetranten Musik von Philip Glass, emphatisch als Kämpferin für den Schutz der Arten und als Gründerin eines Forschungszentrum in Gombe, in das immer noch Doktoranden kommen.
Takino Schaan: Fr 13.7., 18.30 Uhr; Sa 14.7., 18.30 Uhr; Mo 16.7., 20.30 Uhr

Tully

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Jane

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